Ziehende Landschaft
Mai 10, 2009
Man muß weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muß den Atem anhalten,
bis der Wind nachläßt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter.
Hilde Domin
Gewinner des Goldenen Bären in Berlin. Der erste peruanische Spielfilm, der je in einem Wettbewerb einer Berlinale um den Goldenen Bären konkurrierte. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die an den Folgen des Jahre zurück liegenden Terrorsystems in Peru leidet. In jener Zeit wurde ihre Mutter vergewaltigt, und die nun erwachsene Tochter, zum Zeitpunkt des Gewaltaktes im Mutterleib, trägt psychisch schwer an den Folgen dieser Traumatisierung.
For whom the bell tolls, Apocalyptica
Februar 13, 2009
Lida Baarová, des Teufels Geliebte
Februar 10, 2009

Lída Baarová wird am 7.9.1914 als Ludmila Babková in Prag geboren und verstirbt am 27.10. 2000 in Salzburg. Sie war eine tschechische Schauspielerin und die Geliebte von Joseph Goebbels.
Baarová absolviert ihre Ausbildung am Schauspielkonservatorium in Prag. Sie trittt im Alter von 17 Jahren in ihrem ersten Film auf und nimmt Schallplatten auf. 1934 wird sie im Alter von 20 Jahren von der Ufa engagiert und wirkt 1935 in „Barcarole“ mit. Die männliche Hauptrolle in dieser Produktion spielt Gustav Fröhlich, mit dem Baarová fortan liiert ist. Beide bewohnen ein Haus auf der Halbinsel Schwanenwerder in Berlin. Lida Baarovà wird von der deutschen Filmindustrie als exotischer Vamp importiert und verkörpert bis 1938 fast ausschließlich solche Charaktere. Die Familie Goebbels wohnt in der Nachbarschaft. Goebbels ladet die junge Baarová schon bald zum Tee in sein abgelegenes Blockhaus am Bogensee ein. Er spielt am Flügel romantische Weisen, rudert Lida über den See, füttert mit ihr Rehe im Wald und liegt mit ihr vor dem Kamin. Die 22-Jährige wehrt sich nicht lange gegen seine Avancen. Sie trennt sich von Fröhlich. Aus der Affäre wird eine ernsthafte Liebe. Nach fast zwei Jahren beschließt Goebbels, seine Frau um die Scheidung zu bitten. Diese wendet sich allerdings an Hitler persönlich, der diese Liebe vereitelt. Lida Baarová verliert ihre Engagements und setzt sich nach Prag ab, wo sie nach Kriegsende als Kollaborateurin für 18 Monate ins Gefängnis kommt. Danach hat sie einige Filmrollen, zu Beginn der Fünfziger Jahre wird die Schauspielerin vom italienischen Film wiederentdeckt, und gehört unter anderem auch zum Ensemble von Federico Fellinis erstem Meisterwerk „Die Müßiggänger“ (1953). Letztlich kann sie in der Filmbranche aber nicht mehr Fuß fassen. 1956 läßt sie sich von ihrem Ehemann Jan Kopecky scheiden und spielt Theater in Österreich und Deutschland. 1958 heiratet sie in Salzburg den schwedischen Professor Kurt Lundwall, nachdem dessen Frau stirbt und führt mit ihm eine glückliche bis zu dessen Tod 1980. Lída Baarová verbringt die restlichen zwanzig Jahre ihres Lebens in Salzburg. Bis zu ihrem Tode lebt sie in dem Haus, Haunspergerstraße 25, in dem bis 1938 die jüdische Familie Friedman gewohnt hatte. Kurz bevor Lida Baarova am 27. Oktober 2000 im Alter von 86 Jahren in Salzburg stirbt, diktiert sie noch ihre Memoiren. Darin präsentiert sie sich als argloses Opfer des Verführers Goebbels. Sie beschreibt seinen Charme und diese Liebe, seine nationalsozialistische Vergangenheit und seine rassistischen Reden blendet sie aus. Als Ausrede führt sie an, daß sie damals nicht gewußt hätte, was der Nationalsozialismus sei.
http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/biographien/619.html
Der Bock von Babelsberg
Februar 10, 2009

Joseph Goebbels, Vater von sechs Kindern hat neben seiner eigenen darstellerischen Begabung noch einen ganz anderen Hang zur Schauspielerei – und Schauspielerinnen, dem er möglichst ohne Publikum nachgehen will. Er erhält vom Berliner Oberbürgermeister Lippert ein Blockhaus am Bogensee, das dieser mit einem außerplanmäßigen Etat bauen läßt. Dieses Blockhaus wird für die Empfänge des Minister bald zu klein und daher wird Ende Oktober 1939 ein neugebautes Landhaus auf der gegenüberliegenden Seite des Bogensees fertiggestellt. Ein Anwesen mit 30 Privaträumen, 40 Dienstzimmern, einem 100 Quadratmeter großen Filmsaal am Ende des rechten Wohnflügels sowie 60 Telefonen. Hierhin ladet Goebbels die Prominenz von Staat, Partei, Film und Presse regelmäßig ein. Goebbels nutzt ab 1933 die Ufa-Studios für die Propaganda der Nationalsozialisten. Als „Bock von Babelsberg“ wird er belächelt und beneidet. Er hat zahlreiche Affären, seine Frau Magda auch. Die Ehe der beiden ist dementsprechend schwierig. Trotzdem ist das Paar mit seiner wachsenden Kinderschar öffentlich so etwas wie die deutsche Vorzeigefamilie. 1938 führt Goebbels Affäre mit der jungen tschechischen Schauspielerin Lida Baarova zum Eklat. Seine Frau Magda sieht ihre Position als erste Dame des Dritten Reiches gefährdet und denunziert ihren Mann bei Hitler. Hitler zitiert Goebbels auf den Berghof und fordert ein Ende der Beziehung. Goebbels gibt nach und kehrt zu seiner Ehefrau zurück. Lida Baarova erhält Berufsverbot, ihre Filme werden nicht mehr aufgeführt, vor ihrem Haus wacht die Gestapo.
Berlinale 2009
Februar 8, 2009
Happy Sleevefacing
Februar 8, 2009
Noch ana Sindflud, H.C. Artmann
Februar 7, 2009
noch ana sindflud san olawäu de fenztabreln fafäud – ka fogl singd mea en de bam
und de kefa schwiman en d lokn med n bauch in da hee..
waun s d an bam beilsd foen da dropfm aum huad und en de kino drin
riacht s noch hei- und woefisch de wos en ole rein xessn san..
noch ana sindflud san olawäu de fenztabreln fafäud – owa mia san ole dasoffm
und kenan s goa nima seng wia de gaunzn kefa so fakead daheaschwiman
mia kenan s a nima gschbian wia r uns de owebeildn dropfm fon de bam
aum huad drepfön uns ged a des gschraa fon de fegl nima r oo
und unsa nosn riacht nedamoe an schbenala mea geschweige den an hei- oda woefisch..
noch ana sindflud sama r ole medaranaund saumt de hextn beag dasoffn
H.C. Artmann
Hirschen wollte mit dem halben Auto nach oben flüchten…
Februar 7, 2009

Elly Ney, Hitlers Pianistin
Februar 7, 2009

Elly Ney wird am 27.9. 1882 in Düsseldorf geboren und verstirbt am 31.3.1968 in Tutzing: Sie ist eine deutsche Pianistin, die als Interpretin der Werke Ludwig van Beethovens Bedeutung erlangt hat. Während der NS-Zeit steht sie auf der “Gottbegnadeten-Liste” (Führerliste) der wichtigsten PianistInnen des NS-Staates.
Sie wird als Tochter des Feldwebels Jakobus Ney und der Musiklehrerin Anna Ney in Düsseldorf geboren. Da ihre Mutter nicht in einer Kaserne leben will, wechselt der Vater in eine Beamtenstelle nach Bonn. Ihre Kindheit und Jugend ist geprägt von einem militaristischen und musischen Elternhaus, ihre Erziehung von Fremdenfeindlichkeit. 1933 weigert sich Elly Ney für Rudolf Serkin in Hamburg einzuspringen, der nach seinem Berufsverbot in Deutschland in die Schweiz emigrieren muß, da sie es nicht ertragen könne, an Stelle eines Juden zu spielen. Am 20. April 1937 wird sie von Hitler zur Professorin ernannt, am 1. Mai 1937 wird sie Mitglied der NSDAP (Nr. 6.088.559). Für ihre Mitarbeit bei den Olympischen Spielen 1936 verleiht Hitler ihr 1937 eine Erinnerungsmedaille. Ney ist Mitglied weiterer nationalsozialistischer Organisationen, unter anderem Ehrenmitglied im Bund Deutscher Mädel (BDM), und hält Reden an die Jugend, in denen sie Beethoven und die „nordische Musik“ im Geist des Nationalsozialismus deutet. Im Zweiten Weltkrieg, in der Zeit des Generalgouvernements Polen gastiert sie 1941 auch in Krakau, wo zu dieser Zeit die „Philharmonie des Generalgouvernements“ eingerichtet ist. Ihren eigenwilligen konservativen Musikgeschmack beweist sie 1942 in Görlitz, wo sie die zweite Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana unter Protest verläßt, das Werk als „Kulturschande“ bezeichnet und ein lokales Aufführungsverbot erreicht. Ney spielt im Verlauf des Kriegs zunehmend Konzerte in Lazaretten und Krankenhäusern. 1943 bekommt sie das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse für Truppenbetreuung. 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs wird sie von Hitler in die Gottbegnadetenliste der unersetzlichen Künstler aufgenommen. Von 1939 bis 1945 lehrt sie zeitweise am Salzburger Mozarteum. Sie stirbt 1968 im 86. Lebensjahr in Tutzing und wird dort neben ihrem 1965 verstorbenen Ex-Ehemann und Lebenspartner Willem van Hoogstraten beerdigt.
Die gebürtige Düsseldorferin lebt seit 1929 bis zu ihrem Tode und Aufenthalten in den USA in Tutzing in Oberbayern. Die Gemeinde hat ihr ein Ehrengrab eingerichtet, auf der Brahmspromenade am Seeufer steht eine Bronzebüste der Pianistin. Seit 1952 ist Ney Ehrenbürgerin von Tutzing. In diesem Ort verliert die CSU voriges Jahr bei Kommunalwahlen nach Jahren die absolute Mehrheit. Die Nachfolger lassen Porträts von Ney im Sinne eines Wandels im Rathaus rasch abhängen. Jetzt entbrennt ein Streit um das Erbe der Ehrenbürgerin – Hitlers Pianistin, der die Bürger spaltet. Elly Ney distanziert sich nach dem Krieg niemals eindeutig von der Naziideologie, ungeachtet ihrer tiefen Verstrickung in die Gräueltaten des Naziregimes gelingt ihr nach dem Krieg eine erstaunliche Alterskarriere. Sie konzertiert bis wenige Wochen vor ihrem Tod im März 1968.
Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland folgert dazu: “Elly Ney war nicht nur Profiteurin des Nationalsozialismus, sie hat das braune Gedankengut auch aktiv vertreten. Ney sei eine Kulturpolitikerin der Nazis gewesen, die kein Geheimnis daraus machte, wie sehr sie darunter litt, im selben Umfeld mit jüdischen Musikern wie Serkin aufzutreten. Sie habe lieber für die Hitlerjugend, den Bund Deutscher Mädel, die SA und SS gespielt.“ Als Überlebende der Shoah empfindet es Charlotte Knobloch als Hohn, wenn eine überzeugte Nationalsozialistin wie Elly Ney weiterhin als Ehrenbürgerin von Tutzing gewürdigt wird.
