Lida Baarová, des Teufels Geliebte
Februar 10, 2009

Lída Baarová wird am 7.9.1914 als Ludmila Babková in Prag geboren und verstirbt am 27.10. 2000 in Salzburg. Sie war eine tschechische Schauspielerin und die Geliebte von Joseph Goebbels.
Baarová absolviert ihre Ausbildung am Schauspielkonservatorium in Prag. Sie trittt im Alter von 17 Jahren in ihrem ersten Film auf und nimmt Schallplatten auf. 1934 wird sie im Alter von 20 Jahren von der Ufa engagiert und wirkt 1935 in „Barcarole“ mit. Die männliche Hauptrolle in dieser Produktion spielt Gustav Fröhlich, mit dem Baarová fortan liiert ist. Beide bewohnen ein Haus auf der Halbinsel Schwanenwerder in Berlin. Lida Baarovà wird von der deutschen Filmindustrie als exotischer Vamp importiert und verkörpert bis 1938 fast ausschließlich solche Charaktere. Die Familie Goebbels wohnt in der Nachbarschaft. Goebbels ladet die junge Baarová schon bald zum Tee in sein abgelegenes Blockhaus am Bogensee ein. Er spielt am Flügel romantische Weisen, rudert Lida über den See, füttert mit ihr Rehe im Wald und liegt mit ihr vor dem Kamin. Die 22-Jährige wehrt sich nicht lange gegen seine Avancen. Sie trennt sich von Fröhlich. Aus der Affäre wird eine ernsthafte Liebe. Nach fast zwei Jahren beschließt Goebbels, seine Frau um die Scheidung zu bitten. Diese wendet sich allerdings an Hitler persönlich, der diese Liebe vereitelt. Lida Baarová verliert ihre Engagements und setzt sich nach Prag ab, wo sie nach Kriegsende als Kollaborateurin für 18 Monate ins Gefängnis kommt. Danach hat sie einige Filmrollen, zu Beginn der Fünfziger Jahre wird die Schauspielerin vom italienischen Film wiederentdeckt, und gehört unter anderem auch zum Ensemble von Federico Fellinis erstem Meisterwerk „Die Müßiggänger“ (1953). Letztlich kann sie in der Filmbranche aber nicht mehr Fuß fassen. 1956 läßt sie sich von ihrem Ehemann Jan Kopecky scheiden und spielt Theater in Österreich und Deutschland. 1958 heiratet sie in Salzburg den schwedischen Professor Kurt Lundwall, nachdem dessen Frau stirbt und führt mit ihm eine glückliche bis zu dessen Tod 1980. Lída Baarová verbringt die restlichen zwanzig Jahre ihres Lebens in Salzburg. Bis zu ihrem Tode lebt sie in dem Haus, Haunspergerstraße 25, in dem bis 1938 die jüdische Familie Friedman gewohnt hatte. Kurz bevor Lida Baarova am 27. Oktober 2000 im Alter von 86 Jahren in Salzburg stirbt, diktiert sie noch ihre Memoiren. Darin präsentiert sie sich als argloses Opfer des Verführers Goebbels. Sie beschreibt seinen Charme und diese Liebe, seine nationalsozialistische Vergangenheit und seine rassistischen Reden blendet sie aus. Als Ausrede führt sie an, daß sie damals nicht gewußt hätte, was der Nationalsozialismus sei.
http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/biographien/619.html
Der Bock von Babelsberg
Februar 10, 2009

Joseph Goebbels, Vater von sechs Kindern hat neben seiner eigenen darstellerischen Begabung noch einen ganz anderen Hang zur Schauspielerei – und Schauspielerinnen, dem er möglichst ohne Publikum nachgehen will. Er erhält vom Berliner Oberbürgermeister Lippert ein Blockhaus am Bogensee, das dieser mit einem außerplanmäßigen Etat bauen läßt. Dieses Blockhaus wird für die Empfänge des Minister bald zu klein und daher wird Ende Oktober 1939 ein neugebautes Landhaus auf der gegenüberliegenden Seite des Bogensees fertiggestellt. Ein Anwesen mit 30 Privaträumen, 40 Dienstzimmern, einem 100 Quadratmeter großen Filmsaal am Ende des rechten Wohnflügels sowie 60 Telefonen. Hierhin ladet Goebbels die Prominenz von Staat, Partei, Film und Presse regelmäßig ein. Goebbels nutzt ab 1933 die Ufa-Studios für die Propaganda der Nationalsozialisten. Als „Bock von Babelsberg“ wird er belächelt und beneidet. Er hat zahlreiche Affären, seine Frau Magda auch. Die Ehe der beiden ist dementsprechend schwierig. Trotzdem ist das Paar mit seiner wachsenden Kinderschar öffentlich so etwas wie die deutsche Vorzeigefamilie. 1938 führt Goebbels Affäre mit der jungen tschechischen Schauspielerin Lida Baarova zum Eklat. Seine Frau Magda sieht ihre Position als erste Dame des Dritten Reiches gefährdet und denunziert ihren Mann bei Hitler. Hitler zitiert Goebbels auf den Berghof und fordert ein Ende der Beziehung. Goebbels gibt nach und kehrt zu seiner Ehefrau zurück. Lida Baarova erhält Berufsverbot, ihre Filme werden nicht mehr aufgeführt, vor ihrem Haus wacht die Gestapo.
Elly Ney, Hitlers Pianistin
Februar 7, 2009

Elly Ney wird am 27.9. 1882 in Düsseldorf geboren und verstirbt am 31.3.1968 in Tutzing: Sie ist eine deutsche Pianistin, die als Interpretin der Werke Ludwig van Beethovens Bedeutung erlangt hat. Während der NS-Zeit steht sie auf der “Gottbegnadeten-Liste” (Führerliste) der wichtigsten PianistInnen des NS-Staates.
Sie wird als Tochter des Feldwebels Jakobus Ney und der Musiklehrerin Anna Ney in Düsseldorf geboren. Da ihre Mutter nicht in einer Kaserne leben will, wechselt der Vater in eine Beamtenstelle nach Bonn. Ihre Kindheit und Jugend ist geprägt von einem militaristischen und musischen Elternhaus, ihre Erziehung von Fremdenfeindlichkeit. 1933 weigert sich Elly Ney für Rudolf Serkin in Hamburg einzuspringen, der nach seinem Berufsverbot in Deutschland in die Schweiz emigrieren muß, da sie es nicht ertragen könne, an Stelle eines Juden zu spielen. Am 20. April 1937 wird sie von Hitler zur Professorin ernannt, am 1. Mai 1937 wird sie Mitglied der NSDAP (Nr. 6.088.559). Für ihre Mitarbeit bei den Olympischen Spielen 1936 verleiht Hitler ihr 1937 eine Erinnerungsmedaille. Ney ist Mitglied weiterer nationalsozialistischer Organisationen, unter anderem Ehrenmitglied im Bund Deutscher Mädel (BDM), und hält Reden an die Jugend, in denen sie Beethoven und die „nordische Musik“ im Geist des Nationalsozialismus deutet. Im Zweiten Weltkrieg, in der Zeit des Generalgouvernements Polen gastiert sie 1941 auch in Krakau, wo zu dieser Zeit die „Philharmonie des Generalgouvernements“ eingerichtet ist. Ihren eigenwilligen konservativen Musikgeschmack beweist sie 1942 in Görlitz, wo sie die zweite Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana unter Protest verläßt, das Werk als „Kulturschande“ bezeichnet und ein lokales Aufführungsverbot erreicht. Ney spielt im Verlauf des Kriegs zunehmend Konzerte in Lazaretten und Krankenhäusern. 1943 bekommt sie das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse für Truppenbetreuung. 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs wird sie von Hitler in die Gottbegnadetenliste der unersetzlichen Künstler aufgenommen. Von 1939 bis 1945 lehrt sie zeitweise am Salzburger Mozarteum. Sie stirbt 1968 im 86. Lebensjahr in Tutzing und wird dort neben ihrem 1965 verstorbenen Ex-Ehemann und Lebenspartner Willem van Hoogstraten beerdigt.
Die gebürtige Düsseldorferin lebt seit 1929 bis zu ihrem Tode und Aufenthalten in den USA in Tutzing in Oberbayern. Die Gemeinde hat ihr ein Ehrengrab eingerichtet, auf der Brahmspromenade am Seeufer steht eine Bronzebüste der Pianistin. Seit 1952 ist Ney Ehrenbürgerin von Tutzing. In diesem Ort verliert die CSU voriges Jahr bei Kommunalwahlen nach Jahren die absolute Mehrheit. Die Nachfolger lassen Porträts von Ney im Sinne eines Wandels im Rathaus rasch abhängen. Jetzt entbrennt ein Streit um das Erbe der Ehrenbürgerin – Hitlers Pianistin, der die Bürger spaltet. Elly Ney distanziert sich nach dem Krieg niemals eindeutig von der Naziideologie, ungeachtet ihrer tiefen Verstrickung in die Gräueltaten des Naziregimes gelingt ihr nach dem Krieg eine erstaunliche Alterskarriere. Sie konzertiert bis wenige Wochen vor ihrem Tod im März 1968.
Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland folgert dazu: “Elly Ney war nicht nur Profiteurin des Nationalsozialismus, sie hat das braune Gedankengut auch aktiv vertreten. Ney sei eine Kulturpolitikerin der Nazis gewesen, die kein Geheimnis daraus machte, wie sehr sie darunter litt, im selben Umfeld mit jüdischen Musikern wie Serkin aufzutreten. Sie habe lieber für die Hitlerjugend, den Bund Deutscher Mädel, die SA und SS gespielt.“ Als Überlebende der Shoah empfindet es Charlotte Knobloch als Hohn, wenn eine überzeugte Nationalsozialistin wie Elly Ney weiterhin als Ehrenbürgerin von Tutzing gewürdigt wird.
Odilo Globocnik
Februar 1, 2009
Odilo Lotario Globocnik wurde am 21.4.1904 in Triest geboren und nahm sich am 31.5.1945 in Paternion das Leben. Er war ein österreichischer Nationalsozialist, SS-Obergruppenführer und Generalleutnant der Polizei. Er war maßgeblich am Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich beteiligt, Gauleiter in Wien und Leiter der Aktion Reinhardt zur Vernichtung der Juden im Generalgouvernement. In seinen Verantwortungsbereich fielen weiterhin die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka, die Ausbeutung jüdischer Arbeitskräfte (in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Ostindustrie GmbH) sowie die Operationszone Adriatisches Küstenland.
„Aktion Reinhardt“
Odilo Globocnik erhielt von Heinrich Himmler den Befehl zur Ermordung der Juden im Generalgouvernement und wurde der Leiter der „Aktion Reinhardt“. Sein Adjutant wurde Ernst Lerch. Globocnik überwachte den Aufbau des Konzentrationslagers Majdanek, später organisierte er die Vernichtungslager Belzec, Sobibor, und Treblinka. Zu seinem „Judenreferenten“ ernannte er Hermann Höfle. Auch Christian Wirth, der bereits bei der Vernichtungsaktion behinderter Menschen (Aktion T4) Erfahrung in der Tötung mit Gas hatte, wurde von ihm als „Inspekteur der SS-Sonderkommandos Aktion Reinhard“ herangezogen, um die fabrikmäßige Tötung der Menschen durch größere Gaskammern zu optimieren. In Zusammenarbeit mit Adolf Eichmann ließ er innerhalb von eineinhalb Jahren mit größter Brutalität mindestens 2.000.000 Menschen berauben und fabrikmäßig ermorden. Den Gesamtgewinn der Aktion Reinhardt gab Globocnik mit mehr als 178 Millionen Reichsmark an. In dieser Summe noch nicht enthalten sind der Wert der Immobilien und jene Gelder und Schmuckgegenstände, die von den an der Aktion beteiligten Personen gestohlen wurden. Teilweise wurden Wertsachen, Kleidung, Haare der Opfer etc. von den Lagern via Lublin nach Deutschland geschickt.
„Operationszone Adriatisches Küstenland“
Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im September 1943 wurde Odilo Globocnik am 13. September 1943 zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) in der „Operationszone Adriatisches Küstenland“ mit Sitz in Triest ernannt. In dieser Funktion unterstand ihm auch die Sonderabteilung Einsatz R. Hier traf er auch seinen alten FreundFriedrich Rainer wieder, der Oberster Kommissar dieses Gebiets geworden war. Aus Lublin brachte Globocnik seine Gefolgsleute, unter anderem Christian Wirth, und reichlich Beute mit. Trotzdem gefiel ihm sein neues Arbeitsgebiet nicht so recht, weil er mehr politische Rücksicht nehmen musste als in Polen und weil er sich nicht mehr so entfalten konnte, wie er es sich vorstellte. Doch versuchte Globocnik auch hier, möglichst unabhängig von anderen Dienststellen der SS und der Wehrmacht zu agieren. Auch hier verfolgte er Juden, die im Durchgangslager Risiera di San Sabba bei Triest vor ihrer Deportation nach Auschwitz inhaftiert wurden. Hier lagerten auch die geraubten Wertgegenstände. Das Lager diente jedoch vor allem als Gefängnis und Hinrichtungsstätte für Angehörige der Widerstandsbewegung in Istrien. Auch hier wurde er mit einem Großprojekt betraut: Am 26. Juli 1944 befahl Hitler den „Ausbau eines rückwärtigen Stellungssystems in Norditalien“. Den Ausbau sollte Rainer als Oberster Kommissar leiten. Dieser ernannte Globocnik zu seinem „allgemeinen Vertreter für die gesamte Organisation des Stellungsbaus“. Globocnik wurde von Rainer für das Deutsche Kreuz in Silber vorgeschlagen, weil er täglich „120.000 Arbeitskräfte“ mobilisiert habe. Während der letzten Monate des Krieges residierte Globocnik nicht mehr im für ihn mittlerweile gefährlichen Triest, sondern in Cividale del Friuli. Von hier aus trat er auch den Rückzug über den Plöckenpass an. Am 4. Mai 1945 hielt Globocnik in Kötschach-Mauthen eine Durchhalterede zum „Endsieg“, in der er an die Ereignisse des Jahres 1915 anknüpfte: „Es sei kein Grund zur Besorgnis vorhanden“, es seien „genügend Truppen im Anmarsch“, um die „Briten aufzuhalten, wie es ja auch im Jahre 1915 gegen die Italiener gelungen sei“. Danach verließ er das Gailtal in Richtung Klagenfurt. Von dort flüchtete er auf die Möslacher Alm im Gebiet des Weißensees, wo er auf Friedrich Rainer, Ernst Lerch, Georg Michalsen und Hermann Höfle traf. Die Gruppe hätte nach Italien gebracht werden sollen. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen. Am Morgen des 31. Mai 1945 wurde die Gruppe Rainer/Globocnik von einem britischen Kommando festgenommen und nach Paternion gebracht. Dort vergiftete sich Odilo Globocnik gegen 11 Uhr 30 nach dem ersten Verhör mit Zyankali.

Paternion, 1945
Der Doppelmord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am Abend des 15. Januar 1919 in Berlin zählt zu den folgenreichsten Ereignissen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Die Verantwortlichen für das Verbrechen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Noch im April 1962 konnte der eigentliche Drahtzieher, Hauptmann Waldemar Pabst, sich in einem Spiegel-Interview damit brüsten, dass er die beiden Kommunistenführer habe »richten lassen«.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem in der Novemberrevolution von 1918 erfolgten Sturz der deutschen Monarchie war er im Januar 1919 als Erster Generalstabsoffizier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, einem Freikorps, bei der Niederschlagung des Spartakusaufstands beteiligt. Im Rahmen dieser Kämpfe wurden am 15. Januar Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die Anführer des Spartakusbundes und Gründungsinitiatoren der KPD, gefangengenommen und ihm übergeben. Im Hotel Eden verhörte er beide persönlich und ließ sie daraufhin ohne Gerichtsurteilerschießen, oder wie er es nannte „richten“ (so Pabst in Der Spiegel vom 18. April 1962). Ob ein konkreter Befehl eines Weisungsbefugten für die Hinrichtung Luxemburgs und Liebknechts vorlag, ist unklar. Jedoch war am 12. Januar 1919 der Leiter der Antibolschewistischen Liga Eduard Stadtler bei ihm und er soll laut Stadtler von seiner Unterredung mit Noske wenige Tage zuvor gewusst haben. Stadtler überzeugt ihn von der „Notwendigkeit“ der Ermordung der Führer der Sozialisten Karl Radek, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Die beiden letzteren wurden laut Stadtler am 15. Januar 1919 von den „Mannen Major Pabsts“ „beseitigt“.
Nach dem Tod von Waldemar Pabst wurde in seinen Memoiren folgender Eintrag gefunden:
„Dass ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.“
Hier erklärt Pabst ganz offen, dass er sowohl die Zustimmung des Reichswehrministers Noskes als auch die des Reichspräsidenten Ebert (beide SPD) zu den Morden gehabt habe, welcher während eines Telefongespräches zwischen Pabst und Noske gemeinsam mit Noske in einem Raum gesessen haben soll. Auch schon im Spiegel-Interview von 1962 erklärte er, dass sowohl Noske als auch der Generalleutnant von Hofmann ihm bei seinen Taten zustimmten („Er hat mir gedankt“, so Pabst über Hofmann). Inwieweit diese Behauptungen Pabsts der Wahrheit entsprechen oder nur seiner eigenen Entlastung dienen sollten, ist bis heute umstritten. Als Folge der Morde gab es auf Wunsch von Noske einen Schauprozess, allerdings musste keiner der Verurteilten eine Strafe antreten. Oberleutnant Vogel, der den Mord an Rosa Luxemburg auf sich nahm, konnte dank der Hilfe Noskes aus Deutschland fliehen, und der Jäger Runge (den man schnell noch zum Husaren umdeklariert hatte) musste seine zweijährige Haftstrafe nicht antreten. Der Todesschütze Rosa Luxemburgs, der ehemalige Leutnant zur See Hermann Wilhelm Souchon, wurde erfolgreich gedeckt, wurde nur als Zeuge geladen und floh dann nach Finnland. Der eigentlich Verantwortliche für die Geschehnisse im Hotel Eden, Pabst, wurde nicht einmal angeklagt.
Klaus Gietinger: Der Konterrevolutionär, Waldemar Pabst – eine deutsche Karriere; Edition Nautilus, 2009
Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa Luxemburgs; Edition Nautilus, 2009
Das Massaker am Präbichl, 7.4.1945
Januar 8, 2009
Am 7. April 1945 kam es auf dem Präbichl, einer Passhöhe knapp vor Eisenerz, zu einem Massaker bei dem mehr als 200 Juden erschossen wurden. Durchgeführt wurde die Massenerschießung von Männern der sogenannten „Alarmkompanie“, einer Einheit des Volkssturms. Um 14 Uhr marschierte der Zug über die Passhöhe in Richtung Eisenerz. Oben angekommen, eröffneten mehrere Volkssturmmänner das Feuer. Nach einer Dreiviertelstunde lagen rund 200 Menschen des Transports tot oder sterbend entlang des Wegs. Überlebende des Massakers mussten die Leichen in der Seeau, unweit des Leopoldsteiner Sees bei Eisenerz, in mehreren Gräbern begraben. Die Opfer wurden 1948 am Judenfriedhof von Eisenerz nach ihrer Exhumierung beigesetzt. In den Eisenerz-Prozessen, die im Frühjahr 1946 von der britischen Besatzungsmacht begonnen wurden und in Graz stattfanden, wurden 12 Angeklagte zum Tode verurteilt. Die britischen Besatzer hatten das Verfahren gegen Beteiligte des Massakers am Präbichl als ein Lehrbeispiel der Prozessführung nach Jahren der nationalsozialistischen Gerichtsbarkeit konzipiert. Am 1. April 1946 eröffnete der eigens aus London angereiste Richter Glyn Jones den Prozess gegen 18 Männer aus der Umgebung von Eisenerz, der über vier Wochen von allen Medien ausführlich begleitet wurde. Welchen Stellenwert dieser Prozess für die junge österreichische Demokratie hatte, zeigt sich auch darin, dass der Leiter der britischen Justizbehörde in Österreich sowie Justizminister Dr. Josef Gerö an den Verhandlungen teilnahmen. Ende April 1945 wurden die Urteile gesprochen. Am 29. April 1946 wurden Otto Christandl, die Unteroffiziere Anton Eberl und Ludwig Krenn sowie die Volkssturmmänner Ernst Feistl, Anton Hirner, Rudolf Mitterböck, Emmerich Schnabl, Franz Taucher, Fritz Wolf und Ludwig Wurm wegen ihrer Beteiligung an den Morden am Präbichl zum Tode verurteilt. Die Hinrichtungen erfolgten knapp zwei Monate später.
http://www.kakanien.ac.at/beitr/fallstudie/JMoser1.pdf/show_pdf
http://www.kakanien.ac.at/beitr/fallstudie/JMoser1.pdf/show_pdf
Die Massaker vor Kriegsende entlang der Route Hartberg, Gleisdorf, Graz, Bruck/Mur, Eisenerz, Liezen
Januar 8, 2009
Die Mörder sowie die Hitlerjungen führten die Arbeiter nach Hartberg, wobei die SS-Männer neuerlich Häftlinge erschossen, quälten und demütigten. Während die Hitlerjungen in Hartberg vom Volkssturm abgelöst wurden, dürften die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ den Transport bis Graz eskortiert haben.
Nach Hartberg wurden auch etwa 4–5000 ArbeiterInnen aus Rechnitz deportiert. Einige Kolonnen marschierten nun über Sebersdorf nach Gleisdorf, eine weitere Route führte über Großpesendorf. Von letzterem Transport flohen mindestens 14 Juden und wurden von den Bewohnern des kleinen steirischen Orts Kalch gerettet. Beim Weitermarsch nach Sinabelkirchen flüchteten weitere 18 Personen, doch wurden diese vom Volkssturm gefasst und von Angehörigen der Waffen-SS Division „Wiking“ zwischen dem 7. und 11. April erschossen.
Die südlicher gelegenen Lager zwischen Eberau und Heiligenkreuz wurden in Bierbaum gesammelt. Von hier bewegte sich der Transport, der inzwischen tausende Männer und Frauen umfasste, weiter nach Gleisdorf. Die südlichsten Lager wurden in kleineren Gruppen auf verästelten Routen nach Gleisdorf getrieben. Von Gleisdorf gingen die Märsche weiter nach Graz, wo die ArbeiterInnen auf mehrere Lager aufgeteilt wurden.
Von Graz über den Präbichl.
Am 4. April verließen mehr als 8000 Jüdinnen und Juden in mehreren Transporten Graz und marschierten entlang beider Murufern nach Bruck a.d. Mur, wobei sie von Volkssturm, Gendarmerie, ukrainischer Waffen-SS und Grazer Gestapo, welche die Transportleitung stellten, begleitet wurden. Während die regulären Wachmannschaften Nachzügler erschossen, ermordeten Angehörige der im Gebiet stationierten Waffen-SS Division „Wiking“ Flüchtlinge. Arbeiter aus dem Lager Andritz umgingen Graz und wurden über Oberschöckel und St. Radegund nach Frohnleiten geführt. Hinter Bruck a.d. Mur sind ein Transport mit 6000, ein weiterer mit 2000 und ein kleinerer mit einer nicht näher angegebenen Zahl von TeilnehmerInnen dokumentiert.
Am Nachmittag des 7. April erreichte der 6000 Personen umfassende Transport die Passhöhe des Präbichl. Unmittelbar nach der Übergabe an den Eisenerzer Volkssturm begannen die Wachmannschaften wahllos in die Reihen der Marschierenden zu schießen. Als es dem Transportleiter, einem SS-Mann, nach drei Viertelstunden endlich gelang, die Schießerei einzustellen, waren mehr als 200 Jüdinnen und Juden ermordet worden. Die Angehörigen der Eisenerzer „Alarmkompanie“, die das Massaker verübt hatten, bewachten den Transport jedoch noch bis Lainbach und mordeten weiter. Ebenso wurden bei später eintreffenden Transporten die Kranken in Eisenerz erschossen, zuletzt am 21. April 1945.
Doch auch die Wachmannschaften, welche die Transporte vom Eisenerzer Volkssturm übernahmen und nach St. Gallen führten, erschossen und quälten die Häftlinge. Auf der gesamten Strecke hinderten sie die Zivilbevölkerung daran, den Hungernden Essen und sogar Wasser zu geben. Bei Altenmarkt erreichten die Transporte den Gau Oberdonau und marschierten durch das Ennstal.
Andere Transporte unterschiedlicher Größe verließen Graz nach dem 4. April. Ein Transport mit etwa 500 ungarischen Juden soll Graz erst am 26. oder 28. April 1945 in Richtung Leoben verlassen haben.
Von Graz über die Stubalpe - Ein Transport mit etwa 1000–1200 Personen marschierte von Graz in Richtung Stubalpe und erreichte am 9. April Salla. Am selben Tag übernahm beim Gaberl (Stubalpe) eine Fohnsdorfer Volkssturmeinheit den Transport, um ihn nach Liezen zu geleiten. Bei der Übernahme des Transports wies der Volkssturmkommandant seine Männer an, Schwache möglichst bald zu erschießen, um das Marschtempo auf dieser gebirgigen Strecke zu erhöhen. In der Folge kam es zu zahlreichen Morden an und Misshandlungen von Erschöpften. Wie schon am Präbichl war auch hier die Gruppe der eigentlichen Täter klein.
Der Transport erreichte am 13. April Liezen und überschritt am nächsten Tag die Grenze zum Gau Oberdonau.
Das Massaker von Deutsch-Schützen am 29.3.1945
Januar 8, 2009
In der Nähe des Ortes Deutsch Schützen im Südburgenland waren in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs etwa 850 jüdische Zwangsarbeiter zum Bau des Südostwalls eingesetzt, die hauptsächlich aus Ungarn stammten. Am 27. März 1945 zwang man sie aufgrund des Heranrückens der Roten Armee in Schachendorf zum Marsch ins Konzentrationslager Mauthausen. Auf Befehl von Alfred Weber, Leiter des Unterabschnittes Deutsch Schützen wurden bis zu 500 ungarisch-jüdische ZwangsarbeiterInnen, die beim Bau des sogenannten Südostwalls eingesetzt waren, in die Nähe der Martinskirche geführt. In kleinen Gruppen wurden diese in den Wald gebracht. Wenig später erschoss eine Einheit des Deutschen Volkssturms, bestehend aus drei Angehörigen der SS-Division Wiking und fünf Feldgendarmen, 57 der Zwangsarbeiter auf einem Holzschlag in einer nahen Waldlichtung südwestlich der Kirche. Als die dritte Gruppe zum Tatort geführt hätte werden sollen, kam der Befehl, sie wieder in den Ort zurückzubringen und mit allen noch lebenden jüdischenZwangsarbeiterInnen in Richtung Hartberg zu „evakuieren“. Der Grund war die in nächste Nähe gerückte Front.
Die NS-Kreisleitung in Oberwart unter Eduard Nicka ließ dann das Massaker einstellen und ermöglichte den Tätern die Flucht vor dem nahen Feind. Die Toten wurden anschließend in einen von ihnen bereits ausgehobenen Laufgraben geworfen und verscharrt. Mit den Überlebenden marschierten die Täter Richtung Hartberg ab.
Im März 1945 setzte mit dem Herannahen der sowjetischen Truppen der Rückzug der ungarischen Zwangsarbeiter nach Westen ein. Marschunfähige wurden vor dem Abmarsch – nur in wenigen Fällen wurden die Juden per Bahn oder Schiff „evakuiert“ – von SA- und SS-Trupps ermordet. Auf den sogenannten Todesmärschen, die durch das südliche Burgenland (Oberwart), die Steiermark (Hartberg, Weiz, Graz, Bruck an der Mur, Leoben, Trofaiach,Eisenerz, Hieflau, Liezen, St. Gallen) und Oberösterreich (Steyr, Enns) bis ins Konzentrationslager Mauthausen führten, wurden die Juden von den Wachmannschaften, die sich aus „bewaffneten Zivilisten“ und halb- oder volluniformierten Volkssturmmännern zusammensetzten, grausam mißhandelt und nicht mehr Marschfähige ebenfalls ermordet. Die wenigen überlebenden Zwangsarbeiter wurden vom Zeltlager Mauthausen in das 50 km westlich gelegene Konzentrationslager Gunskirchen in Marsch gesetzt, wo sie am 5. Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurden. Auf den 400 Kilometern entlang der Südostwall-Linie und entlang der zurückgelegten Wege nach Mauthausen befänden sich 125 solcher Gräber wie jenes in Deutsch Schützen.
Nach monatelanger Suche auf Ersuchen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelang es dem Verein Schalom am 23. August 1995, den Ort desMassengrabes ausfindig zu machen. An dieser Stelle in einem 55 Hektar großen Schutzwald bei Deutsch Schützen fand man Überreste von 47 Menschen. Am 13. September 1995 wurden die Toten nach den halachischen Vorschriften vom Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg an der Fundstelle bestattet.
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,586861,00.html
Anton Koperek, der Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion
Januar 2, 2009

Anton Koperek wurde am 28.2.1902 in Essen a.d. Ruhr geboren und verstarb am 11.11.1942 im KZ Dachau. Er war zuletzt Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion.
Anton Koperek entstammte einer kinderreichen Bergarbeiterfamilie aus dem Ruhrgebiet. Nach dem Besuch der achtklassigen Volksschule in Essen absolvierte er die Studienanstalt bei den Steyler Missionaren und legte im Juni 1923 die Reifeprüfung ab. Anschließend besuchte er das Priesterseminar der Diözese Gurk in Klagenfurt, wo er im Juni 1928 zum Priester geweiht wurde. Es folgten Anstellungen des jungen Priesters als Kaplan im Markt Griffen, Pörtschach am Wörthersee, Arnoldstein, Greifenburg, St. Martin bei Villach, St. Veit an der Glan, St. Stefan am Krappfeld und St. Andrä im Lavantal. Während seiner Tätigkeit als Kaplan, machte Anton Koperek an der Karl-Franzens-Universität in Graz das Doktorat in Theologie und später das Doktorat der Rechte. Ab Mai 1937 war er als Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion tätig, wo er sich kritisch zur NS-Euthanasie und zur Vertreibung der Kärntner Slowenen äußerte.
Da er die polnische Sprache beherrschte, hatte er gute Kontakte zu den dortigen polnischen Zwangsarbeitern, die auch öfters die Messe besuchten. Das wurde von der Gestapo nicht gebilligt und war auch der Grund für seine Verhaftung. Polnischen Zwangsarbeitern war es verboten gemeinsam mit Deutschen in die Kirche zu gehen. Am 28. Mai 1942 wurde er von der Villacher Gestapo verhaftet, drei Tage später in die Gestapohaft nach Klagenfurt überstellt, und ein Monat später am 13. Juli 1942 als „Schutzhäftling“ in das KZ-Dachau eingeliefert, wo er unter der Gefangenennummer 31534 registriert wurde. Am 17. Dezember 1942 bekam seine Mutter Anna Koperek, die bei ihrem Sohn Franz Koperek in St. Paul bei Ferndorf wohnte, die Nachricht, dass ihr Sohn Anton am 11. November an den Folgen eines „Darmkattarh“ gestorben ist. Am 28. März 1943 wurde die Aschenurne von Anton Koperek bei der Kirche in der Kreuzen beigesetzt.
Nach dem Krieg, im Jahre 1950, beabsichtigte Elisabeth, eine Schwester von Anton Koperek, den Fall vor Gericht aufrollen, um die Schuldigen am Tod ihres Bruders zu ermitteln. Letztlich ging es ihr darum, jene Personen in der Kreuzen zu ermitteln, die ihren Bruder an die Gestapo verraten haben, damit diese ihre Schuld öffentlich eingestehen. Sie wandte sich auch an den damaligen Pfarrer in der Kreuzen, der jedoch davon nichts wissen wollte. In einem längeren Brief antwortete er ihr: „… aufjeden Fall muss ich Sie bitten die Angelegenheit ihres verstorbenen Bruders auf sich beruhen zu lassen…„.
Aus der Vernehmungsniederschrift des Gendarmeriepostens Ferndorf, aufgenommen am 29. Mai 1942 mit Frau Aloisia Oberrisser, Gattin des Malermeisters und Ortsgruppenleiters von Ferndorf: „Ich habe am 29. März 1942 am Palmsonntag beim Fenster meiner Wohnung hinausgeschaut, welche sich in nächster Nähe der katholischen Pfarrkirche befindet und habe bemerkt, dass die deutschen Kirchenbesucher gemeinsam mit Polen aus der Kirche herausgekommen sind. Soviel mir bekannt ist, hat an diesem Sonntag nicht der Ortspfarrer Franz Koperek sondern dessen Bruder Dr. Anton Koperek, Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion, den Gottesdienst gehalten. Nach dem Gottesdienst habe ich auch gesehen, dass die polnischen Landarbeiter, die ich zwar den Namen nach nicht kenne, bei meiner Wohnung vorbei gegangen sind. Es dürften damals sieben oder acht Polen oder Ukrainer gewesen sein. Ob dies alles Polen oder Ukrainer gewesen sind, kann ich nicht mit Bestimmtheit angeben. Eine Landarbeiterin, die beim Besitzer Gabler in Laas, Gemeinde Fresach bedienstet ist, geht jeden Sonntag in die Kirche. Ob diese eine Polin oder Ukrainerin ist, kann ich auch nicht mit Bestimmtheit angeben. Ich und meine Tochter Ilse haben schon des Öfteren bemerkt, dass der Pfarrer mit den polnischen Landarbeiterinnen und Landarbeitern sehr freundschaftlich verkehrt und mit ihnen des Öfteren spricht.“
Sonderauftrag Linz, Raub und Restitution
Januar 1, 2009
Der Sonderauftrag Linz war eine groß angelegte Kunstraubaktion des Deutschen Reichs zur Beschickung eines in Linz geplanten Kunstmuseums. Hitler wollte sich damit seinen Jugendtraum erfüllen, den Ausbau seiner Heimatstadt Linz zur schönsten Stadt an der Donau. Als eines der zentralen Bauwerke wurde eine über 150 Meter lange Galerie geplant, in der die größten alten Meister Deutschlands, Italiens und Hollands mit ihren besten Werken vertreten sein sollten. Ende der 1930er Jahre bis 1945 wurden Kunstgegenstände unter Nötigung aufgekauft, aus beschlagnahmten Besitz übernommen oder geraubt. Sonderbeauftragter Hitlers war bis zu seinem Tode 1942 Hans Posse, später Hermann Voss. An der Auswahl und Erfassung der Kunstschätze waren auch die Kunsthistoriker Gottfried Reimer, Erhard Göpel und Robert Oertel beteiligt. Das Deutsche Historische Museum erstellte in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen eine Bild-Datenbank mit 4731 Bildern, Skulpturen, Möbeln, Porzellanarbeiten und Tapisserien. Diese Zusammführung von Fotos der Gegenstände und dem Karteikartenbestand des DHM ist seit August 2008 vollständig im Internet verfügbar.
http://www.dhm.de/datenbank/linzdb/
RAUB UND RESTITUTION, eine Sonderausstellung des Jüdischen Museums in Berlin bis 1.2.2009