Rosa von Praunheim

August 21, 2008

Rosa von Praunheim (eigentlich: Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, geboren als Holger Radtke) wurde, am 25.11.1942 in Riga, Lettland geboren. Er ist ein deutscher Filmregisseur und gilt als wichtiger Vertreter des postmodernen deutschen Films. Er war vor allem mit seinem Dokumentarfilm von 1970 „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ der öffentliche Wegbereiter und einer der Mitbegründer der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland.

Von Praunheim wurde 1942 während der deutschen Besatzung im Zentralgefängnis in Riga geboren. Seine leibliche Mutter starb 1946 in der Psychiatrie (Wittenauer Heilstätten Berlin). Nach der Geburt wurde Holger Radtke zur Adoption freigegeben. Von der Adoption erfuhr er erst im Jahr 2000 und vom Tod seiner leiblichen Mutter nach längeren Recherchen im Jahr 2006, was er in seinem Film Meine Mütter – Spurensuche in Riga behandelt. Er wuchs als Holger Mischwitzky in Ostberlin auf. 1953 flüchtete die Familie in den Westen; zunächst ins Rheinland, anschließend zog sie nach Frankfurt am Main. Das Humanistische Gymnasium in Frankfurt verließ von Praunheim mit der Mittleren Reife, um an der Werkkunstschule in Offenbach und später an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin in der Abteilung Freie Malerei zu studieren, ohne aber einen Abschluss zu erlangen.

In den 1960er-Jahren debütierte er mit Experimental- und Kurzfilmen, wie „Samuel Beckett“ (1969), mit denen er sich bald einen Namen machte. Im selben Jahr heiratete er die Schauspielerin Carla Egerer alias Carla Aulaulu; 1971 ließ sich das Paar scheiden. Mitte der 1960er-Jahre nahm er den Künstlernamen „Rosa von Praunheim“ an, der eine Reminiszenz an den Rosa Winkel darstellt, den homosexuelle Männer in der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern tragen mussten, sowie an den Frankfurter Stadtteil Praunheim, wo er als Jugendlicher aufwuchs.

Praunheims erster großer Spielfilm entstand 1970: „Die Bettwurst“ wurde zum Kultfilm, auf den 1973 eine Fortsetzung „Berliner Bettwurst“ folgte. Ebenfalls 1970 erregte von Praunheim Aufsehen mit seiner Dokumentation Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt, die zur damaligen Zeit unter anderem zur Gründung zahlreicher Homosexuelleninitiativen führte.

1979 erhielt er den Bundesfilmpreis für „Tally Brown“, sein „Wunderbares Wrodow“ von 1999 erhielt den Robert-Geisendörfer-Medienpreis.

Großes Aufsehen erregte Rosa von Praunheim am 10. Dezember 1991 durch die von ihm in Deutschland losgetretene Outing-Debatte, als er unter anderem den Moderator Alfred Biolek, den KomikerHape Kerkeling und fälschlicherweise den Schauspieler Götz George in der RTL plus-Sendung „Explosiv – Der heiße Stuhl“ öffentlich als schwul bezeichnete – eine Aktion, die er später als „Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise“ bezeichnete, die er nicht wiederholen würde.

1999 erfuhr von Praunheim von seiner Adoptivmutter Gertrud Mischwitzky von seiner Adoption. Recherchen ergaben seinen Geburtsnamen Holger Radtke. Dies berichtete von Praunheim im Juni 2006 in einem Interview mit dem Berliner Boulevardblatt „B.Z.“. Seine Spurensuche bildet den Hintergrund seines Dokumentarfilms Meine Mütter – Spurensuche in Riga” von 2007.

In 30 Jahren drehte von Praunheim über 50 Filme. Neben Homosexualität waren seine Themen „ältere, vitale Frauen“ (zum Beispiel Evelyn Künneke und Lotti Huber) und seit den späten 1980er-Jahren die AIDS-Prävention.

Rosa von Praunheim war bis 2006 Dozent für Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Er lebt in Berlin.

2008 erhält von Praunheim in Osnabrück den 17. Rosa-Courage-Preis.

http://www.rosavonpraunheim.de/

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