Sie toben oft
um die Zeit in rascheren
Trab zu scheuchen.

(aus: Thomas Tranströmer, „Das große Rätsel“, Carl Hanser Verlag, Münschen, 2005)

Ein Dokumentarfilm über Häftlinge in Rom, die im Gefängnis Rebibbia Shakespeares „Julius Cäsar“ einstudieren und aufführen. Shakespeares Erzählung vom siegreichen Feldherren, dessen Methoden und Ideen für Politik der römischen Republik zu extrem sind und die dem Tyrannen letztlich den Kopf kosten, kann heute vor dem Hintergrund brutaler Machtpolitik gesehen werden. Die Regisseure haben im Rebibbia Gefängnis, der am strengsten bewachten Institution Italiens, mit den Insassen, viele davon verbüßen lebenslange Haftstrafen, gedreht. Das Theater gehört zum Fixpunkt des Gefängnisalltags. „Durch die Entscheidung in schwarz und weiß zu drehen, bekommt der Film eine Dimension, die nicht der Wirklichkeit entspricht.“ (Vittorio Taviani) Oder doch – sowohl in Shakespeares  Theaterstück als auch in Rebibbia gilt das Recht des Stärkeren und Gewalttätigeren.

http://www.zeit.de/kultur/film/2012-02/gewinner-berlinale-2012

http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Cäsar_(Drama)

 

„Barbara“ ist Christian Petzolds Beitrag bei der 62. Berlinale. Der Inhalt des Films zeigt einen Ausschnitt des Lebens einer Ärztin in der DDR,  die  in die Provinz versetzt wird, weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hat…

 

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…und wenn der Wind leise in den Bögen blätterte und Farben und Figuren hinaus wehte, lief ein Zittern durch die Textspalten und aus den Buchstaben stiegen Formationen von Schwalben und Lerchen auf. So flog es Seite für Seite davon, es zerfiel und sickerte sanft in die Landschaft, die es mit seiner Farbenpracht sättigte. Bisweilen schlief es und der Wind blies leise hinein wie  in eine hundertblättrige Rose und öffnete die Blättchen, ein Blütenblatt nach dem andern, ein Lid unter dem andern, alle blind, samten und schlummernd, auf dem Grund ihres Innersten eine azurblaue Pupille bergend, einen pfauenfarbenen Kern, ein schreiendes Kolibrinest…

Bruno Schulz