Günther Buchheim

Dezember 29, 2007

Lothar-Günther Buchheim
Buchheim
…wurde am 6.2.1918 in Weimar geboren und verstarb am 22.2.2007 in Starnberg. Er war Maler, Fotograf, Verleger, Kunstbuch- und Romanautor, Filmemacher, Sammler und Gründer des „Buchheim Museums der Phantasie“ in Bernried am Starnberger See.

Leben:
Lothar-Günther Buchheim war der Sohn der deutschen Malerin Charlotte Buchheim (1891-1964). Er hatte einen Bruder, Klaus Buchheim, der zwei Jahre jünger war.
Mit seiner Familie zog er 1924 nach Rochlitz um, wo er seine restliche Kindheit verbrachte. Im Alter von 14 Jahren folgte ein Umzug nach Chemnitz. Hier machte er weite Radtouren mit seinem Bruder, teilweise bis zur Ostsee, um Landschaftsbilder zu zeichnen und diese später in Linolschnitte umzusetzen. Buchheim wurde schon sehr früh als „malendes Wunderkind“ bezeichnet und arbeitete bereits an Zeitungen und Zeitschriften sowie an Kollektivausstellungen mit. Als 17jähriger bekam er seinen ersten öffentlichen Auftrag von der Stadt Chemnitz.
Nach seinem Abitur 1937 zog er nach Italien, wo er sein erstes Buch „Tage und Nächte steigen aus dem Strom“ verfasste (veröff. 1941). In diesem Werk sammelte er alle Erfahrungen, die er bei einer Donaufahrt mit einem Faltboot bis ins Schwarze Meer machte.
1939 studierte er in Dresden und München Kunst.
1940 trat Buchheim als Freiwilliger in die Kriegsmarine ein und tat Dienst als Kriegsberichterstatter auf Minenräumbooten, Zerstörern und U-Booten, zuletzt im Range eines Oberleutnants.
Während und nach dem Kriege schrieb er zahlreiche Bücher über seine Erfahrungen bei der Marine. Auf seinen Erlebnissen als Besatzungsmitglied des VII-C-Bootes U 96 beruht sein wohl bekanntestes Buch „Das Boot“ von 1973. 1943 verfaßte er seinen Erlebnisbericht „Jäger im Weltmeer“, der von einem erbitterten Kampf zwischen einem deutschen U-Boot und einem englischen Zerstörer handelt, der die Grundlage für „Das Boot“ wurde. 1944 entkam Buchheim mit einem der letzten deutschen U-Boote aus der Festung Brest. Danach floh er quer durch Frankreich mit viel Glück zurück nach Deutschland. Diese letzte Feindfahrt hat er in seinem Opus Magnum „Die Festung“ (erschienen 1995) verarbeitet.
Nach Kriegsende verfasste er Kunstbücher über Max Beckmann, Otto Mueller und Pablo Picasso, die ihn, zusammen mit seinen Büchern über Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg, zur damaligen Zeit sehr bekannt machten. Nach diesen Werken über berühmte Künstler gründete Buchheim 1951 einen Kunstbuchverlag in Frankfurt am Main, der sich heute in Feldafing befindet. In den folgenden 1950er Jahren entstand seine bedeutende Sammlung von Werken des deutschen Expressionismus (vor allem der Künstlergemeinschaft Die Brücke), insbesondere graphischen Werken. Diese erwarb er für einen Spottpreis, da diese Kunst während der NS-Zeit als „entartet“ gebrandmarkt war und ihr Wert noch nicht allgemein anerkannt war.
Danach schrieb und malte er weiter, bevor 1973 „Das Boot“ veröffentlicht wurde.
In der folgenden Zeit führte Buchheim viele Malerreisen nach Spanien, Frankreich und Italien. 1972 machte Buchheim seine weiteste Malerreise. Diese ging über New York und San Francisco bis in die Südsee. Während dieser Reise entstanden viele Aquarelle und Gouachen, die er später die „Tropen von Feldafing“ taufte.
Die Verfilmung des Romans „Das Boot“ im Jahr 1981 sorgte für die breite Berühmtheit seines Verfassers.
Nachdem Lothar-Günther Buchheim mit knapp 65 Jahren das Malen und Schreiben für die Öffentlichkeit beendete, wollte er zunächst seine gesammelten Werke im Duisburger Lehmbruck-Museum unterbringen. Da dies aber durch Meinungsverschiedenheiten mit der Stadt Duisburg scheiterte, zog er sein Angebot Mitte der 1980er Jahre zurück. 1996 gründete er dann eine gemeinnützige Buchheim-Stiftung, die im Jahre 2001 nach rund 30 jährigen Bemühungen das „Museum der Phantasie“, das heute als „Buchheim Museum“ bekannt ist, finanzierte. In diesem Museum, das in Bernried steht, in dem Buchheim bis zu seinem Tod Direktor war, platzierte er seine angesammelten Werke.
Jahrelang hatte Buchheim geplant, seine auf rund 100 Millionen Euro geschätzte Sammlung in seinem Wohnort Feldafing unterzubringen. Doch die kleine Gemeinde lehnte nach Querelen mit Buchheim, oft als „Poltergeist von Feldafing“ tituliert, ab. 1998 brachte ein Bürgerbegehren das endgültige Aus für seine Feldafing-Pläne und Buchheim musste in die benachbarte Gemeinde Bernried ausweichen.
Charakteristisch für ihn war seine Augenklappe, die er auf Grund einer missglückten Augenoperation über dem linken Auge trug.
Lothar Günther Buchheim verstarb am 22. Februar 2007 an einem Herzleiden.

Werk:

Bücher
Tage und Nächte steigen aus dem Strom. Eine Donaufahrt. 1941 (Erweiterte Ausgabe 2000, ISBN 3-7844-2772-3 und unveränderte Neuauflage TB 2001, ISBN 3-492-23297-3)
Jäger im Weltmeer. 1943/1996, ISBN 3-455-11172-6 (Unveränderte Neuauflage TB 2005, ISBN 3-492-24470-X)
Georges Braque. Das graphische Werk. 1950
Henri Matisse. Aus dem graphischen Werk. 1950
Pablo Picasso. Aus dem graphischen Werk. 1950
Braque („Die Farbige Reihe“). 1951
Raoul Dufy („Die Farbige Reihe“). 1951
Henri de Toulouse-Lautrec. Die Lithographien. („Die Farbige Reihe“). 1951
Henri Matisse („Die Farbige Reihe“). 1952
Max Beckmann. Die Welt des Einzelnen. Holzschnitte, Radierungen, Lithographien. („Buchheim Bücher“). 1954
Pierre Bonnard („Die Farbige Reihe“). 1954
Um 1900. Lithographien von Toulouse-Lautrec, Bonnard, Vuillard. („Buchheim Bücher“). 1954
Lexikon der modernen Kunst. Bearbeitet und herausgegeben von Lothar-Günther Buchheim. 1955
Fernand Leger. Menschen und Objekte. („Buchheim Bücher“). 1955
Zwischen Traum und Tag. Zeichnungen von Marc Chagall. („Buchheim Bücher“). 1955
Festliche Welt. Zeichnungen von Raoul Dufy. („Buchheim Bücher“). 1955
Die Künstlergemeinschaft „Brücke“. Gemälde, Zeichnungen, Graphik, Plastik. Dokumente des deutschen Expressionismus. 1956
Französische Graphik des XX. Jahrhunderts. („Buchheim Bücher“). 1956
Deutsche Graphik des XX. Jahrhunderts. Holzschnitte. („Buchheim Bücher“). 1956
Hector Trotins Sonntagswelt. 1957
Der „Blaue Reiter“ und die „Neue Künstlervereinigung München“. 1958
Picasso. Eine Bildbiographie. 1958
Wie malt man abstrakt? Eine leichtfassliche Anleitung. 1958 (Neuauflage 2002, ISBN 3-7659-1051-1)
Graphik des deutschen Expressionismus. 1959
Max Beckmann. Leben und Werk. 1959
Max Kaus. Graphik aus den Jahren 1916-1926. 1959
Otto Mueller. Leben und Werk. 1963 (Neuauflage mit verändertem Layout 2003, ISBN 3-7659-1052-X)
Der Maler im herbstlichen Hain. Chinesische Landschaften von Chi Pai Shih. 1964, ISBN 978-3-7659-0982-5
Max Kaus. Frühe Lithographien. 1964
Jugendstilplakate („Buchheims große Kunstbücher“). 1969
PI PA POP POSTERS. 1969 (Reprint 2007, ISBN 978-3-7659-1062-3)
Das Boot. Roman. 1973 (Neuauflage 2005, ISBN 3-492-04754-8); Übersetzungen in 30 Sprachen
U-Boot-Krieg. 1976 ( 3. Auflage 2001, ISBN 3-492-04042-X)
Staatsgala. 1977, ISBN 3-426-05608-9
Mein Paris – Eine Stadt vor dreißig Jahren. 1977, ISBN 3-492-02294-4 (Neuauflage mit dem Titel „Paris-Paris“, TB. 2004, ISBN 3-7659-1055-4)
Staatszirkus – mit der Queen durch Deutschland. 1978, ISBN 3-423-01438-5
Die Tropen von Feldafing. 1978 (Neuauflage TB 2001, ISBN 3-7659-1050-3)
Der Luxusliner. 1980
U 96 – Szenen aus dem Seekrieg. 1981
Das Segelschiff. 1982 (Veränderte Neuauflage, 1986)
Die Boote, die Besatzungen und ihr Admiral. 1985 (Veränderte Neuauflage, 1986)
Das Museum in den Wolken. Zum Fall Duisburg. 1986, ISBN 3-8135-0278-3
Malerbuch. 1988, ISBN 3-7857-0484-4
Die Festung. 1995, ISBN 3-455-00733-3 (Neuauflage. TB. 2005, ISBN 3-492-24470-X)
U-Boot-Krieg. 1997.(Neuauflage 2001, ISBN 3-937501-09-6)
Zu Tode gesiegt. Der Untergang der U-Boote. 1998 (Neuauflage 2001, ISBN 3-492-04043-8)
Die U-Boot-Fahrer. 1998, ISBN3-937501-08-8
Der Abschied. 2000, ISBN 3-492-04273-2

Filme
Das Boot (D, 1981), unter der Regie von Wolfgang Petersen, mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge, Klaus Wennemann, Uwe Ochsenknecht, Otto Sander, Günter Lamprecht, Heinz Hoenig, Martin May, Claude-Oliver Rudolph, Bernd Tauber, Jan Fedder, Hubertus Bengsch, Oliver Stritzel u. a.
Konvoi ins Kattegat. 1981
Das Segelschiff. 1981
Buchheims bunte Sammlerwelt. 1985
Zu Tode gesiegt – Vom Untergang der U-Boote. 1985

Weblink:
http://www.buchheimmuseum.de/

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