Simone de Beauvoir

Januar 12, 2008

Beauvoir

Simone de Beauvoirs 100. Geburtstag 

Simone Lucie Ernestine Marie Bertrand de Beauvoir wurde am 9.1.1908 in Paris geboren und verstarb am 14.4.1986.

Leben: 

Simone de Beauvoirs Vater arbeitete als Anwalt am Pariser Appellationsgerichtshof. Ihre Familie war streng katholisch. Da das Vermögen ihrer großbürgerlichen Familie in der Nachkriegszeit der 1920er Jahre verloren ging, musste sie einen Beruf ergreifen.  „Die Tochter aus gutem Hause“ (Titel ihrer Autobiographie) rebellierte Zeit ihres Lebens gegen den Konformismus und die „bedrückende Tyrannei“ des Bürgertums, aus dem sie kam. Mit vierzehn Jahren schrieb sie, dass sie nicht mehr an Gott glaube. Von 1913 bis 1925 Schulausbildung am katholischen Mädcheninstitut Cours Désir in Paris mit dem Abschluss Baccalauréat (Abitur). 1914 Beginn der engen Freundschaft mit Elizabeth Le Coin, geborene Mabille, genannt Zaza (1908-1929). Mit siebzehn Jahren begann sie an der École Normale Supérieure ein Literatur- und Mathematikstudium. 1926 studierte sie Philosophie an der Sorbonne. Als Jahrgangszweite nach Sartre bestand sie 1929 die Agrégation in Philosophie und war damit eine der ersten Philosophielehrerinnen Frankreichs. Nach ihrem Studium unterrichtete sie in Marseille, dann in Rouen, bis sie 1936 wieder nach Paris zurückkehrte, um am Lycée Molière zu unterrichten.

Den Durchbruch als Schriftstellerin schaffte Simone de Beauvoir mit ihren beiden existenzialistischen Romanen Sie kam und blieb (1943) und Das Blut der anderen (1945).

Während ihres Studiums an der Sorbonne lernte sie 1929 ihren Lebensgefährten, den existenzialistischen Philosophen Jean-Paul Sartre kennen. Wie weit die beiden einander in ihrem philosophischen Schaffen beeinflusst haben, bleibt bis heute unklar. Beide lebten sie im Quartier Montparnasse, jedoch in getrennten Wohnungen (lange Jahre lebten beide in Hotels) und führten zeitlebens eine offene Beziehung. Ihre zahlreichen Affären und Liebschaften bildeten keinen Widerspruch zu ihrer intellektuell geprägten Beziehung. So genossen sie – nach eigenen Aussagen – „die Vorteile des Lebens zu zweit und keine seiner Unannehmlichkeiten“. Mit dem amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren verband sie in den Jahren 1947 bis 1951 eine leidenschaftliche Liebesbeziehung; von 1952 bis 1958 war sie mit dem späteren Filmemacher Claude Lanzmann zusammen.

Ihr Welterfolg Das andere Geschlecht erschien im Jahr 1949 (deutsch 1951) und machte sie zur Vorzeigeintellektuellen Frankreichs. Sie wurde von Regierungen eingeladen und reiste in ganz Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, im Nahen und Fernen Osten, in die UdSSR und nach China. Über ihre Reiseerfahrungen schrieb sie in Reportagen und Tagebüchern. 1954 erhielt sie den renommierten Prix Goncourt für ihren Roman Les Mandarins (Die Mandarins von Paris).

Sie engagierte sich gemeinsam mit Sartre gegen den Vietnam- und den Algerienkrieg. Daneben verfolgte sie konsequent ihren eigenen Weg, übernahm die Redaktion der linken Zeitschrift Les Temps Modernes und engagierte sich im Feminismus. Ab den 1970er Jahren stellte sie sich „à disposition du mouvement féministe international“ („der internationalen Frauenbewegung zur Verfügung“). Als eine der Ersten trat sie für die Straffreiheit der Abtreibung ein.

1975 wurde de Beauvoir mit dem Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft und 1983 mit dem Sonning-Preis der Universität Kopenhagen ausgezeichnet.

Sie pflegte ihren Lebensgefährten Sartre während seiner langen Krankheit bis zu seinem Tod im Jahr 1980. In diesem Jahr adoptiert sie die Philosophielehrerin Sylvie Le Bon, um ihren Nachlass zu regeln. 1981 veröffentlichte sie Die Zeremonie des Abschieds (La Cérémonie des adieux), ein schmerzhafter Rückblick auf die letzten Jahre des Lebens Sartres. Simone de Beauvoir starb am 14. April 1986 und wurde auf demCimetière du Montparnasse in Paris begraben.

 

Werk: 

Simone de Beauvoir gilt als eine der „Mütter“ des Feminismus nach 1968. Ihre philosophischen Werke verbinden sich stark mit demSartreschen Existentialismus. Am bekanntesten wurde sie jedoch, neben ihrer mehrbändigen Autobiographie, mit ihrem Werk Das andere Geschlecht (Le Deuxième Sexe, 1949): Darin wies sie eingehend auf die Unterdrückung der Frau im Patriarchat hin und schuf eine der theoretischen Grundlagen für die erstarkende neue Frauenbewegung.

In diesem Werk vertritt sie die These, dass die Unterdrückung der Frau gesellschaftlich bedingt sei. Für sie existiert keine irgendwie geartete Essenz der Frau:

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ („On ne naît pas femme, on le devient“).

Frauen sind von den Männern zum „Anderen Geschlecht“ gemacht worden. Dies bedeutet in der existenzialistischen Terminologie Beauvoirs, dass sich der Mann als das Absolute, das Essentielle, das Subjekt setzt, während der Frau die Rolle der Anderen, des Objekts zugewiesen wird. Sie wird immer in Abhängigkeit vom Mann definiert. Deshalb hat sie mit stärkeren Konflikten zu kämpfen als der Mann. Wenn sie ihrer „Weiblichkeit“ gerecht werden will, muss sie sich mit einer passiven Rolle begnügen, dies steht aber ihrem Wunsch entgegen, sich als freies Subjekt durch Aktivität selbst zu entwerfen.

Beauvoir präsentiert eine äußerst komplexe Analyse der Lage der Frau. Sie diskutiert biologische, psychoanalytische und historische „Fakten und Mythen“ (so der Titel des ersten Teils) und die „gelebte Erfahrung“ der Frau. Stark beeinflusst von der Methodologie der existenzialistischen Phänomenologie von Jean-Paul Sartre und Maurice Merleau-Ponty geht sie davon aus, dass keine wissenschaftliche Betrachtung die „Frau“ erklären kann, sondern dass nur die individuelle Erfahrung ausschlaggebend ist.

Beauvoir war immer wieder heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Neben der zu erwartenden Kritik aus dem bürgerlich-konservativen Lager legte sie sich auch mit der Linken an, weil sie (vor allem in späteren Jahren) davon überzeugt war, dass sich die Unterdrückung der Frau nicht automatisch im Kommunismus auflösen würde. Auch von Feministinnen wurde sie angegriffen. Im Zentrum der Kritik standen dabei meist ihre Beschreibungen des weiblichen Körpers und ihre „Entmystifizierung“ der Mutterschaft. Sie hat viele der späteren Diskussionen im Feminismus beeinflusst und angestoßen und war wegbereitend für die Gender Studies.

„Wenn man uns sagt: ‚Immer schön Frau bleiben, überlaßt uns nur all diese lästigen Sachen wie Macht, Ehre, Karrieren, seid zufrieden, daß ihr so seid: erdverbunden, befaßt mit den menschlichen Aufgaben…‘ Wenn man uns das sagt, sollten wir auf der Hut sein!“ (Schwarzer, A.: Simone de Beauvoir heute, Reinbek bei Hamburg 1983, S. 16.)

Weitere Werke: Sie kam und blieb (L’Invitée, 1943); Memoiren einer Tochter aus gutem Hause (Memoires d’une jeune fille rangée, 1958). 

 

http://www.phenomenologycenter.org/simone1.htm 

 

 

 

 

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