Rose Ausländer

Januar 13, 2008

ROSE AUSLÄNDER 

Rose Ausländer wurde am 11.5.1901 in Czernowitz geboren und verstarb 3.1.1988 in Düsseldorf. Sie war eine Lyrikerin.

Von 1907 bis 1919 besuchte sie in Czernowitz und Wien Volksschule und Lyzeum. 1919 begann sie das Studium der Literatur und Philosophie in Czernowitz, brach das Studium aber bereits 1920 nach dem Tod des Vaters wieder ab. Mit ihrem Studienfreund Ignaz Ausländer zusammen verließ sie 1921 auf Anraten der Mutter die Bukowina und wanderte in die USA aus. Hier war sie unter anderem Redakteurin beim „Westlichen Herold“, begann mit dem Schreiben, und im von ihr bis 1927 redigierten Amerika-Herold-Kalender erschienen erstmalig Gedichte von ihr. Am 19. Oktober 1923 heiratete sie Ausländer in New York, ließ sich aber, angeblich wegen ehelicher Langeweile, bereits 1926 wieder scheiden. Im selben Jahr erhielt sie auch die Staatsbürgerschaft der USA. 1927 kehrte sie für 8 Monate in die Bukowina zurück, um ihre erkrankte Mutter zu pflegen. Noch einmal kehrte sie wegen ihrer kranken Mutter 1931 nach Czernowitz zurück und lernte dort den Graphologen Helios Hecht kennen, mit dem sie bis 1936 zusammenlebte. Da sie mehr als drei Jahre nicht mehr in den USA gewesen war, wurde ihr zwischenzeitlich die amerikanische Staatsbürgerschaft wieder aberkannt; nach dem Bruch mit Hecht ging sie 1936 nach Bukarest. 1939 erschien durch die Vermittlung von Alfred Margul-Sperber ihr erster Gedichtband „Der Regenbogen“ in Czernowitz, aber obgleich von der Kritik hochgelobt, fiel er beim Publikum durch. Der größte Teil der Auflage wurde eingestampft, nachdem 1941, mit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion, die Stadt durch Truppen der rechtsautoritären, mit Deutschland verbündeten Regierung des Marschalls Antonescu erobert wurde. Mit ihrer Familie musste sie ins Ghetto der Stadt ziehen; zwei Jahre lang lebte sie dort, ein weiteres in Verstecken, um der Deportation zu entgehen. Im Ghetto lernte sie auch Paul Celan kennen, unter dessen Einfluss sie ihren Stil modernisierte und sich von ihrem klassisch-expressionistischen Ton löste. Im Frühling des Jahres 1944 marschierte die Rote Armee in Czernowitz ein. Rose Ausländer verließ das Land wieder in Richtung New York, wo sie 1948 wieder die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb. Celan sollte sie erst 1957 in Paris wieder sehen. Die traumatisierenden Ereignisse der Verfolgung hatten sie physisch wie psychisch gezeichnet; sie wechselte zum Englischen, und erst 1956 begann sie wieder, Texte auf Deutsch zu verfassen. Als sie 1965 ihren zweiten Gedichtband, „Blinder Sommer“, vorstellte, wurde dieser enthusiastisch begrüßt. 1966 kam sie in die Bundesrepublik Deutschland. Insbesondere Italien, das sie mehrere Male besuchte, fühlte sie sich verbunden, obwohl sie die Sprache nicht sprach. Vor allem Venedig regte sie an, sich eine neue geistige Heimat zu gestalten. Bis zu ihrem Tod 1988 lebte sie in Düsseldorf, wegen einer schweren Arthritis war sie seit 1978 bettlägerig. Da sie selbst nicht mehr schreiben konnte, diktierte sie ihre Texte seither.

http://www.roseauslaender-stiftung.de/ 

Rose Ausländer hat den staunenden Blick der Fremden auf das eigene Erleben. So wird sie zur lyrischen Reporterin. Sie schreibt über «24 Stunden» einer Büroangestellten und über das «Altenheim», sie porträtiert Maler- und Schriftstellerfreunde und Stationen ihrer Reisen vom «Jungfernjoch» bis zu den «Niagara Falls». Sie thematisiert «New Yorker Weihnacht» und «Passah». Sie spricht von Todesnot und Todessicherheit. Ihr verschwiegenes Hauptwort ist Liebe. 

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One Response to “Rose Ausländer”

  1. sunmoonstars Says:

    Der Erde zu

    Über die Abendbucht
    wächst schon der Mond
    wie eine reife Frucht,
    lockend und blond.

    Seidene Sommerluft
    flattert ans Ohr.
    Unserer Liebe Duft
    atmet empor.

    Schlafen die Felder schon?
    Sind wir allein?
    Rausch rinnt aus Mond und Mohn – –
    sieh: ich bin dein!

    Hier steht kein fremdes Lauschen,
    hier loht kein lauter Blick.
    Wir schaun uns an und rauschen
    in unser Glück zurück.

    Aus unserm Körper schälen
    wir den verklärten Kern.
    An unsre nackten Seelen
    lehnt mütterlich ein Stern.


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