Neid

Januar 20, 2008

NEID

 

Bei Melanie Klein wird Neid zu einem zentralen Konzept. Melanie Klein war eine Schülerin von 

Karl Abraham, der Neid mit oral-sadistischen, gefräßigen, zersetzenden, bissigen Triebimpulsen in 

Verbindung gebracht hat – wie der Vampir, der sich aus dem Blut von Lebenden speist. „Neid“, so 

schreibt Melanie Klein (1957) in ihrer berühmten Arbeit „Neid und Dankbarkeit“,… geht 

auf die früheste ausschließliche Beziehung zur Mutter zurück … Neid … strebt auch danach, Böses, 

vor allem …. böse Teile von sich selbst, in die Mutter, d.h. in erster Linie in ihre Brust hineinzutun, 

um sie zu verderben und zu zerstören“ (S. 175). Die mütterliche Brust ist – so Melanie Klein – das 

erste beneidete Objekt; das Kind habe „das Gefühl …, dass sie – die mütterliche Brust – alles besitzt, 

was es begehrt, und dass sie über einen unbegrenzten Strom von Milch und Liebe verfügt, den sie 

für ihre eigene Befriedigung zurückhält“ (S. 175). 

 

Freud hatte in dem Neugeborenen ein Bündel libidinöser und aggressiver Triebimpulse, von Eros 

und Todestrieb gesehen. Bei Melanie Klein ist an die Stelle des Todestriebs zerstörerischer Neid 

getreten, der eine konstitutionelle Grundlage haben und soll unter der Erfahrung von Abwesenheit 

der Mutter bzw. der versorgenden mütterlichen Brust geweckt wird. In der Folge projiziere der 

Säugling alles Böse in die mütterliche Brust und vernichte auf diesem Weg in der Fantasie das gute, 

Leben spendende Objekt, das so zu einem bösen Objekt gemacht wird (Sandell 1993, S. 10). Um 

diese Kleinianische Auffassung von Neid anschaulich zu machen, zitiert Adrienne Harris (2001) 

aus einem Gedicht aus dem 14. Jahrhundert von Piers Plowman. Dort wandern ein gieriger und ein 

neidischer Mann durch den Wald und treffen eine Elfe. Die Elfe verspricht, einem von ihnen einen 

Wunsch zu erfüllen, allerdings unter der Bedingung, dass der andere das Doppelte bekommt. Der 

Gierige entscheidet zuerst, nämlich, der andere möge seinen Wunsch nennen. Der Neidische 

überlegt und sagt dann zu der Elfe: „Mach mich auf einem Auge blind“. Neid, so die Botschaft, ist 

eine maligne Form angeborener Aggression und zielt auf Zerstörung des guten Objekts.  

Neid wird hier weitgehend gleichgesetzt mit Aggressivität, genauer: mit Destruktivität, im 

Zirkelschluss ist Neid immer aggressiv bzw. destruktiv. Weil postuliert wird, dass Neid destruktiv 

ist, will, wer neidisch ist, einfach deshalb zerstören. 

 

Klein, M. (1957, 1972): Das Seelenleben des Kleinkindes und andere Beiträge zur Psychoanalyse. 

Reinbek, Rowohlt. 

 

 

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