Anatol

Januar 30, 2008

Anatol ist ein Einakterzyklus in acht Akten von Arthur Schnitzler aus dem Jahre 1893: Die Frage an das Schicksal, Weihnachtseinkäufe, Episode, Denksteine, Abschiedssouper, Agonie, Anatols Hochzeitsmorgen, Anatols Größenwahn.

Anatol sieht nach außen hin wie ein glücklicher Mensch mit vielen Liebschaften aus. Betrachtet man ihn jedoch genauer, so fällt auf, dass er von den Ängsten vor einer Partnerschaft getrieben wird und es nie zu einer richtigen Partnerschaft kommt. Frauenheldentum ist keine positive Eigenschaft, sondern ruft Beziehungsunfähigkeit und Angst vor Untreue hervor. Die männlichen Eitelkeiten werden in diesem Stück immer wieder verletzt und beeinflussen den narzißtischen Anatol in seinem Denken und Handeln. Im ersten Akt will er Cora hypnotisieren, um herauszufinden ob sie ihm gegenüber untreu sei. Er hat jedoch Angst vor der Wahrheit und bricht die Hypnose ab. Anatol verdrängt seine Ängste. Dies ist laut Sigmund Freud einer der Wege ins Unbewusste. Dies führt normalerweise zu Neurosen und Psychosen.

Die Frage an das Schicksal

Anatol diskutiert mit seinem Freund Max über das Problem, dass ein Mann niemals sicher wissen kann, ob eine Frau ihm treu ist oder nicht. Er selbst vertritt die These, dass eine Frau – Liebe hin oder her – schon aus ihrer Natur heraus niemals treu sein könne. Auch seine jetzige Geliebte Cora verdächtigt er der Untreue. Die ständige Ungewissheit, gegen die es seiner Meinung nach kein Mittel gibt, macht ihn nahezu verrückt. Max gibt ihm den Ratschlag, es doch mit der Hypnose zu versuchen. Diese Anregung greift Anatol begeistert auf, bietet sie ihm doch die Gelegenheit, seine Zweifel endgültig auszuräumen. Kaum ist der Entschluss gefasst, kann er auch schon umgesetzt werden: Cora kommt nach Hause und bittet Anatol im Gespräch selbst darum, von ihm hypnotisiert zu werden, eine Bitte, der dieser natürlich gerne nachkommt. Als er sie nun in der Hypnose fragt, ob sie ihn liebe, antwortet sie mit „ja!“. Von diesem Erfolg ermuntert, will Anatol auch die Frage nach der Treue stellen, doch es zeigt sich, dass er die Wahrheit doch fürchtet und die vorher von ihm so verfluchten Zweifel an der Treue Coras ihm doch wünschenswerter als eine eventuell für ihn und seinen Stolz unangenehme Wahrheit sind. Egal in welche Worte sein Freund Max die Frage „Bist du mir treu?“ auch kleidet, Anatol findet gegen jede Formulierung Einwände, zweifelt die Verständlichkeit der Frage, schließlich sogar generell die Möglichkeit ihrer Beantwortung an, nur um sie nicht stellen zu müssen. Als Max ihn schließlich entnervt zur Rede stellt und ihn darauf hinweist, dass all die von Anatol vorgebrachten Einwände unsinnig und konstruiert seien, fasst dieser endlich einen Entschluss: Er will seine Geliebte fragen – aber ohne Max, den er deswegen vor die Tür schickt. Mit Cora alleine wird er von seinen Gefühlen überwältigt und weckt sie auf, ohne die Frage gestellt zu haben. Damit hat Anatol seine Gelegenheit zur „Frage an das Schicksal“ verspielt: Cora stellt klar, dass sie sich nie wieder hypnotisieren lassen wird. 

Episode

Anatol bringt Max einen Karton mit alten Sachen, da er sein Leben neu ordnen will. Jedes enthält ein kleines Gedicht, eine Blume, Locke oder etwas, das ihn an sie erinnert. Max durchsucht ihn und es findet ein Päckchen mit der Aufschrift „Episode“. Dies ist eine Erinnerung an Bianca. Sie küsste seine Hand während er Klavier spielte. Max meint, dass er Bianca viel besser kannte, weil sie nicht verliebt waren sondern nur befreundet. Diese kommt vorbei und sie verwechselt Anatol mit jemand anderem. Darauf läuft Anatol davon. Max klärt Bianca auf, doch Anatol ist schon verschwunden.   

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