Paul Celan

Februar 1, 2008

CELAN

Paul Celan wurde am 23.11.1920 in Czernowitz, damals Rumänien, heute Ukraine geboren und verstarb vermutlich am 20.4.1970 in Paris. Er hat eigentlich Paul Antschel geheißen. Dieser Name wurde später rumänisiert Ancel, woraus das Anagramm Celan entstanden ist. Er war ein deutschsprachiger Lyriker.

Paul Celan wurde in Czernowitz, dem Hauptort der Bukowina in den Nordkarpaten, in einer deutschsprachigen jüdischen Familie geboren. Er war der einzige Sohn von Leo Antschel-Teitler (* 1890 in Schipenitz bei Czernowitz) und dessen Ehefrau Fritzi, geb. Schrager (* 1895 in Sadagora); Die erste Wohnung der Familie befand sich in der Wassilkogasse in Czernowitz.  Celan besuchte zunächst die deutsche, dann die hebräische Grundschule, fünf Jahre das Rumänische Staatsgymnasium und bis zum Abitur im Juni 1938 das Ukrainische Staatsgymnasium. Im selben Jahr begann er ein Medizinstudium in Tours, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1940 wurde die nördliche Bukowina und somit auch Celans Heimatstadt Czernowitz von der Sowjetunion besetzt. Celan konnte sein Studium zunächst fortsetzen. Als jedoch 1941 rumänische und deutsche Truppen Czernowitz besetzten, wurden die Juden in ein Ghetto gezwungen. Celans Eltern wurden 1942 deportiert. In einem Lager in Transnistrien starb sein Vater an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1943 wurde Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern festgehalten und musste Zwangsarbeit im südmoldauischen Straßenbau leisten. Nach der Befreiung (Czernowitz wurde im August 1944 von der Roten Armee eingenommen) kehrte Celan im Dezember 1944 nach Czernowitz zurück und nahm sein Studium wieder auf. 1947 flüchtete er aus seiner diktatorisch (kommunistisch-stalinistisch) beherrschten Heimat über Ungarn nach Wien und zog 1948 nach Paris. Noch im selben Jahr erschien in Wien mit „Der Sand aus den Urnen“ sein erster Gedichtband, der zunächst keine Beachtung fand. Im August 1948 begegnete Celan Ingeborg Bachmann, mit der er eine kurze Liebesbeziehung einging. Im Herbst 1950 versuchten sie erneut zusammenzuleben, der Versuch scheiterte jedoch, weil „wir aus unbekannten, dämonischen Gründen uns gegenseitig die Luft wegnehmen,“ wie Bachmann an Hans Weigel schrieb. In Paris lernte Celan im November 1951 die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete und die zeitweise künstlerisch mit ihm zusammenarbeitete (z. B. 1965 Radierungen zum Gedichtzyklus „Atemkristall“). 1952 erschien bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart sein Gedichtband „Mohn und Gedächtnis“ mit dem viel beachteten Gedicht „Die Todesfuge“, das den Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten thematisiert. 1955 erhielt Celan die Staatsbürgerschaft der Republik Frankreich. 1955 wurde der Sohn Eric Celan (Anagramm zu „écris!“, frz. für „schreib!“) geboren, nachdem Lestrange zwei Jahre zuvor ein Kind verloren hatte. 1960 verstärkten sich die schweren unbegründeten Plagiatsvorwürfe von Claire Goll, der Witwe des jüdischen Dichters Yvan Goll, dem Celan freundschaftlich verbunden gewesen war und für den er Gedichte übersetzt hatte. Diese Plagiatsanschuldigungen (auch bekannt als „Goll-Affäre“) verfolgten Celan bis an sein Lebensende. Celan wurde mehrmals in psychiatrische Kliniken eingewiesen, z. B. vom 28. November 1965 bis 11. Juni 1966, weil er in einem Wahnzustand Lestrange mit einem Messer töten wollte. Im November 1967 entschieden er und seine Frau, getrennt voneinander zu wohnen. Sie blieben aber weiterhin in Verbindung. Die Umstände und das Datum von Celans Tod sind nicht geklärt. Vermutlich am 20. April 1970 suchte er den Freitod in der Seine an der Pont Mirabeau. Celans Leichnam wurde am 1. Mai 1970 bei Courbevoie, zehn Kilometer flussabwärts von Paris, aus der Seine geborgen. Er wurde am 12. Mai 1970 auf dem Friedhof Thiais/Val-de-Marne beigesetzt. An diesem Tag starb Nelly Sachs, mit der er freundschaftlich verbunden war. 

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