Hedy Lamarr

Februar 4, 2008

LAMARR

Hedy Lamarr wurde am 9.11.1914 in Wien als Hedwig Eva Maria Kiesler geboren und verstarb am 19.1.2000 in Altamonte Springs, Florida. Sie war eine österreichische Filmschauspielerin. Sie erfand außerdem zusammen mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren, das heute in der Mobilfunktechnik eine wichtige Rolle spielt.

Lamarrs Vater Emil Kiesler war ein jüdischer Bankdirektor, die Mutter Gertrud, geb. Lichtwitz, Konzertpianistin. Schon in ihrem dritten Film Man braucht kein Geld mit Heinz Rühmann und Hans Moser hatte Lamarr eine Hauptrolle. Der tschechoslowakische Film Symphonie der Liebe (besser bekannt unter dem Titel Ekstase) von 1933 war aufgrund seiner Nacktszenen ein Skandal. Aber nicht nur die zehnminütige Nacktszene – ein Bad in einem See und der anschließende Gang nackt durch einen Wald – sorgte für Aufsehen, sondern vor allem eine Liebesszene, in der lediglich ihr sexuell erregtes Gesicht zu sehen war.Sie heiratete am 10. August 1933 den reichen Wiener Industriellen Fritz Mandl, einen herrschsüchtigen und eifersüchtigen Mann, der ihr das Filmen verbot. Er verlangte anlässlich der Hochzeit am 10. August 1933 in der Wiener Karlskirche von ihr, dass sie vom jüdischen zum katholischen Glauben übertrat. Am gemeinsamen Wohnsitz, Schloss Schwarzenau in Niederösterreich, verkehrte Prominenz wie Ödön von Horváth oder das Ehepaar Franz und Alma Werfel. Mandl war Waffenfabrikant, der unter anderem auch mit dem Nationalsozialistischen Deutschland Geschäfte machte. Sie floh vor ihm 1937 nach Paris und von dort nach London.

Der Journalist Karl J. Spurzem beschreibt ihre Flucht aus Österreich so:
Die schönste Frau der Welt hatte einen Plan. Am Abend würde ihr Gatte sie wie jeden Abend aus dem goldenen Käfig holen und sie mit ein, zwei der kostbaren Juwelen aus seinem Tresor behängen. Aber heute würde der österreichische Faschist Fürst Starhemberg zum Dinner kommen, und ihr Mann Fritz Mandl würde ihm nur zu gern möglichst viele Waffen aus seiner Waffenfabrik verkaufen. Also schlug die schönste Frau der Welt dem Gatten vor, dass er sie heute ausnahmsweise mit allen Juwelen behänge, damit der Chef der Heimwehr beeindruckt und zu einem großen Geschäft ermuntert würde. Ihr Auftritt war eine Sensation. Von den Fingern bis ins Haar – nichts als Kristall, weiß, rot, blau, grün, Smaragde, Rubine, Diamanten, sie musste so viel wie ein Maharadscha gewogen haben. Vor dem Dessert entschuldigte sie sich für einen Moment. Kopfweh. Sie kam nicht zurück. Am Morgen war sie auf einem Schiff nach Übersee, samt den Juwelen, ihrer Schönheit, ihrer Klugheit, ihrem Talent.

Lamarr ging in die USA und wurde vom Studio als schönste Frau der Welt und als Nachfolgerin von Marlene Dietrich und Greta Garbo gepriesen. Filmmogul Louis B. Mayerentdeckte die gutaussehende Schauspielerin und nahm sie für MGM unter Vertrag. Gleichzeitig gab er ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr, wobei er sich direkt auf den berühmten Stummfilmstar Barbara La Marr bezog, die seinerzeit unter dem Titel The Girl Who Was Too Beautiful bekannt war. Allerdings entsprachen Lamarrs schauspielerische Leistungen nicht ihrem blendenden Aussehen.

Trotzdem schaffte sie durch die Mitwirkung in dem Streifen Algiers im Jahre 1938 an der Seite von Charles Boyer eine Sensation. Praktisch über Nacht kopierte jede Schauspielerin ihre Mittelscheitel-Frisur, und brünett wurde zur Modefarbe der späten Dreißigerjahre. Joan Bennett trieb die Mimikry so weit, dass sie für den Streifen Trade Windsihre bislang blonden Haare à la Lamarr färbte und für den Rest ihrer Karriere so behielt. Gleichzeitig war Lamarr für eine Renaissance des Huts als Accessoire für Schauspielerinnen verantwortlich. Wobei die drei Buchstaben H-U-T kaum beschreiben, was Hedy in ihrer Glanzzeit alles auf dem Kopf trug: Turbane, Schals, Schleier und sogar an Thailandgemahnende mehrstöckige Kreationen.
Louis B. Mayer wollte aus Hedy Lamarr den größten Star des Studios machen und betraute damit zunächst Josef von Sternberg, der bei ihrem MGM-Debüt, dem Streifen I Take This Woman, Regie führen sollte. Pleiten, Pech und Pannen begleiteten von Beginn an diese Produktion, die über 16 Monate dauerte, bei der sich drei Regisseure abwechselten und fast die komplette Besetzung mittendrin ausgewechselt wurde. Am Ende bezeichneten manche den Film als I Retake This Woman und das fertige Ergebnis war ein ausgewachsener Flop. Lamarr selbst wirkte nebenbei noch in Lady Of The Tropics neben Robert Taylor mit, der schließlich sogar noch früher in den Verleih kam.Im Studio galt Lamarr als träge, wenig ambitioniert und relativ schwierig. Sie spielte gelegentlich gute Rollen, doch meistens war sie als dekoratives Beiwerk zu sehen. Dies gilt insbesondere für ihren größten kommerziellen Erfolg, den Film Samson und Delilah, bei dem Cecil B. DeMille Regie führte. Lamarr behauptete in späteren Jahren oft, sie hätte viele gute Rollen abgelehnt, so Casablanca und Gaslight.
Neben manchen Affären fand die Schauspielerin noch Zeit, sechs Mal zu heiraten. Ihre Ehemänner waren neben Fritz Mandl, Gene Markey, Sir John Loder, Teddy Stauffer, W. Howard Lee sowie Lewis J. Boles. Sie hatte drei Kinder.

In den Sechzigerjahren wurde eine Anzeige wegen Ladendiebstahls gegen sie bekannt. Ihre Biographie Exctasy and Me kam Mitte des Jahrzehnts heraus. Kurze Zeit nach dem Erscheinen verklagte Lamarr den Co-Autor auf eine hohe Summe Schadenersatz, da er die Fakten verdreht hätte.Anfang der 1990er Jahre benutzte der Softwarekonzern Corel ein retuschiertes Foto von Hedy Lamarr als Verpackung für die Grafiksoftware Corel Draw 8. Resultat war eine Klage über fünf Millionen US-Dollar mit dem Ziel, Corel die Benutzung des Fotos zu untersagen. Hedy Lamarr lebte zu dieser Zeit sehr zurückgezogen und fürchtete um ihre Privatsphäre. Man einigte sich schließlich außergerichtlich in einem Vergleich, und Corel wurde eine Lizenz zur Nutzung des Fotos zugestanden.

Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte Lamarr zurückgezogen in Florida. Obwohl sie Österreich und insbesonders Wien immer als „ihre“ Heimat sah, war es ihr vor ihrem Tode nicht mehr vergönnt, noch einmal zurück zu kommen.
Es soll Lamarrs letzter Wille gewesen sein, dass ihre Asche im Wienerwald verstreut wird. Zum Teil entsprachen ihre Kinder Anthony Loder und Deedee Loder diesem Wunsch, indem sie einige Jahre nach Lamarrs Tod die Hälfte der Asche im Grüngebiet „Am Himmel“ verstreuten, das sich am Stadtrand von Wien befindet und zu den Ausläufern des Wienerwaldes zählt. Die Szene wurde Teil des Films „Calling Hedy Lamarr“. Anthony Loders Anliegen, die restliche Asche seiner Mutter möge in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt werden, scheint infolge von Unstimmigkeiten bislang nicht realisiert worden zu sein. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: