Trommelprozessionen in Calanda (Ruta del Tambor)

Februar 22, 2008

Die Osterpauke

Weltlich-lebensbejahend ist man in der südaragonesischen Provinz Teruel. Im Allgemeinen den fleischlichen Wonnen wie dem Serrano-Schinken aus Teruel zugetan, hält man auch zu Ostern nichts von individuell-introvertiertem Leiden. In Calanda und acht weiteren Ortschaften lässt man mit Pauken und Trommeln der Passion freien Lauf. Mit Inbrunst wird von Karfreitag bis Ostersonntag auf der Ruta del Tambor y Bombo getrommelt. Bis Arme erlahmen, Hände bluten und Nerven versagen. Der Sage nach geht der Brauch auf das Jahr 1127 zurück. Ein Hirte soll die zur Ostermesse versammelten Christen mit einer Trommel vor einem Überfall der Araber gewarnt haben. Mitte des 17. Jahrhunderts geschah das „Wunder von Calanda“, als einem Beinamputierten das Gliedmaß wieder nachwuchs. Der Trommelei bescherte diese Begebenheit eine Art Renaissance. Das österlichen Lärmen wiederholte sich von da an Jahr für Jahr. Wohl auch, weil Glockenläuten – eine große Leidenschaften der Spanier – von Karfreitag bis zur Auferstehung des Herrn verboten ist.

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