Das Konzentrationslager Majdanek

Februar 28, 2008

Das Konzentrationslager Majdanek (offiziell KL Lublin, KZ Lublin, auch in der Schreibweise K.L. Lublin; Majdanek ist ein Vorort von Lublin in Polen) war das erste Konzentrationslager der SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL) im besetzten Polen. Wie Auschwitz-Birkenauwurde Majdanek zeitweise auch als Vernichtungs-/Todeslager genutzt. Es bestand von Oktober 1941 bis Juli 1944. Am 23. Juli 1944 wurde das bereits großteils geräumte Lager befreit.

Am 3./4. November 1943 wurden unter dem Decknamen „Erntefest“ die Juden des Distrikts Lublin von SS-Einheiten ermordet. Das Massaker fand in den drei Konzentrationslagern Majdanek, Poniatowa (Ort) und Trawniki statt. An diesen zwei Tagen wurden 40.000 bis 43.000 Menschen umgebracht. Insgesamt – so im Jahre 2006 die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza – wurden allein in Majdanek 79.000 Menschen ermordet. Bereits seit Ende Oktober 1943 hoben die Insassen des KZ Majdanek hundert Meter lange, sechs Meter breite und bis zu drei Meter tiefe Gräben in unmittelbarer Nähe des Lagers aus. Am Morgen des 3. Novembers wurden die jüdischen Häftlinge separiert, weitere Juden wurden aus den Außenlagern (insbesondere Lipowa, das sogenannte „Flughafen-Lager“) und der Stadt Lublin nach Majdanek geschafft. Sie mussten sich nackt ausziehen und „dachziegelförmig“ – d. h. hintereinander jeweils mit dem Kopf auf dem Rücken des Vorgängers in Längsrichtung – in die ausgehobenen Gräben legen. Ein Kommando aus etwa 100 SS-Männern und Polizisten ging die Gräben ab und tötete die Opfer mittels Genick- oder Kopfschuss. Nachdem der Boden eines Grabens mit Leichenbedeckt war, mussten sich die nächsten Opfer in gleicher Form auf die Toten legen. Jeder Graben wurde bis zur Oberkante gefüllt und anschließend notdürftig mit Erde bedeckt. Die Exekutionen dauerten bis in die Abenddämmerung. Zur Übertönung der Schüsse wurden eigens zwei Lautsprecherwagen bereitgestellt, die Marsch- und Unterhaltungsmusik spielten. Der Aktion fielen in Majdanek 17.000 bis 18.000 Menschen zum Opfer, darunter fast alle jüdischen Häftlinge. Lediglich je 300 weibliche und männliche Gefangene überlebten das Massaker, sie mussten anschließend die Kleidung der Opfer verwerten und später die Leichen exhumieren und verbrennen.

Hannah Arendt überliefert aus dem Jerusalemer Prozess unter Nennung von Lublin, was auf Majdanek weisen würde (Arendt selbst glaubte Treblinka), folgende Aussage Adolf Eichmanns: (…) hier würde (…) ein Motor eines russischen U-Bootes arbeiten und die Gase dieses Motors würden hier hineingeführt werden, und dann würden die Juden vergiftet werden. (H. A., Eichmann in Jerusalem, Kap. VI ). Diese Angabe findet sich auch bei Thomas Sandkühler in seinem Buch über Berthold Beitz (s. Literatur in dem Artikel). Nach der neuen Veröffentlichung von Eichmann-Dokumenten durch Irmtrud Wojak handelte es sich um den Zeitraum Februar/März 1942, der Motor war ein sowjetischer Panzer-Motor (Quelle bei Wojak, Seite 183 und Anm.). Da Eichmann in dieser Quelle von einer Autofahrt von knapp 2 Stunden ab Lublin spricht, handelt es sich wahrscheinlich um eine Verwechslung; denn es kann sich dann nur um das Vernichtungslager Belzecgehandelt haben, bei dem ja die Verwendung von Panzermotoren-Abgasen bekannt ist.(Wojak, S. 182) Für das KZ Majdanek sind Gaskammern bezeugt, in denen Menschen anfangs mit Kohlenstoffmonoxidgas, später durch Zyklon B ermordet wurden.

Ende Juli 1944 wurde das Lager Majdanek geräumt, weil die Rote Armee auf dem Vormarsch war. Vor dem Abtransport der Gefangenen wurden alle Dokumente vernichtet und die Gebäude samt dem großen Krematorium in Brand gesetzt. In der Eile des Rückzugs versäumten die Deutschen jedoch die Zerstörung der Gaskammern und eines Großteils der Gefangenenbaracken. Bereits im August 1944 gelangten westliche Journalisten zu einer Besichtigung nach Majdanek. Daraufhin wurden Darstellungen des Massenmords auf die Titelseiten US-amerikanischer Zeitungen und in US-Zeitschriften gesetzt. Insgesamt taten während der Existenz des Lagers schätzungsweise 1.200 SS-Leute dort Dienst. Als die Rote Armee näherrückte, wurde das Lager verlassen und die noch etwa 1000 Gefangenen fortgeschafft. Am 23. Juli 1944 wurde das Lager befreit. Durch eine polnisch-sowjetische Kommission begann noch im Juli die erste Untersuchung der Verbrechen. Es kam in Lublin zur Gerichtsverhandlung, die im November 1944 zu vier Todesurteilen führte. Zwei Jahre danach, ebenfalls in Lublin, wurde gegen 95 SS-Angehörige verhandelt. 1948, nach zweijährigem Prozeß, wurden darin 7 der Angeklagten zum Tode verurteilt, darunter auch die frühere Kommandantin des Frauenlagers, Else Ehrich, die anderen erhielten Haftstrafen.

Der Majdanek-Prozess von 1975 bis 1981 war ein Prozess gegen 16 ehemalige SS-Angehörige in Düsseldorf. Acht Beschuldigte erhielten Freiheitsstrafen, Hermine Ryan geb. Braunsteiner eine lebenslange Freiheitsstrafe, die anderen sieben, darunter Hildegard Lächert, zwischen drei und zwölf Jahren. Fünf weitere Angeklagte wurden mangels Beweisen freigesprochen, da viele Zeugen die Täter nach so langer Zeit nicht mehr eindeutig identifizieren konnten. Ein Angeklagter war verhandlungsunfähig geworden, drei weitere starben während des Verfahrens. Diese Gerichtsurteile sorgten in der BRD für eine längere Debatte, da die verhängten Strafen vielen Beobachtern zu gering erschienen.

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