Das Gewitter

März 1, 2008

Noch immer lag ein tiefes Schweigen rings auf den Höhen, doch plötzlich fuhr der Wind nun auf zum wilden Reigen, die sausende Gewitterspur. Am Himmel eilt mit dumpfem Klange herauf der finstre Wolkenzug: So nimmt der Zorn im heißen Drange den nächtlichen Gedankenflug. Der Himmel donnert seinen Hader; auf seiner dunklen Stirne glüht der Blitz hervor, die Zornesader, die Schrecken auf die Erde sprüht. Der Regen stürzt in lauten Güssen; mit Bäumen, die der Sturm zerbrach, erbraust der Strom zu meinen Füßen; doch schweigt der Donner allgemach. Der Sturm läßt seine Flügel sinken, der Regen säuselt milde Ruh; da sah ich froh ein Hüttlein winken und eilte seiner Pforte zu.

Nikolaus Lenau, 1854
 

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