Das Massaker von Palmnicken (Jantarny, Янтарный) am 31.1.1945

September 11, 2008

Hier geschah ein monströses Verbrechen – eines der letzten großen Holocaust-Massaker, dem in den ersten Wochen des Jahres 1945 im samländischen Palmnicken fünftausend Menschen zum Opfer fielen. Jahrzehntelang versuchte man, es zu verschweigen und zu vertuschen. Doch den Wenigen, die dem Tod entronnen waren, blieb das Grauen eingezeichnet, und die vielen Zeugen jener Tage und Nächte an der Ostseeküste, konnten nicht verdrängen, was sie als junge Menschen, als Kinder noch, miterlebt hatten. Sie begannen aufzuschreiben und zu erzählen.

Martin Bergau war damals 16 Jahre alt, der Sohn des Küsters und ist selbst dabei gewesen, er ging am nächsten Tag am Strand entlang und sah alles voller Leichen. Er schrieb  bereits 1994 in seinem Buch „Der Junge von der Bernsteinküste“ von der Mordnacht. Nach dem Beginn der sowjetischen Offensive in Ostpreußen am 12. Januar 1945 erfasste das deutsche Terrorregime die Panik. In aller Eile begann man, die Konzentrationslager zu räumen. So wurden aus Nebenlagern des Danziger KZ Stutthof, die sich bei Königsberg befanden, an die fünftausend Häftlinge durch Eis und Schnee Richtung Küste getrieben. Etliche starben am Weg oder wurden erschossen. Etwa dreitausend Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, erreichten Palmnicken. Die SS zog mit ihren Opfern des Nachts weiter und trieb die verzweifelten Menschen auf das Eis des zugefrorenen Meeres oder erschoss, erschlug sie gleich am Strand. Die Täter waren bekannt, flüchteten nach Deutschland und wurden nie zur Rechenschaft gezogen.

      Palmnickens Bürgermeister Kurt Friedrichs

      SS-Obersturmführer Fritz Weber und andere

Das Ermittlungsverfahrens, das Anfang der sechziger Jahre in Lüneburg eingeleitet wurde, wurde bald wieder eingestellt, nachdem sich der Hauptbeschuldigte, SS-Obersturmführer Fritz Weber, selbst gerichtet hatte. Friedrichs konnte fliehen – ein Ostflüchtling der besonderen Art – und meldete sich in den fünfziger Jahren schon wieder im Ostpreußenblatt zu Wort, einem offiziellen Organ der Vertriebenenverbände. Sie und andere haben dazu beigetragen, das Massaker von Palmnicken zu verschweigen. 

Todesmarsch zur Bernsteinküste, Martin Bergau, Hans Jochen Vogel:
Das Massaker an Juden im ostpreußischen Palmnicken im Januar 1945. Zeitzeugen erinnern sich. C. Winter Universitätsverlag, Heidelberg 2006

https://www.inniatiff.de/inni/winter/deutsch/suchen/detail.php?sID=3300&struktur=1&stufe=0

http://www.shoa.de/endloesung_ostpreussen_1945.html

http://www.neveragain.org/1945.htm

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