Ivana Hodak, Ivo Pucanic, Niko Franjic in Zagreb ermordet…

Oktober 26, 2008

In Zagreb werden alte Rechnungen beglichen, allerdings nicht wie geplant vor Gericht. Nur wenige Tage nachdem der ehemalige Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec für seinen Prozess in Kroatien von Österreich ausgeliefert worden war, wurde die Tochter seines Anwalts, Ivana Hodak (6.10.2008), mitten in Zagreb erschossen. Getroffen wurden auch jene Kräfte in der kroatischen Justiz, die Aufklärung über den Verbleib der in den Kriegsjahren verschwundenen Millionen suchen. Ivana Hodaks Eltern und Zagorec gehörten zur Nomenklatura in der Tudjman-Ära. Sie stehen für ein System, das spätestens im Jahr 2000 abgewählt wurde. Doch auch wenn Premier Ivo Sanader die ehemalige Tudjman-Partei HDZ seit damals erfolgreich reformiert hat und er nun nach dem Mordfall sehr schnell zwei zentrale Minister austauscht, ist unschwer zu erkennen, dass der Führung in Zagreb der Fall Zagorec entglitten ist. In Kroatien fürchten viele, dass Zagorec auspacken könnte, kennt er doch brisante Staatsgeheimnisse aus der Kriegszeit. Der ehemalige Waffenbeschaffer selbst bangt um seine Gesundheit und wohl auch um sein Geld. Nach dem Mord wird es noch unwahrscheinlicher, dass der Fall gerichtlich geklärt wird, wohl aber könnte er durch einen politischen Deal entschärft werden. Präsident Stipe Mesiæ schickte zu diesem Zweck ja sogar einen seiner „Berater“ nach Wien.

Auf einem Parkplatz im Zentrum Zagrebs war die Autobombe unter der Limousine des Herausgebers der Wochenzeitung „Nacional“, Ivo Pukanic (23.10.2008), am Donnerstagabend explodiert. Mit im Auto saß Niko Franjic, der Marketingchef der Mediengruppe NCL. Innenminister Tomislav Karamarko bestätigte, dass der Polizeischutz für den umstrittenen Enthüllungsjournalisten vor zwei Monaten mit dessen Einverständnis eingestellt worden war. Der 47-Jährige, der häufig über die Mafia schrieb und enge Kontakte zur Unterwelt gepflegt haben soll, war schon im April von einem Unbekannten beschossen worden.

Der Kroatien-Berichterstatter des Europäischen Parlaments, SPÖ-Europaabgeordneter Hannes Swoboda, spricht vom „schwersten Rückschlag für Kroatiens Bemühen um Mitgliedschaft in der EU seit Beginn der Verhandlungen“ im Jahr 2005. Wenn der Regierung von Ministerpräsident Ivo Sanader nicht ein rascher und nachhaltiger Schlag gegen das Organisierte Verbrechen gelinge, sei „der Abschluss der EU-Verhandlungen im Jahre 2009 höchst gefährdet“.

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