José Saramago

November 1, 2008

José Saramago wurde am 16.11.1922 in Azinhaga, Portugal geboren. Er ist ein portugiesischer Romancier, Lyriker, Essayist, Erzähler, Dramatiker und Tagebuchautor. 1998 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Seine Romane spielen in verschiedenen historischen Epochen Portugals, wobei es sich aber nicht um historische Romane im eigentlichen Sinne handelt. Im Mittelpunkt steht meist das Verhalten und Bemühen einzelner Personen oder Gruppen (meist Angehöriger der unteren Schichten), mit einer für sie feindlichen Umwelt bzw. Gesellschaft zurechtzukommen.

1922 wird Saramago in dem kleinen Dorf Azinhaga im Kreis Golegã in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Seine Eltern José de Sousa und Maria da Piedade und deren Familien waren Landarbeiterfamilien in den Latifundien der Großgrundbesitzer. 1924, als er drei Jahre alt war, zieht die Familie nach Lissabon, wo der Vater als Polizist arbeitet. Trotz exzellenter Zeugnisse kann Saramagos Familie sich den Besuch eines Gymnasiums für ihn nicht leisten. Als einzige Möglichkeit beibt ihm, auf eine technische Fachschule zu gehen, er wird Mechaniker und arbeitet zwei Jahre in einer KFZ-Werkstatt. Während des Besuches der technischen Fachschule kommt er zum ersten Mal in Kontakt mit der portugiesischen Literatur. In den nächsten Jahren wird Saramago ein eifriger Besucher der öffentlichen Bibliothek Lissabons, seine autodidaktischen Studien ermöglichen es ihm bald, in Verlagen und für Zeitungen zu arbeiten, bevor er 1976 freier Schriftsteller wird. Zum Zeitpunkt seiner Heirat mit Ilda Reis (1944) ist Saramago Angestellter bei der previdência social, der portugiesischen Sozialwohlfahrt. 1947 wird sowohl sein einziges Kind Violante geboren als auch seine erste Novelle unter dem Titel Terra do Pecado veröffentlicht. Er schreibt noch eine weitere (unveröffentlichte) Novelle. Beim Versuch, Weiteres zu schreiben, kommt er zu dem Schluss „… dass ich nicht Lohnendes zu sagen habe“. Bis 1966 veröffentlicht er daraufhin nichts mehr.
1949 wird Saramago aus politischen Gründen entlassen. Ende der 1950er beginnt er, als Produzent für einen Verlag zu arbeiten,  er lernt viele wichtige portugiesische Schriftsteller kennen und befreundet sich mit einigent. Ab 1955 arbeitet er auch als Übersetzer.1966 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Os Poemas Possíveis, 1970 seinen zweiten Provavelmente Alegria. 1967/1968 arbeitet er zusätzlich als Literaturkritiker; die gesammelten Kritiken werden dann auch 1971 (Deste Mundo e do Outro) und 1973 (A Bagagem do Viajante: crónicas) als Bücher publiziert. Im Jahre 1969 schließt er sich der damals verbotenen Kommunistischen Partei Portugals an, in der er indessen immer eine kritische Haltung einnahm.
Nach der Scheidung von seiner Frau (1970) geht er eine Beziehung mit der portugiesischen Schriftstellerin Isabel da Nóbrega ein, die bis 1986 andauert. Nach der Nelkenrevolution 1974 scheint Portugal eine kurze Zeit zum Kommunismus zu tendieren. Von April bis November 1975 arbeitet Saramago als stellvertretender Leiter der Tageszeitung Diário de Nóticias. Nach einer gescheiterten Rebellion kommunistischer Truppenteile geht das bürgerliche Lager als Sieger aus der Revolution hervor; Saramago verliert seinen Posten; ohne Hoffnung auf eine Anstellung entscheidet er sich, sich ganz der Literatur zu widmen.
1980 hat er seinen nationalen Durchbruch mit dem Roman „Hoffnung im Alentejo“ (port. Levantado do Chão, 1980). Darin beschreibt er die Geschichte der Landarbeiter des Alentejo, ihr entbehrungsreiches und eintöniges Leben, wie sie gegen feudale Herrschaftsstrukturen aufbegehren, die sich über 500 Jahre hinweg kaum verändert haben. Die Besetzungen der Latifundien durch die Landarbeiter nach der Nelkenrevolution bilden den hoffnungsvollen Schlusspunkt der klerikalfaschistischen Diktatur: von nun an besteht die Hoffnung nicht mehr geknechtet, sondern tatsächlich „vom Boden erhoben“ (levantado do chão) zu leben.
1982 erzielt er seinen internationalen Durchbruch mit dem blasphemisch-humoristischen Liebesroman „Das Memorial“ (Memorial do Convento, 1982), der im Portugal des achtzehnten Jahrhunderts spielt und den Bau des Klosters von Mafra aus der Sicht des kleinen Mannes beschreibt. Es ist ein bitter-ironischer, facettenreicher und vieldeutiger Text, der gleichzeitig eine historische, soziale und individuelle Perspektive enthält. Das Buch inspiriert den italienischen Komponisten Azio Corghi zur Oper Blimunda, die 1990 in der Mailänder Scala uraufgeführt wirde. Der große Erfolg dieser beiden Romane bei den Lesern ermöglicht Saramago die finanzielle Unabhängigkeit als Schriftsteller. In der Folge erscheinen verschiedene Gedichte, Novellen, Romane und Dramen. 1986 spricht sich Saramago gegen den Beitritt Spaniens und Portugals zur EU aus. 1988 heiratet Saramago die spanische Journalistin Pilar del Río. 1991 veröffentlicht er das Buch Das Evangelium nach Jesus Christus. Die katholische Kirche erklärt den Roman für blasphemisch. Als der damalige Kulturstaatssekretär der konservativen Regierung, Pedro Santana Lopes, 1992 den Namen Saramagos von der Liste der Kandidaten für den Europäischen Literaturpreis strich und so seinem neuen Roman die Teilnahme verweigert, verlegen Saramago und seine Frau als Protest ihren Wohnsitz auf die kanarische Insel Lanzarote. Saramago kandidiert bei den Europawahlen 2004 für die Kommunistische Partei Portugals, allerdings auf einem aussichtslosen Listenplatz. Saramago erhält viele portugiesische und internationale Literaturpreise, 1995 den Prémio Camões und 1998 den Nobelpreis für Literatur. Er besitzt Ehrendoktortitel der Universitäten von Turin (Italien), Universität Sevilla und Polytechnische Universität Valencia (Spanien), Universität Manchester (Großbritannien) und Universität Coimbra (Portugal).

http://www.nobelpreis.org/Literatur/saramago.htm

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