Anton Koperek, der Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion

Januar 2, 2009

Anton Koperek wurde am 28.2.1902 in Essen a.d. Ruhr geboren und verstarb am 11.11.1942 im KZ Dachau. Er war zuletzt Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion.

Anton Koperek entstammte einer kinderreichen Bergarbeiterfamilie aus dem Ruhrgebiet. Nach dem Besuch der achtklassigen Volksschule in Essen absolvierte er die Studienanstalt bei den Steyler Missionaren und legte im Juni 1923 die Reifeprüfung ab. Anschließend besuchte er das Priesterseminar der Diözese Gurk in Klagenfurt, wo er im Juni 1928 zum Priester geweiht wurde. Es folgten Anstellungen des jungen Priesters als Kaplan im Markt Griffen, Pörtschach am Wörthersee, Arnoldstein, Greifenburg, St. Martin bei Villach, St. Veit an der Glan, St. Stefan am Krappfeld und St. Andrä im Lavantal. Während seiner Tätigkeit als Kaplan, machte Anton Koperek an der Karl-Franzens-Universität in Graz das Doktorat in Theologie und später das Doktorat der Rechte. Ab Mai 1937 war er als Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion tätig, wo er sich kritisch zur NS-Euthanasie und zur Vertreibung der Kärntner Slowenen äußerte.

Da er die polnische Sprache beherrschte, hatte er gute Kontakte zu den dortigen polnischen Zwangsarbeitern, die auch öfters die Messe besuchten. Das wurde von der Gestapo nicht gebilligt und war auch der Grund für seine Verhaftung. Polnischen Zwangsarbeitern war es verboten gemeinsam mit Deutschen in die Kirche zu gehen. Am 28. Mai 1942 wurde er von der Villacher Gestapo verhaftet, drei Tage später in die Gestapohaft nach Klagenfurt überstellt, und ein Monat später am 13. Juli 1942 als „Schutzhäftling“ in das KZ-Dachau eingeliefert, wo er unter der Gefangenennummer 31534 registriert wurde. Am 17. Dezember 1942 bekam seine Mutter Anna Koperek, die bei ihrem Sohn Franz Koperek in St. Paul bei Ferndorf wohnte, die Nachricht, dass ihr Sohn Anton am 11. November an den Folgen eines „Darmkattarh“ gestorben ist. Am 28. März 1943 wurde die Aschenurne von Anton Koperek bei der Kirche in der Kreuzen beigesetzt.

Nach dem Krieg, im Jahre 1950, beabsichtigte Elisabeth, eine Schwester von Anton Koperek, den Fall vor Gericht aufrollen, um die Schuldigen am Tod ihres Bruders zu ermitteln. Letztlich ging es ihr darum, jene Personen in der Kreuzen zu ermitteln, die ihren Bruder an die Gestapo verraten haben, damit diese ihre Schuld öffentlich eingestehen. Sie wandte sich auch an den damaligen Pfarrer in der Kreuzen, der jedoch davon nichts wissen wollte. In einem längeren Brief antwortete er ihr: „…  aufjeden Fall muss ich Sie bitten die Angelegenheit ihres verstorbenen Bruders auf sich beruhen zu lassen…„. 

 

Aus der Vernehmungsniederschrift des Gendarmeriepostens Ferndorf, aufgenommen am 29. Mai 1942 mit Frau Aloisia Oberrisser, Gattin des Malermeisters und Ortsgruppenleiters von Ferndorf: „Ich habe am 29. März 1942 am Palmsonntag beim Fenster meiner Wohnung hinausgeschaut, welche sich in nächster Nähe der katholischen Pfarrkirche befindet und habe bemerkt, dass die deutschen Kirchenbesucher gemeinsam mit Polen aus der Kirche herausgekommen sind. Soviel mir bekannt ist, hat an diesem Sonntag nicht der Ortspfarrer Franz Koperek sondern dessen Bruder Dr. Anton Koperek, Pfarrer in der Kreuzen bei Paternion, den Gottesdienst gehalten. Nach dem Gottesdienst habe ich auch gesehen, dass die polnischen Landarbeiter, die ich zwar den Namen nach nicht kenne, bei meiner Wohnung vorbei gegangen sind. Es dürften damals sieben oder acht Polen oder Ukrainer gewesen sein. Ob dies alles Polen oder Ukrainer gewesen sind, kann ich nicht mit Bestimmtheit angeben. Eine Landarbeiterin, die beim Besitzer Gabler in Laas, Gemeinde Fresach bedienstet ist, geht jeden Sonntag in die Kirche. Ob diese eine Polin oder Ukrainerin ist, kann ich auch nicht mit Bestimmtheit angeben. Ich und meine Tochter Ilse haben schon des Öfteren bemerkt, dass der Pfarrer mit den polnischen Landarbeiterinnen und Landarbeitern sehr freundschaftlich verkehrt und mit ihnen des Öfteren spricht.“

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