Das Massaker von Deutsch-Schützen am 29.3.1945

Januar 8, 2009

In der Nähe des Ortes Deutsch Schützen im Südburgenland waren in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs etwa 850 jüdische Zwangsarbeiter zum Bau des Südostwalls eingesetzt, die hauptsächlich aus Ungarn stammten. Am 27. März 1945 zwang man sie aufgrund des Heranrückens der Roten Armee in Schachendorf zum Marsch ins Konzentrationslager Mauthausen. Auf Befehl von Alfred Weber, Leiter des Unterabschnittes Deutsch Schützen wurden bis zu 500 ungarisch-jüdische ZwangsarbeiterInnen, die beim Bau des sogenannten Südostwalls eingesetzt waren, in die Nähe der Martinskirche geführt. In kleinen Gruppen wurden diese in den Wald gebracht. Wenig später erschoss eine Einheit des Deutschen Volkssturms, bestehend aus drei Angehörigen der SS-Division Wiking und fünf Feldgendarmen, 57 der Zwangsarbeiter auf einem Holzschlag in einer nahen Waldlichtung südwestlich der Kirche. Als die dritte Gruppe zum Tatort geführt hätte werden sollen, kam der Befehl, sie wieder in den Ort zurückzubringen und mit allen noch lebenden jüdischenZwangsarbeiterInnen in Richtung Hartberg zu „evakuieren“. Der Grund war die in nächste Nähe gerückte Front.
Die NS-Kreisleitung in Oberwart unter Eduard Nicka ließ dann das Massaker einstellen und ermöglichte den Tätern die Flucht vor dem nahen Feind. Die Toten wurden anschließend in einen von ihnen bereits ausgehobenen Laufgraben geworfen und verscharrt. Mit den Überlebenden marschierten die Täter Richtung Hartberg ab.
Im März 1945 setzte mit dem Herannahen der sowjetischen Truppen der Rückzug der ungarischen Zwangsarbeiter nach Westen ein. Marschunfähige wurden vor dem Abmarsch – nur in wenigen Fällen wurden die Juden per Bahn oder Schiff „evakuiert“ – von SA- und SS-Trupps ermordet. Auf den sogenannten Todesmärschen, die durch das südliche Burgenland (Oberwart), die Steiermark (Hartberg, Weiz, Graz, Bruck an der Mur, Leoben, Trofaiach,Eisenerz, Hieflau, Liezen, St. Gallen) und Oberösterreich (Steyr, Enns) bis ins Konzentrationslager Mauthausen führten, wurden die Juden von den Wachmannschaften, die sich aus „bewaffneten Zivilisten“ und halb- oder volluniformierten Volkssturmmännern zusammensetzten, grausam mißhandelt und nicht mehr Marschfähige ebenfalls ermordet. Die wenigen überlebenden Zwangsarbeiter wurden vom Zeltlager Mauthausen in das 50 km westlich gelegene Konzentrationslager Gunskirchen in Marsch gesetzt, wo sie am 5. Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurden. Auf den 400 Kilometern entlang der Südostwall-Linie und entlang der zurückgelegten Wege nach Mauthausen befänden sich 125 solcher Gräber wie jenes in Deutsch Schützen.
Nach monatelanger Suche auf Ersuchen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelang es dem Verein Schalom am 23. August 1995, den Ort desMassengrabes ausfindig zu machen. An dieser Stelle in einem 55 Hektar großen Schutzwald bei Deutsch Schützen fand man Überreste von 47 Menschen. Am 13. September 1995 wurden die Toten nach den halachischen Vorschriften vom Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg an der Fundstelle bestattet.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,586861,00.html

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: