Die Massaker vor Kriegsende entlang der Route Hartberg, Gleisdorf, Graz, Bruck/Mur, Eisenerz, Liezen

Januar 8, 2009

Die Mörder sowie die Hitlerjungen führten die Arbeiter nach Hartberg, wobei die SS-Männer neuerlich Häftlinge erschossen, quälten und demütigten. Während die Hitlerjungen in Hartberg vom Volkssturm abgelöst wurden, dürften die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ den Transport bis Graz eskortiert haben. 
Nach Hartberg wurden auch etwa 4–5000 ArbeiterInnen aus Rechnitz deportiert. Einige Kolonnen marschierten nun über Sebersdorf nach Gleisdorf, eine weitere Route führte über Großpesendorf. Von letzterem Transport flohen mindestens 14 Juden und wurden von den Bewohnern des kleinen steirischen Orts Kalch gerettet. Beim Weitermarsch nach Sinabelkirchen flüchteten weitere 18 Personen, doch wurden diese vom Volkssturm gefasst und von Angehörigen der Waffen-SS Division „Wiking“ zwischen dem 7. und 11. April erschossen. 
Die südlicher gelegenen Lager zwischen Eberau und Heiligenkreuz wurden in Bierbaum gesammelt. Von hier bewegte sich der Transport, der inzwischen tausende Männer und Frauen umfasste, weiter nach Gleisdorf. Die südlichsten Lager wurden in kleineren Gruppen auf verästelten Routen nach Gleisdorf getrieben. Von Gleisdorf gingen die Märsche weiter nach Graz, wo die ArbeiterInnen auf mehrere Lager aufgeteilt wurden. 
Von Graz über den Präbichl. 
Am 4. April verließen mehr als 8000 Jüdinnen und Juden in mehreren Transporten Graz und marschierten entlang beider Murufern nach Bruck a.d. Mur, wobei sie von Volkssturm, Gendarmerie, ukrainischer Waffen-SS und Grazer Gestapo, welche die Transportleitung stellten, begleitet wurden. Während die regulären Wachmannschaften Nachzügler erschossen, ermordeten Angehörige der im Gebiet stationierten Waffen-SS Division „Wiking“ Flüchtlinge. Arbeiter aus dem Lager Andritz umgingen Graz und wurden über Oberschöckel und St. Radegund nach Frohnleiten geführt. Hinter Bruck a.d. Mur sind ein Transport mit 6000, ein weiterer mit 2000 und ein kleinerer mit einer nicht näher angegebenen Zahl von TeilnehmerInnen dokumentiert. 
Am Nachmittag des 7. April erreichte der 6000 Personen umfassende Transport die Passhöhe des Präbichl. Unmittelbar nach der Übergabe an den Eisenerzer Volkssturm begannen die Wachmannschaften wahllos in die Reihen der Marschierenden zu schießen. Als es dem Transportleiter, einem SS-Mann, nach drei Viertelstunden endlich gelang, die Schießerei einzustellen, waren mehr als 200 Jüdinnen und Juden ermordet worden. Die Angehörigen der Eisenerzer „Alarmkompanie“, die das Massaker verübt hatten, bewachten den Transport jedoch noch bis Lainbach und mordeten weiter. Ebenso wurden bei später eintreffenden Transporten die Kranken in Eisenerz erschossen, zuletzt am 21. April 1945. 
Doch auch die Wachmannschaften, welche die Transporte vom Eisenerzer Volkssturm übernahmen und nach St. Gallen führten, erschossen und quälten die Häftlinge. Auf der gesamten Strecke hinderten sie die Zivilbevölkerung daran, den Hungernden Essen und sogar Wasser zu geben. Bei Altenmarkt erreichten die Transporte den Gau Oberdonau und marschierten durch das Ennstal. 
Andere Transporte unterschiedlicher Größe verließen Graz nach dem 4. April. Ein Transport mit etwa 500 ungarischen Juden soll Graz erst am 26. oder 28. April 1945 in Richtung Leoben verlassen haben. 
Von Graz über die Stubalpe – Ein Transport mit etwa 1000–1200 Personen marschierte von Graz in Richtung Stubalpe und erreichte am 9. April Salla. Am selben Tag übernahm beim Gaberl (Stubalpe) eine Fohnsdorfer Volkssturmeinheit den Transport, um ihn nach Liezen zu geleiten. Bei der Übernahme des Transports wies der Volkssturmkommandant seine Männer an, Schwache möglichst bald zu erschießen, um das Marschtempo auf dieser gebirgigen Strecke zu erhöhen. In der Folge kam es zu zahlreichen Morden an und Misshandlungen von Erschöpften. Wie schon am Präbichl war auch hier die Gruppe der eigentlichen Täter klein. 
Der Transport erreichte am 13. April Liezen und überschritt am nächsten Tag die Grenze zum Gau Oberdonau. 

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