Der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15.1.1919 in Berlin

Januar 17, 2009

Der Doppelmord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am Abend des 15. Januar 1919 in Berlin zählt zu den folgenreichsten Ereignissen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Die Verantwortlichen für das Verbrechen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Noch im April 1962 konnte der eigentliche Drahtzieher, Hauptmann Waldemar Pabst, sich in einem SpiegelInterview damit brüsten, dass er die beiden Kommunistenführer habe »richten lassen«.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem in der Novemberrevolution von 1918 erfolgten Sturz der deutschen Monarchie war er im Januar 1919 als Erster Generalstabsoffizier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, einem Freikorps, bei der Niederschlagung des Spartakusaufstands beteiligt. Im Rahmen dieser Kämpfe wurden am 15. Januar Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die Anführer des Spartakusbundes und Gründungsinitiatoren der KPD, gefangengenommen und ihm übergeben. Im Hotel Eden verhörte er beide persönlich und ließ sie daraufhin ohne Gerichtsurteilerschießen, oder wie er es nannte „richten“ (so Pabst in Der Spiegel vom 18. April 1962). Ob ein konkreter Befehl eines Weisungsbefugten für die Hinrichtung Luxemburgs und Liebknechts vorlag, ist unklar. Jedoch war am 12. Januar 1919 der Leiter der Antibolschewistischen Liga Eduard Stadtler bei ihm und er soll laut Stadtler von seiner Unterredung mit Noske wenige Tage zuvor gewusst haben. Stadtler überzeugt ihn von der „Notwendigkeit“ der Ermordung der Führer der Sozialisten Karl Radek, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Die beiden letzteren wurden laut Stadtler am 15. Januar 1919 von den „Mannen Major Pabsts“ „beseitigt“.

Nach dem Tod von Waldemar Pabst wurde in seinen Memoiren folgender Eintrag gefunden:

„Dass ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.“

Hier erklärt Pabst ganz offen, dass er sowohl die Zustimmung des Reichswehrministers Noskes als auch die des Reichspräsidenten Ebert (beide SPD) zu den Morden gehabt habe, welcher während eines Telefongespräches zwischen Pabst und Noske gemeinsam mit Noske in einem Raum gesessen haben soll. Auch schon im Spiegel-Interview von 1962 erklärte er, dass sowohl Noske als auch der Generalleutnant von Hofmann ihm bei seinen Taten zustimmten („Er hat mir gedankt“, so Pabst über Hofmann). Inwieweit diese Behauptungen Pabsts der Wahrheit entsprechen oder nur seiner eigenen Entlastung dienen sollten, ist bis heute umstritten. Als Folge der Morde gab es auf Wunsch von Noske einen Schauprozess, allerdings musste keiner der Verurteilten eine Strafe antreten. Oberleutnant Vogel, der den Mord an Rosa Luxemburg auf sich nahm, konnte dank der Hilfe Noskes aus Deutschland fliehen, und der Jäger Runge (den man schnell noch zum Husaren umdeklariert hatte) musste seine zweijährige Haftstrafe nicht antreten. Der Todesschütze Rosa Luxemburgs, der ehemalige Leutnant zur See Hermann Wilhelm Souchon, wurde erfolgreich gedeckt, wurde nur als Zeuge geladen und floh dann nach Finnland. Der eigentlich Verantwortliche für die Geschehnisse im Hotel Eden, Pabst, wurde nicht einmal angeklagt.

Klaus Gietinger: Der Konterrevolutionär, Waldemar Pabst – eine deutsche Karriere; Edition Nautilus, 2009

Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung Rosa Luxemburgs; Edition Nautilus, 2009

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