Odilo Globocnik

Februar 1, 2009

Odilo Lotario Globocnik wurde am 21.4.1904 in Triest geboren und nahm sich am 31.5.1945 in Paternion das Leben. Er war ein österreichischer Nationalsozialist, SS-Obergruppenführer und Generalleutnant der Polizei. Er war maßgeblich am Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich beteiligt, Gauleiter in Wien und Leiter der Aktion Reinhardt zur Vernichtung der Juden im Generalgouvernement. In seinen Verantwortungsbereich fielen weiterhin die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka, die Ausbeutung jüdischer Arbeitskräfte (in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Ostindustrie GmbH) sowie die Operationszone Adriatisches Küstenland.

„Aktion Reinhardt“ 

Odilo Globocnik erhielt von Heinrich Himmler den Befehl zur Ermordung der Juden im Generalgouvernement und wurde der Leiter der „Aktion Reinhardt“. Sein Adjutant wurde Ernst Lerch. Globocnik überwachte den Aufbau des Konzentrationslagers Majdanek, später organisierte er die Vernichtungslager Belzec, Sobibor, und Treblinka. Zu seinem „Judenreferenten“ ernannte er Hermann Höfle. Auch Christian Wirth, der bereits bei der Vernichtungsaktion behinderter Menschen (Aktion T4) Erfahrung in der Tötung mit Gas hatte, wurde von ihm als „Inspekteur der SS-Sonderkommandos Aktion Reinhard“ herangezogen, um die fabrikmäßige Tötung der Menschen durch größere Gaskammern zu optimieren. In Zusammenarbeit mit Adolf Eichmann ließ er innerhalb von eineinhalb Jahren mit größter Brutalität mindestens 2.000.000 Menschen berauben und fabrikmäßig ermorden. Den Gesamtgewinn der Aktion Reinhardt gab Globocnik mit mehr als 178 Millionen Reichsmark an. In dieser Summe noch nicht enthalten sind der Wert der Immobilien und jene Gelder und Schmuckgegenstände, die von den an der Aktion beteiligten Personen gestohlen wurden. Teilweise wurden Wertsachen, Kleidung, Haare der Opfer etc. von den Lagern via Lublin nach Deutschland geschickt.

„Operationszone Adriatisches Küstenland“ 

Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im September 1943 wurde Odilo Globocnik am 13. September 1943 zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) in der „Operationszone Adriatisches Küstenland“ mit Sitz in Triest ernannt. In dieser Funktion unterstand ihm auch die Sonderabteilung Einsatz R. Hier traf er auch seinen alten FreundFriedrich Rainer wieder, der Oberster Kommissar dieses Gebiets geworden war. Aus Lublin brachte Globocnik seine Gefolgsleute, unter anderem Christian Wirth, und reichlich Beute mit. Trotzdem gefiel ihm sein neues Arbeitsgebiet nicht so recht, weil er mehr politische Rücksicht nehmen musste als in Polen und weil er sich nicht mehr so entfalten konnte, wie er es sich vorstellte. Doch versuchte Globocnik auch hier, möglichst unabhängig von anderen Dienststellen der SS und der Wehrmacht zu agieren. Auch hier verfolgte er Juden, die im Durchgangslager Risiera di San Sabba bei Triest vor ihrer Deportation nach Auschwitz inhaftiert wurden. Hier lagerten auch die geraubten Wertgegenstände. Das Lager diente jedoch vor allem als Gefängnis und Hinrichtungsstätte für Angehörige der Widerstandsbewegung in Istrien. Auch hier wurde er mit einem Großprojekt betraut: Am 26. Juli 1944 befahl Hitler den „Ausbau eines rückwärtigen Stellungssystems in Norditalien“. Den Ausbau sollte Rainer als Oberster Kommissar leiten. Dieser ernannte Globocnik zu seinem „allgemeinen Vertreter für die gesamte Organisation des Stellungsbaus“. Globocnik wurde von Rainer für das Deutsche Kreuz in Silber vorgeschlagen, weil er täglich „120.000 Arbeitskräfte“ mobilisiert habe. Während der letzten Monate des Krieges residierte Globocnik nicht mehr im für ihn mittlerweile gefährlichen Triest, sondern in Cividale del Friuli. Von hier aus trat er auch den Rückzug über den Plöckenpass an. Am 4. Mai 1945 hielt Globocnik in Kötschach-Mauthen eine Durchhalterede zum „Endsieg“, in der er an die Ereignisse des Jahres 1915 anknüpfte: „Es sei kein Grund zur Besorgnis vorhanden“, es seien „genügend Truppen im Anmarsch“, um die „Briten aufzuhalten, wie es ja auch im Jahre 1915 gegen die Italiener gelungen sei“. Danach verließ er das Gailtal in Richtung Klagenfurt. Von dort flüchtete er auf die Möslacher Alm im Gebiet des Weißensees, wo er auf Friedrich Rainer, Ernst Lerch, Georg Michalsen und Hermann Höfle traf. Die Gruppe hätte nach Italien gebracht werden sollen. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen. Am Morgen des 31. Mai 1945 wurde die Gruppe Rainer/Globocnik von einem britischen Kommando festgenommen und nach Paternion gebracht. Dort vergiftete sich Odilo Globocnik gegen 11 Uhr 30 nach dem ersten Verhör mit Zyankali.

Paternion, 1945

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