Elly Ney, Hitlers Pianistin

Februar 7, 2009

Elly Ney wird am 27.9. 1882 in Düsseldorf geboren und verstirbt am  31.3.1968 in Tutzing: Sie ist eine deutsche Pianistin, die als Interpretin der Werke Ludwig van Beethovens Bedeutung erlangt hat. Während der NS-Zeit steht sie auf der “Gottbegnadeten-Liste” (Führerliste) der wichtigsten PianistInnen des NS-Staates.

Sie wird als Tochter des Feldwebels Jakobus Ney und der Musiklehrerin Anna Ney in Düsseldorf geboren. Da ihre Mutter nicht in einer Kaserne leben will, wechselt der Vater in eine Beamtenstelle nach Bonn. Ihre Kindheit und Jugend ist geprägt von einem militaristischen und musischen Elternhaus, ihre Erziehung von Fremdenfeindlichkeit. 1933 weigert sich Elly Ney für Rudolf Serkin in Hamburg einzuspringen, der nach seinem Berufsverbot in Deutschland in die Schweiz emigrieren muß, da sie es nicht ertragen könne, an Stelle eines Juden zu spielen. Am 20. April 1937 wird sie von Hitler zur Professorin ernannt, am 1. Mai 1937 wird sie Mitglied der NSDAP (Nr. 6.088.559). Für ihre Mitarbeit bei den Olympischen Spielen 1936 verleiht Hitler ihr 1937 eine Erinnerungsmedaille. Ney ist Mitglied weiterer nationalsozialistischer Organisationen, unter anderem Ehrenmitglied im Bund Deutscher Mädel (BDM), und hält Reden an die Jugend, in denen sie Beethoven und die „nordische Musik“ im Geist des Nationalsozialismus deutet. Im Zweiten Weltkrieg, in der Zeit des Generalgouvernements Polen gastiert sie 1941 auch in Krakau, wo zu dieser Zeit die „Philharmonie des Generalgouvernements“ eingerichtet ist. Ihren eigenwilligen konservativen Musikgeschmack beweist sie 1942 in Görlitz, wo sie die zweite Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana unter Protest verläßt, das Werk als „Kulturschande“ bezeichnet und ein lokales Aufführungsverbot erreicht. Ney spielt im Verlauf des Kriegs zunehmend Konzerte in Lazaretten und Krankenhäusern. 1943 bekommt sie das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse für Truppenbetreuung. 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs wird sie von Hitler in die Gottbegnadetenliste der unersetzlichen Künstler aufgenommen. Von 1939 bis 1945 lehrt sie zeitweise am Salzburger Mozarteum. Sie stirbt 1968 im 86. Lebensjahr in Tutzing und wird dort neben ihrem 1965 verstorbenen Ex-Ehemann und Lebenspartner Willem van Hoogstraten beerdigt. 

Die gebürtige Düsseldorferin lebt seit 1929 bis zu ihrem Tode und Aufenthalten in den USA in Tutzing in Oberbayern. Die Gemeinde hat ihr ein Ehrengrab eingerichtet, auf der Brahmspromenade am Seeufer steht eine Bronzebüste der Pianistin. Seit 1952 ist Ney Ehrenbürgerin von Tutzing. In diesem Ort verliert die CSU voriges Jahr bei Kommunalwahlen nach Jahren die absolute Mehrheit. Die Nachfolger lassen Porträts von Ney im Sinne eines Wandels im Rathaus rasch abhängen. Jetzt entbrennt ein Streit um das Erbe der Ehrenbürgerin – Hitlers Pianistin, der die Bürger spaltet. Elly Ney distanziert sich nach dem Krieg niemals eindeutig von der Naziideologie, ungeachtet ihrer tiefen Verstrickung in die Gräueltaten des Naziregimes gelingt ihr nach dem Krieg eine erstaunliche Alterskarriere. Sie konzertiert bis wenige Wochen vor ihrem Tod im März 1968. 

Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland folgert dazu: „Elly Ney war nicht nur Profiteurin des Nationalsozialismus, sie hat das braune Gedankengut auch aktiv vertreten. Ney sei eine Kulturpolitikerin der Nazis gewesen, die kein Geheimnis daraus machte, wie sehr sie darunter litt, im selben Umfeld mit jüdischen Musikern wie Serkin aufzutreten. Sie habe lieber für die Hitlerjugend, den Bund Deutscher Mädel, die SA und SS gespielt.“ Als Überlebende der Shoah empfindet es Charlotte Knobloch als Hohn, wenn eine überzeugte Nationalsozialistin wie Elly Ney weiterhin als Ehrenbürgerin von Tutzing gewürdigt wird.  

 

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