Niemandsland, ein Film von Victor Trivas, 1931

Mai 2, 2010

Niemandsland ist ein deutscher Antikriegsfilm mit effektvollen Bildern vom Kriegsausbruch 1914, der dasZusammentreffen versprengter Soldaten verschiedener Rassen und Nationalitäten zwischen den Fronten zum Anlass lehrhafter Dialoge überPazifismus und Völkerversöhnung nimmt. Als Zeitdokument und filmhistorisches Anschauungsmaterial ist dieser Film auch heute noch von Interesse.
In einer Ruine im Niemandsland an der Westfront treffen fünf Soldaten aufeinander: ein Deutscher (Ernst Busch), ein Engländer (Hugh Stephens Douglas), ein Franzose (Georges Péclet), ein Afrikaner (Louis Douglas) und gleichsam der „unbekannte Soldat“ (Wladimir Sokoloff), einer, der durch einen Schock seine Sprache verloren hat. Nur kurz kommen Aggressionen und Meinungsverschiedenheiten auf. Der Afrikaner, ein Artist, der in vielen Ländern gearbeitet hat, betätigt sich als Dolmetscher und die ehemaligen Feinde erkennen sehr bald den gemeinsamen Wunsch nach Frieden. Als die Ruine unter Beschuss genommen wird, weil beide Seiten ihr verdächtiges Leben beobachtet haben, arbeiten alle gemeinsam an primitiven Schutzvorrichtungen. Gemeinsam kriechen sie dann aus ihrem Erdloch und schlagen einen Drahtverhau zusammen. Der Drahtverhau wird hierzum Symbol des Kriegerischen, des Trennenden; die karge Handlung hat eigentlich nur Beweis-Charakter. Sie soll zeigen, wie schnell menschliches Verständnis entsteht, wenn man die gegenseitigen Erwartungen und Bedürfnisse versteht. Der Film will allerdings nicht nur an das Gefühl, sondern auch an die Einsicht appellieren. In einer sehr langen Einleitungsmontage sieht man die fünf Soldaten im Privatleben vor dem Krief. Hier werden Zeichen gesetzt, wenn der Franzose in einer Schiessbude auf Soldaten zielt oder der Deutsche seinem Kind eine Spielzeugkanone bastelt. Eine entlarvende Szene ist auch der Abschied des Deutschen. Bedrückt und mit gesenktem Kopf geht er mit Frau und Kind zur Kaserne. Dann ertönt von fern Marschmusik – die Köpfe heben sich, der Gang wird straffer, und schliesslich marschiert die ganze Familie im gleichen Schritt und Tritt. Niemandsland ist einer der wenigen pazifistischen Filme, die in der Weimarer Republik gedreht wurden; nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er sehr bald verboten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: