Roland Freisler, der „Blutrichter“ Hilters

Dezember 4, 2010

Roland Freisler wird am 30.10.1893 in Celle geboren und stirbt am 3.2.1945 in Berlin. Er war Jurist während der Zeit der Weimarer Republik und der Diktatur des Nationalsozialismus. Unter dem NS-Regime fand seine Karriere ihren Höhepunkt: Von August 1942 bis zu seinem Tod drei Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa war er Präsident des „Volksgerichtshofs“, des höchsten Gerichts des NS-Staates für politische Strafsachen.

Roland Freisler ist der  bekannteste und zugleich berüchtigtste Strafrichter im nationalsozialistischen Deutschland. Er ist als Richter verantwortlich für tausende Todesurteile in den von ihm geführten Verhandlungen der letzten drei Jahre des NS-Regimes – vielfach Schauprozesse, deren Urteile oft von vornherein feststanden. Beispielhaft dafür war nicht zuletzt der 1943 unter Freislers Vorsitz geführte Prozess gegen die Mitglieder der Widerstandsbewegung der Weißen Rose, in dem unter anderen die Geschwister Hans und Sophie Scholl zum Tode verurteilt wurden. Bedingt durch sein jähzorniges und den Angeklagten gegenüber demütigendes Auftreten gilt er als prägnantes Beispiel für die Rechtsbeugung durch die Justiz im Nationalsozialismus im Dienst des staatlich organisierten Terrors des Regimes. Am 20. August 1942 wird Freisler von Adolf Hitler als Nachfolger Otto Thieracks zum Präsidenten des Volksgerichtshofs ernannt. Der Volksgerichtshof wird 1934 zur Verhandlung von Hochverrats- und Landesverratssachen errichtet. Später wird die Zuständigkeit auf andere Staatsschutzdelikte erweitert. Unter Freisler steigt die Anzahl der Todesurteile stark an: Ungefähr 90 Prozent aller Verfahren enden mit einer oft bereits vor Prozessbeginn feststehenden Todesstrafe oder mit lebenslanger Haftstrafe. Zwischen 1942 und 1945 werden mehr als 5.000 Todesurteile gefällt, davon etwa 2.600 durch den von Freisler geführten Ersten Senat des Gerichts. Damit ist er allein in den drei Jahren seines Wirkens am Volksgerichtshof für ebensoviele Todesurteile verantwortlich wie alle anderen Senate des Gerichts zusammengenommen in der gesamten Zeit des Bestehens des Gerichts von 1934 bis 1945. Daher haftet ihm schon bald der Ruf eines „Blutrichters“ an. In den Verhandlungen erniedrigte er die Angeklagten, hörte ihnen kaum ruhig zu und unterbrach sie. Außerdem brüllte er sie lautstark an und hatte eine besonders unsachliche Prozessführung. Roland Freisler stirbt am 3. Februar 1945 während eines schweren US-amerikanischen Bombenangriffs auf Berlin. Er ist auf dem Weg zum Keller des Volksgerichtshofs und wird von einem herabstürzenden Balken erschlagen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: