Hirschkuh  Die ersten Fossilienfunde der Hirsche stammen aus dem frühen Oligozän aus Asien. Von hier verbreiteten sie sich im frühen Miozännach Europa und Nordamerika. Südamerika erreichten sie erst in erdgeschichtlich sehr junger Zeit, als sich vor 3 Millionen Jahren die Landverbindung des Isthmus von Panama schloss. Aus dem Pleistozän sind aus Europa einige Vertreter mit auffallend großem Geweih bekannt, darunter Eucladoceros und der „Riesenhirsch“ Megaloceros – der zwar von der Körpergröße einem großen Elch vergleichbar war, aber ein deutlich breiteres Geweih als alle heute lebenden Hirscharten hatte.

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5 Responses to “About”

  1. bibomedia Says:

    🙂

  2. johanna Says:

    ich habe diese wunderbare seite gerade entdeckt. Danke.

  3. legrach Says:

    Da ich mich in meinem Blog auch mit Literatur beschäftige, habe ich den Link zu diesem hinzugefügt. Gruß Senna!

  4. Axel Karner Says:

    lieber hirsch(en)!
    wer bist Du? es freut mich, dass Du zu meiner verbreitung beiträgst, vorher fragen ist aber anscheinend nicht mehr üblich.
    trotzdem, es gibt noch viele gedichte von mir!
    mlg
    axel karner


  5. Zum Frühstück ein Hirschgedicht.
    MbG
    HIDDEN MUSEUM

    Ferenc Juhász: ruf des in einen hirsch verwandelten jünglings
    aus dem tor der geheimnisse

    ihren liebsten sohn rief die mutter,
    schrie von weither,
    ihren liebsten sohn rief die mutter,
    schrie von weither,
    trat vor das haus, von dort rief sie,
    löste ihren haarknoten,
    daraus wob die feuersumpfige, blutstinkende dämmerung
    einen festen pendelnden schleier,
    eine kutte bis zu den knöcheln,
    einen schwer entflammbaren talar,
    eine schwarz gefranste fahne für den wind.
    sie verflocht ihre finger,
    ihr gesicht bedeckte der mondkalk.
    und so rief sie nach ihrem liebsten sohn
    wie einst, als der noch kind war,
    sie trat vors haus und spradi zum wind,
    sprach zu den vögeln,
    sprach zu den wildgänsen,
    rief das kältebebende schilf an,
    die im mond lungernde kartoffelblume,
    die angewurzelten stiere mit hodentrauben,
    den essigbaum, der den brunnen beschattete,
    rief die springenden fische,
    die weich rollenden ringe:
    schweigt, ihr vögel, zweige,
    schweigt, weil ich aufschreie,
    schweigt, ihr fische, blumen,
    schweigt, weil ich sprechen will,
    schweigt, ihr schlagenden flossen,
    erddrüsen und himmelsschirme,
    sei leiser, du feuchtes rauschen,
    du aus der tiefe sickernder lärm,
    ihr jungfraun mit metallener scham, wattebrüstige herde,
    schweigt, weil ich aufschreie,
    aufschreie zu meinem sohn.

    ihren liebsten sohn rief die mutter.
    hochstieg ihr schrei
    die spirale des weltraums,
    flog, blinkte im licht
    wie der schuppenrücken des fischs,
    der aufstand der metalle, salz auf den pfaden.
    ihren liebsten sohn rief die mutter:
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    ich rufe dich, deine milde bucht,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    ich rufe dich, deine frische quelle,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    ich rufe dich, deine haut, die nicht vergißt,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    ich rufe dich, deine halb erblindete lampe.
    komm zurück, mein liebster sohn, zu mir, die aneckt überall,
    sieh die schrammen unter meinen augen, die beulen an meiner stirn,
    verfärbt ist die haut meiner schenkel und meiner beine,
    die dinge, wütende widder, spießen mich auf,
    mit ihren hörnern verwunden mich pfahl, stuhl und zaun,
    mich bleuen die türen wie besoffene kerle,
    die lampe ist schadhaft und versetzt mir schläge,
    aus meiner haut tritt blut wie aus den schnäbeln getroffener Vögel,
    die schere schwimmt mir davon,
    die zündhölzer haben spatzenfüße, der eimer verweigert mir seinen griff,
    komm zurück, mein liebster Sohn, o komm zurück,
    unsicherer als der gang der hirschkuh sind meine schritte,
    an meinen waden wuchern ödemranken,
    knotige lila vegetation befällt meine schenkel,
    aus meinen zehen wachsen knorpelgebäude,
    die finger sind steif geworden, ihr fleisch wie muscheln,
    schnecken, schuppen, schiefer, altes mineral,
    meine äste sind krank und wollen abschied nehmen,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    denn ich bin nur entrückt,
    noch immer ist die vision in mir
    sie funkelt von den frostbeschlagenen gliedern
    wie von den am zaun trocknenden gefrorenen hemden
    am wintermorgen der hahnenschrei,
    ich, deine liebste mutter, rufe dich,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    gib den dingen eine neue bestimmung,
    lehr die gegenstände disziplin, zähme das messer,
    der ungehorsame kamm soll endlich sich zeigen,
    ich bin nur noch ein doppeltes, grünes punkt-auge,
    durchschaubar und wässrig, wie’s die libelle hat,
    der, mein sohn, du kennst das,
    zwischen nacken und kiefer
    zwei kugellinsen die schädelhöhle ausfüllen,
    ich bin mehr nicht als zwei riesenaugen
    und schaue dinge, die sind nicht von dieser welt.
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    richte das haus ein mit deinem atem.

    dies hörte der sohn,
    riß seinen kopf empor,
    witterte mit geöffneten nüstern,
    bebenden flanken,
    lauschte mit ohren
    und körper der klagenden stimme,
    als wär’s der rotzige schritt des jägers
    oder der torkelnde rauch des moosfeuers,
    wenn im gewebe der flammen
    jammert der wald, winselt blau.
    ………..
    und der sohn rief zurück,
    streckte den losheulenden hals,
    der sohn rief zurück,
    brüllte mit hirschstimme:
    mutter, meine liebste mutter,
    ich kann nicht zurückkommen,
    mutter, meine liebste mutter,
    locke mich nicht,
    ich kann nicht zurückkommen.
    ging ich zurück,
    es wäre dein tod.

    mit hirschstimme redet der sohn,
    und die mutter antwortet ihm:
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    ich, deine mutter, rufe dich.
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    ich werd saure suppe kochen, du kannst zwiebeln hineinschneiden,
    dann knirscht sie wie kiesel unterm biß der riesen,
    ich geb warme milch aus reinem glas,
    in meinem mit lurchen schreckenden,
    mit kröten zwinkernden keller werd ich
    wein in hohe flaschen gießen für dich,
    mit meinen fäusten knet ich den teig, ich kann, ich kann
    auch schaumige bauchige wecken backen, einen kuchen zum festtag,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    vom ranzen kreischender gänse hab ich federn für dein bett gezupft,
    ich rupfte sie weinend den weinenden tieren aus, das federnest
    schmolz auf ihren brüsten weiß wie der mund der sterbenden,
    im sonnenlicht wusch ich, schüttelte den strohsack auf,
    gekehrter hof, gedeckter tisch, sie erwarten deine schritte.

    weh meine mutter, meine liebste mutter,
    ich kann nicht dorthin zurück,
    gib mir keinen geflochtenen kuchen,
    keine süße ziegenmilch im glas,
    mach nicht das bett weich,
    verwüste nicht mit deinen fingern die brust der gänse,
    schütt den wein aus, gieß ihn aufs grab deines vaters,
    zwiebeln steck in die kränze,
    schaumigen fladen backe den kindern.
    in meinem mund säuerte die milch zu essig,
    der kuchen würde sich in eine schildkröte verwandeln,
    dein wein in meinem glas in blut,
    jede feder deiner betten in blaue flammen,
    dein trinkbecher in eine schwertlilie.
    weh meine mutter, weh meine mutter, gute mutter,
    unter deinem daah ist kein bleiben für mich,
    ich wohne im wald, hier ist mein ort,
    mein gespreiztes geweih paßt nicht in dein haus,
    mein friedhofsgeweih nicht in deinen hof,
    mein belaubtes geweih ist ein donnernder baum,
    sterne seine blätter, die spiralnebel sein moos,
    nur duftende gräser schmecken mir noch,
    nur ersthaariger rasen behagt meinem speichel,
    ich kann nicht mehr aus geblumtem glas trinken,
    sondern nur noch aus klarer quelle.

    ich versteh sie nicht, versteh nicht deine merkwürdige rede, mein sohn,
    mit hirschstimme sprichst du, die hirschseele zog in dich ein, unglücklicher.
    wenn die taube klagt, die taube klagt, ein vogel pfeift, ein vogel pfeift, mein sohn,
    warum bin ich, warum bin ich dann ohne glück und allein?
    erinnerst du dich, erinnerst du dich an deine mutter, mein sohn?
    ich versteh sie nicht, versteh nicht deine gequälte rede, unglücklicher.
    denk zurück, wie du gerannt bist, fröhlich den weg von der schule nach hause,
    einen wasserfrosch hast du seziert und seine schwimmhaut an das staket genagelt,
    du hast aeronautische bücher gelesen, mir beim waschen geholfen,
    hast irene b. geliebt, j. v. und s. h., der knabenkrautbärtige maler, sie waren deine freunde,
    denk zurück, samstag abend, wenn vater nüchtern war, wie laut du dann lachtest.

    weh meine mutter, liebste mutter, erwähne nicht meine junge geliebte, meine freunde
    gleiten an mir vorbei, kalt wie der fisch: der feldmohnhalsige maler,
    wer weiß, wo er ist, meine liebste mutter, wer weiß, wo jene tage geblieben sind?
    mutter, meine liebste mutter, erwähne nicht meinen vater, aus seinem fleisch ist kummer,
    kummer erblüht, erwähne nicht meinen vater,
    sonst steht er auf aus dem grab, sammelt ein seine knochen,
    bricht hervor aus der grube und seine nägel, seine haare beginnen wieder zu wachsen.
    weh, weh, onkel wilhelm war da, der sargmacher, ein puppenköpfiger mann,
    er befahl mir, deine beine zu heben, denn wir wollten dich betten zwischen die vier bretter,
    vor angst erbrach ich mich, war gerade aus pest heimgekehrt,
    auch du bist mit dem zug nach pest gefahren, bürodiener, die schienen rollten dich zusammen,
    weh, ich wollte mich mit dem messer zerfetzen, die kerzenflamme beschrieb dein leeres gesicht,
    laci hat es rasiert, der neue schwager, barbier, die kerze flennte,
    ihr innres hatte sich auswärts gedreht mit glänzenden dochten, flechten, durchschimmernden nerven,
    und die vom gesangverein standen herum in lila mützen und beweinten dich laut,
    ich faßte nach deiner stirn, dein haar war so lebendig,
    daß ich es wachsen hörte, ich erkannte, wie an deinem kinn die borsten sprossen,
    am morgen war dein kinn schwarz, am nächsten tag war dein hals wie ochsenzungenstengel,
    wie haarige zuckermelonenscheiben, blaukrautige häutige gelbe raupe, so sah deine kehle aus.
    weh, weh, ich hatte befürchtet, dein haar, dein bart würden stube, hof und die ganze welt bewachsen, sein bart, worin die sterne wie insekten staken.
    weh, weh, es hat grünen regen gegeben, die roten pferde des leichenwagens haben erschrocken gegrinst,
    eines schlug aus gegen deinen kopf, das andere, blöde, ließ wasser und glitt aus,
    ihre lila scham war wie die zunge der erhängten, der kutscher fluchte,
    das wasser wusch die stimme der blechmusik, die kumpane bliesen, die kumpane bliesen bei der disteligen, honigwarmen rnauer, die kumpane bliesen mit geschwollenen, schwarzen lippen, der rauchende silberkorb flog,
    die kumpane bliesen mit aufgesprungenen, blutenden lippen, ihre augen, die qualmten von blut,
    sie bliesen die kartenpartien, die spritzer, die aufgedunsenen frauen,
    sie bliesen die verrufenen planeten des trinkgelds dir nach,
    schluchzend bliesen die kumpane die alte hoffnungslosigkeit aus,
    die trat hervor aus den blinkenden, steifen musikinstrumenten in den nach leiche riechenden raum.
    es traten hervor versteinerte geliebte, faulende weiber, soldatengroßväter,
    niedrige häuser, wiegen, emailbauchige silberzwieblige taschenuhren,
    osterglocken, vielfache erlöser mit geöffneten schwingen.
    es traten hervor aktenmappen, zugräder, salutierende mit gelben metallknöpfen gespickte infanteristen,
    die kumpane bliesen mit rosaroten zähnen, ihre münder waren schwarz wie geschwollene leber,
    und du hast dirigiert, gut so junge, wie schön, weh, hört nicht auf,
    deine zwei hände übereinander sind zwei goldspinnen, die
    gelenkigen speichen ihrer großen füße stehen auf deinem herzen,
    deine schuhe warten im schrank auf verwandte, weiße strümpfe kleiden deine krustigen waden,
    die kumpane bliesen im prasselnden regen, die tasten glucksten, gurgelknöpfe aus erz.
    wie urvögelkrallen, wie charcharodonzähne glänzten die messingtrompeten.
    weh meine mutter, liebste mutter, erwähne nicht meinen vater,
    laß ihn in ruhe, denn seine augen schlüpfen wie sprößlinge aus der erde.
    ihren liebsten sohn rief die mutter,
    schrie von weither,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück,
    verlaß die steinwelt.
    der hirsch im steinwald, die rauchnebel, das stromnetz, die chemischen lichter,
    die eisenbrücken und trambahnen, sie trinken dein blut,
    täglich schlagen sie dir hundert wunden, du schlägst nie zurück,
    ich rufe dich, deine liebste mutter,
    komm zurück, mein liebster sohn, o komm zurück.

    dort stand er am berggrat der zeit,
    dort stand er auf der turmspitze des alls,
    dort stand er im tor der geheimnisse,
    seine geweihspitzen im sternenhaufen,
    und mit hirschstimme antwortete er,
    rief zurück zu seiner mutter:
    meine mutter, liebste mutter, ich kann nicht zurück,
    meine hundert wunden kochen über von purem gold,
    täglich sink ich nieder, von hundert kugeln getroffen,
    täglich erheb ich mich, hundertmal stärker,
    täglich sterbe ich dreimilliardenmal,
    täglich werd ich geboren, dreimilliardenmal,
    jede meiner geweihspitzen ist ein zweibeiniger eisenmast,
    jeder meiner geweihzweige ist eine hochspannungsleitung,
    meine augen sind häfen für große handelsschiffe, meine adern dunkle kabel,
    meine zähne eisenbrücken, in meinem herzen schäumen die meere,
    meine wirbel sind geschäftige metropolen, meine milz ist eine rauchende steinbarke,
    meine gewebezellen sind fabriken, mein rückenmark die milchstraße,
    jeder punkt des raums ist ein teil meines leibs,
    die dolde der galaxis eine ahnung meines gehirns.

    o mein verlorener sohn, komm doch zurück,
    deine mutter wird wachen für dich.

    nur zu sterben geh ich, zu sterben geh ich dorthin zurück,
    zu sterben geh ich,
    zu sterben geh ich, liebste mutter:
    du kannst mich aufbahren in jenem haus
    und meinen körper waschen
    und mir die lider schließen in liebe.
    wenn mein fleisch verwest,
    mein leib in gestank und zu torf zergeht,
    dann bin ich aufs neue dein eignes geschöpf,
    aufs neue dein sohn,
    denn nur dich schmerzt das, liebste mutter,
    weh, nur dich schmerzt es, mutter.


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