Peter Kreisky (1944-2010)

Januar 2, 2011

Peter Kreisky wird am 8.5.1944 in Stockholm geboren und verstirbt am 27.12.2010 auf Mallorca. Er ist ein engagierter österreichischer Sozialwissenschaftler. Er ist der Sohn von Bruno und Eva Kreisky.

Peter Kreisky engagierte sich früh selbst in der sozialdemokratischen Bewegung, bereits 1959 trat er dem Verband Sozialistischer Mittelschüler bei. Bei einer Tagung der IUSY 1962 stimmte Kreisky als einziger österreichischer Vertreter entgegen der Parteilinie gegen den von den SPD-Jugendorganisationen beantragten Ausschluss des SDS, was ihm eine Rüge des damaligen SJÖ-Obmanns Heinz Nittel eintrug. Peter Kreisky engagierte sich bei den sozialistischen Studenten des VSStÖ, wo er zum linken Flügel zählte. Im Jahr 1965 wurde er zum Obmann des VSStÖ Wien gewählt. In den Jahren 1970-1980 war er auch bei zahlreichen Basis- und Bürgerinitiativen aktiv und organisierte Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf und gegen Kurt Waldheim. Bruno Kreisky will Eva und Peter Kreisky auf Grund der Kontroverse um das Kernkraftwerk Zwentendorf aus der SPÖ ausschließen lassen, gibt dieses Vorhaben aber nach Interventionen anderer Politiker auf. Der an der Universität Wien promovierte Jurist arbeitet seit 1973 in der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer Wien unter Eduard März, Ferdinand Lacina und Günther Chaloupek und ist in dieser Position hauptsächlich mit regionalpolitischen Fragen befasst. Er nimmt dabei allerdings weiterhin auch kritisch und persönlich zu aktuellen Themen Stellung und gerät dabei immer wieder in ein gewisses Spannungsverhältnis zu seinem Vater. Anfang 1980 soll Peter Kreisky nach dem Erfolg der Bürgerinitiative gegen die Verbauung der Steinhof-Gründe zusammen mit einer Reihe anderer Kritiker der Wiener Kommunalpolitik aus der SPÖ ausgeschlossen werden. Aufgrund des Widerstands führender Funktionäre wie Erwin Lanc und Edgar Schranz letztlich wird dies jedoch wiederum unterlassen. Der mit der Politologin Eva Kreisky verheiratete Sozialwissenschafter greift gerne auf das ihm wohl vertraute Beispiel des schwedischen Wohlfahrtsstaates zurück. Er gehört zu den bekanntesten Akteuren der österreichischen 68er-Bewegung. Seine politische Hoffnung ist es stets, dass letztlich Sozialdemokraten, Grüne und Christlichsoziale in einer breiten Bewegung für gesellschaftliche Reformen zueinander finden können. Peter Kreisky ist von 2005-2010 Mitglied der unabhängigen, internationalen Jury zur Vergabe des Bruno Kreisky-Preises für Menschenrechte, er ist Beirat im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, sowie Vorstandsmitglied im Republikanischen Club – neues Österreich und Vizepräsident der Gesellschaft Österreich-Vietnam. Peter Kreisky stirbt am 27.12.2010 bei einer Wanderung im Tramuntana-Gebirge auf Mallorca an einem Herzinfarkt.

http://www.kreisky.org/human.rights/index.htm

http://www.kreisky-forum.org/

http://www.repclub.at/

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Christoph Schlingensief geboren am 24.10.1960 in Oberhausen, gestorben am 21.8.2010 in Berlin war ein deutscher Regisseur und vieles mehr.

Christoph Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 als Sohn eines Apothekers und einer Kinderkrankenschwester in Oberhausen geboren. Geprägt wurde er unter anderem von seinem Einsatz in derKatholischen Jugend und als Ministrant. Schon früh veranstaltete er im Keller seiner Eltern „Kulturabende“. Damals traten dort noch junge Künstler wie Helge Schneider oder Theo Jörgensmann auf. Bereits mit zwölf Jahren begann Christoph Schlingensief mit Schmalfilmen zu experimentieren. Nach dem Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium Oberhausen studierte er ab 1981 in München Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. In dieser Zeit versuchte er sich als Musiker (Vier Kaiserlein, unter anderem mit Tobias Gruben) und begann dann seine Karriere als Filmregisseur. Als Assistent von Werner Nekes produzierte er seine ersten Kurzfilme. Sein erster Spielfilm war Tunguska – Die Kisten sind da im Jahr 1983. Von 1983 bis 1986 hatte Schlingensief Lehraufträge an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und an der Kunstakademie Düsseldorf. 1986 bis 1987 war er dann der erste Aufnahmeleiter der Fernsehserie Lindenstraße, 1988 produzierte er das Fernsehspiel Schafe in Wales für das ZDF. Es folgten provozierende Spielfilme, zum Beispiel seine Deutschlandtrilogie (100 Jahre Adolf Hitler – Die letzte Stunde im Führerbunker (1989), Das deutsche Kettensägenmassaker (1990) und Terror 2000 (1992)), mit der er erstmals größere Bekanntheit als Regisseur erlangte. Seine Karriere als Theaterregisseur begann Schlingensief 1993 mit dem Stück 100 Jahre CDU – Spiel ohne Grenzen an der Volksbühne Berlin. Zwischen 1993 und 2006 verwirklichte er zahlreiche Projekte innerhalb und außerhalb des Theaters. Bei dem für die Berliner Volksbühne inszenierten Stück Rocky Dutschke, 68 arbeitete Schlingensief erstmals mit Menschen mit einer geistigen Behinderung, gelernten Schauspielern und Laien gemeinsam. Seit 2004 folgten Operninszenierungen in Bayreuth und Manaus. Durch die Aufmerksamkeit, die seine Projekte an der Volksbühne Berlin erfuhren, wurde er zu Produktionen an den großen Schauspielhäusern in Hamburg, Zürich und Wien eingeladen. 1997 wurde er bei seiner Kunstaktion Mein Filz, mein Fett, mein Hase auf der documenta X in Kassel von der Polizei festgenommen, da er ein Schild mit der Aufschrift „Tötet Helmut Kohl“ verwendete. Im 1998er Schattenkabinett von APPD-„Kanzlerkandidat“ Karl Nagel war Schlingensief als Bundesminister für „Rückverdummung“ vorgesehen. Er gründete aber im selben Jahr die Partei Chance 2000 und zog mit ihr in den Bundestagswahlkampf. Ende 1997 wurden im Programmfenster Kanal 4 acht Folgen der Talkshow Talk 2000 ausgestrahlt, in der Schlingensief jeweils ein bis zwei Gäste (unter anderem Hildegard Knef, Beate Uhse, Harald Schmidt,Ingrid Steeger und Gotthilf Fischer) interviewte.

Im Februar 2009 war er Jurymitglied der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale). Im April 2009 wurde er vom niedersächsischen Kulturminister Lutz Stratmann auf die Professur für Kunst in Aktion an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig für die nächsten fünf Jahre berufen. Gleichzeitig stellte Schlingensief das Projekt Geschockte Patienten – Wege zur Autonomie vor, das das Ziel verfolgt, ein Netzwerk von Erkrankten aufzubauen, welches Erkrankte dabei unterstützen soll, in der ersten Zeit nach ihrer Diagnose ihre Autonomie zu bewahren und sie zu bestärken, sich nicht aufgrund ihrer Krankheit aufzugeben. Am 1. August 2009 heiratete Schlingensief seine langjährige Lebensgefährtin, die Kostümbildnerin Aino Laberenz. Schlingensief starb am 21. August 2010 an den Folgen seiner Lungenkrebserkrankung.

Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! Tagebuch einer Krebserkrankung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009

http://www.bilandia.de/multimedia/kiwi/Schlingensief-Christoph%20-9783462041118-Leseprobe.html

http://www.zeit.de/kultur/2010-08/schlingensief-tot

Werner Schroeter

April 17, 2010

gg

Werner Schroeter wird am 7.4.1945 in Georgenthal geboren und verstirbt am 12.4.2010 in Kassel. Er war ein deutscher Film-, Opern- und Theater-Regisseur.

Werner Schroeter wird 1945 als Sohn eines Ingenieurs geboren und wächst in Bielefeld und Heidelberg auf. Im Alter von fünf Jahren äußert er bereits den Wunsch, Filmregisseur zu werden. Ein einschneidendes Erlebnis ist für ihn im Alter von dreizehn Jahren die Radioübertragung einer Opernarie von Maria Callas, die ihn zum ersten Mal mit dem Thema Oper in Berührung bringt. Die Callas wird für ihn zum einzigen Idol seines Lebens, er bezeichnet sie in Interviews als Botin zwischen Gott und den Menschen. Nach dem Abitur in Heidelberg studiert er drei Semester lang Psychologie in Mannheim und arbeitet nebenher als Journalist. Ende der 1960er Jahre bringt sich Schroeter das Filmemachen mit ersten experimentellen Arbeiten auf 8-mm- und 16-mm-Film selbst bei. Einige seiner ersten Kurzfilme widmen sich Maria Callas. Ein begonnenes Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München bricht er bereits nach wenigen Wochen ab. Ersten Erfolg bringt ihm der über zweistündige Experimentalfilm Eika Katappa ein, der von der Internationalen Filmwoche Mannheim 1969 mit dem Josef von Sternberg-Preis ausgezeichnet wird.

Seit 1972 erarbeitet Schroeter regelmäßig Theater- und Operninszenierungen in Städten wie Berlin, Bochum, Hamburg, Düsseldorf und Bonn, aber auch an ausländischen Theatern in Paris, Brasilien und Italien. Schroeter gilt neben Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Alexander Kluge, Werner Herzog und Volker Schlöndorff als einer der wichtigen Filmregisseure der deutschen Nachkriegszeit. Mit Palermo oder Wolfsburg gewinnt er den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele 1980. Er betätigt sich zudem als Produzent, Drehbuchautor, Kameramann und Schauspieler bei zahlreichen Filmen. Partner in seinem Filmschaffen sind unter anderem Magdalena Montezuma, Isabelle Huppert, Produzent Paulo Branco, Kamerafrau Elfi Mikesch, Cutterin Juliane Lorenz und Standfotografin Digne Meller-Marcovicz. Schroeter, der offen zu seiner Homosexualität steht, ist eine Zeit lang mit Rosa von Praunheim liiert.

Im Jahr 1972 ist Werner Schroeter mit dem Film Der Tod der Maria Malibran Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel in der Abteilung Filmschau: Anderes Kino. 2008 erhält Schroeter für Nuit de chien eine Einladung in den Wettbewerb der 65. Filmfestspiele von Venedig. Das Drama ist eine Umsetzung von Juan Carlos Onettis Roman Para esta noche mit unter anderem Pascal Greggory Amira Casar, Elsa Zylberstein und Nathalie Delon in den Hauptrollen. Schroeter wird mit dem Sonderpreis der Jury der Filmfestspiele von Venedig 2008 für sein „innovatives, kompromissloses und oft provokantes“ Werk ausgezeichnet.

Schroeter wird bei der Berlinale 2010 mit dem schwul-lesbischen Teddy Award geehrt, weil er als ein radikaler Experimentierer und großer Außenseiter des Neuen Deutschen Films gelten kann. Mitte März desselben Jahres wird ihm der Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis zuteil.

Werner Schroeter stirbt im Alter von 65 Jahren in einer Kasseler Klinik an den Folgen seiner Krebserkrankung.

http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/sch_bio_regiss/schroeter_werner_bio.htm

Bruno Gironcoli

Februar 21, 2010

Bruno Gironcoli wird am 27.9.1936 in Villach geboren und verstirbt am 19.2.2010 in Wien. Er gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der Gegenwart.

Gironcoli beginnt 1951 eine Goldschmiedelehre in Innsbruck, die er 1956 mit der Gesellenprüfung abschließt. Zwischen 1957 und 1962 studiert er an der Hochschule für Angewandte Kunst Wien. 1977 wird Gironcoli als Leiter der Bildhauerschule an die Akademie der bildenden Künste Wien berufen, wo er Fritz Wotruba nachfolgt. Er erhält 1993 den Großen Österreichischen Staatspreis und ist der offizielle Vertreter Österreichs bei der Biennale 2003 in Venedig. Die größte Gesamtschau seiner Werke ist seit September 2004 in einem eigenen Museum im Park von Schloss Herberstein zu besichtigen. Auf 2000 Quadratmeter Fläche sind zahlreiche seiner großformatigen, an futuristische Maschinen erinnernden Skulpturen ausgestellt. Der künstlerische Grenzüberschreiter prägte Generationen von Künstlern: Franz West, Hans Schabus, auch Werner Schwab studierte vier Jahre bei ihm. In seinem Prosaband Abfall, Bergland, Cäsar sollte der Brachialdichter später schreiben: „Wer sich für das, was er gerne hat, nicht anzünden läßt wie einen Heustadl, der hat nichts besseres verdienen können als den bösen Himmel.“

http://www.gironcoli-museum.com/

http://jinapark.net/?p=48