Im ersten Prozess um Internet-Mobbing in der US-Geschichte steht eine Frau in Los Angeles vor Gericht, die ein junges Mädchen durch E-Mails in den Selbstmord getrieben haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft der 49-jährigen Lori Drew vor, ein verbrecherisches Komplott geschmiedet und dazu die Homepage MySpace missbraucht zu haben. Laut Anklage nahm Lori Drew via MySpace mit der komplexbeladenen 13-jährigen Megan Kontakt auf, nachdem es Streit mit ihrer Tochter gab und sie gaukelte ihr einen 16-jährigen Internet-Freund vor. Dieser virtuelle Brieffreund schrieb Megan vorerst, dass er sie verehre und letztlich dass die Welt ohne sie schöner wäre. Das Mädchen, dass sich verliebt hatte, nahm sich daraufhin das Leben.

Es handelt dabei sich um kein Unterschichtenproblem, sondern um eine Mutter, die als wohlhabend, verantwortungsbewusst und übermäßig fürsorglich gelten kann. Die Amerikaner haben dafür den Begriff der „Helicopter Parents“. Sie schweben ständig über ihren Kindern, lassen sie nie aus den Augen. Besonders, was deren Bildung betrifft, wird jeder Schritt kontrolliert, unterstützt, vorbereitet. Die Kinder sollen alle Chancen haben, jegliche Gefahr, unerträgliche Gefühle usw.  sollen ihnen aus dem Weg geräumt werden. Diese überfürsorglichen Eltern tragen dazu bei deutlich mehr unselbstständige junge Leute hervorzubringen als die Generationen zuvor.

In Zagreb werden alte Rechnungen beglichen, allerdings nicht wie geplant vor Gericht. Nur wenige Tage nachdem der ehemalige Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec für seinen Prozess in Kroatien von Österreich ausgeliefert worden war, wurde die Tochter seines Anwalts, Ivana Hodak (6.10.2008), mitten in Zagreb erschossen. Getroffen wurden auch jene Kräfte in der kroatischen Justiz, die Aufklärung über den Verbleib der in den Kriegsjahren verschwundenen Millionen suchen. Ivana Hodaks Eltern und Zagorec gehörten zur Nomenklatura in der Tudjman-Ära. Sie stehen für ein System, das spätestens im Jahr 2000 abgewählt wurde. Doch auch wenn Premier Ivo Sanader die ehemalige Tudjman-Partei HDZ seit damals erfolgreich reformiert hat und er nun nach dem Mordfall sehr schnell zwei zentrale Minister austauscht, ist unschwer zu erkennen, dass der Führung in Zagreb der Fall Zagorec entglitten ist. In Kroatien fürchten viele, dass Zagorec auspacken könnte, kennt er doch brisante Staatsgeheimnisse aus der Kriegszeit. Der ehemalige Waffenbeschaffer selbst bangt um seine Gesundheit und wohl auch um sein Geld. Nach dem Mord wird es noch unwahrscheinlicher, dass der Fall gerichtlich geklärt wird, wohl aber könnte er durch einen politischen Deal entschärft werden. Präsident Stipe Mesiæ schickte zu diesem Zweck ja sogar einen seiner „Berater“ nach Wien.

Auf einem Parkplatz im Zentrum Zagrebs war die Autobombe unter der Limousine des Herausgebers der Wochenzeitung „Nacional“, Ivo Pukanic (23.10.2008), am Donnerstagabend explodiert. Mit im Auto saß Niko Franjic, der Marketingchef der Mediengruppe NCL. Innenminister Tomislav Karamarko bestätigte, dass der Polizeischutz für den umstrittenen Enthüllungsjournalisten vor zwei Monaten mit dessen Einverständnis eingestellt worden war. Der 47-Jährige, der häufig über die Mafia schrieb und enge Kontakte zur Unterwelt gepflegt haben soll, war schon im April von einem Unbekannten beschossen worden.

Der Kroatien-Berichterstatter des Europäischen Parlaments, SPÖ-Europaabgeordneter Hannes Swoboda, spricht vom „schwersten Rückschlag für Kroatiens Bemühen um Mitgliedschaft in der EU seit Beginn der Verhandlungen“ im Jahr 2005. Wenn der Regierung von Ministerpräsident Ivo Sanader nicht ein rascher und nachhaltiger Schlag gegen das Organisierte Verbrechen gelinge, sei „der Abschluss der EU-Verhandlungen im Jahre 2009 höchst gefährdet“.

Leopold Hilsner

März 28, 2008

 

Genau vor hundert Jahren am Ostersamstag fand man im Wäldchen Brezina in der Nähe von Polna die Leiche von Anezka Hruzova, einer jungen Frau, die vor ihrem Tode brutal vergewaltigt worden war. 
Mehr ist über den Hergang des Verbrechens bis heute nicht bekannt. Doch sorgte dieser Fund für eine ausserordentliche Hetzkampgne der damaligen Presse, in einer Zeit, als in der Österreichisch – Ungarischen Monarchie der klerikale Antisemistismus geradezu aufblühte. Der Obduktionsbericht der Ärzte Michalek und Prokes aus Polna sprach vage von einer riesigen Schnittwunde, die sich über den Vorderteil des Halses zog, von rechts nach links. Aus solchen verschwommen Informationen und Vermutungen entwickelte sich schnell ein perfides Geflecht von raffinierten Gerüchten, die den vermeintlichen Täter des Mordes an der christlichen Jungfrau überführen sollten.
Bevor es überhaupt erst zu dem Prozess in Kutna Hora kam, stand in den Augen nicht nur der Polnaer Bevölkerung der Täter längst fest. Er hiess Leopold Hilsner. Hilsner war ein jüdischer Schustergeselle, er wurde des Ritualmordes an der frommen Anezka bezichtigt, man sprach von Koscherung, dem Durchschneiden der Kehle, um christliches Blut für den Pessach zu erhalten. 
Kehren wir zurück zu Hilsner. Eine zentrale Rolle spielte in dem Schauprozess nicht der Angeklagte Hilsner selbst, sondern der Anwalt der Hinterbliebenen Hruzovas, der antisemitisch gesinnte Jurist und Mitglied der Radikalen Partei, Karel Baxa. Für ihn war der Mord an Hruzova vor allem Mittel zum Zweck, um suggestiv die für Aberglauben empfänglichen, potentiellen Wähler zu gewinnen. Der Fall Hilsner wurde durch zynische Souveniers wie Postkarten regelrecht medialisiert. Bilder von der nackten Anezka, der flankiert von einem Schächter und einem Kultusbeamten der Hebräer durch den Beschaffer des Opfers Leopold Hilsner die Kehle über einem Eimer durchgeschnitten wurde, versandte man aus Polna über die Grenzen der Monarchie hinaus mit Grussworten wie: Liebe Angelina, ich schicke die eine neue Karte, die zum Gedenken an den letzten Mord herausgebracht wurde. Die Erinnerung in dieser Gegend wird nie verschwinden, weil die Menschen hier fest der Überzeugung sind, dass es ein ritueller Mord war. Es küsst Dich , deine…
Im Jahre 1918 wurde Leopold Hilsner begnadigt, ein Jahr später heiratete er in der Wiener Synagoge Theress Rosenfeld und zehn Jahre nach seiner Freilassung starb er als Leopold Hilsner in Wien und wurde auf dem Zentralfriedhof begraben.
Während zum Grab Anezka Hruzovas teilweise noch heute gepilgert wird, ist das Grab von Hilsner, der bis heute nicht rehabilitiert wurde, in einem eher desolaten Zustand.

http://hagalil.com/czech/juedische-geschichte/hilsner/hilsner.htm  

Open Source

Februar 1, 2008

Open source bzw. quelloffen ist Software, die unter einer von der Open Source Initiative (OSI) anerkannten Lizenz steht. Das zugehörige Nomen ist Open Source bzw. Quelloffenheit. Die OSI stützt sich bei der Bewertung auf die Kriterien der Open Source Definition. Diese geht weit über die Verfügbarkeit des Quelltextshinaus und ist fast deckungsgleich mit Freier Software, d. h. der Quelltext muss auch offen für Bearbeitung und Weiterverbreitung sein. Der unterschiedliche Name wurde gewählt, um einen zentralen kommerziellen Vorteil in den Vordergrund zu stellen und durch diese Verpackung Kapitalgeber besser überzeugen zu können.

Die Open Source Initiative wendet den Begriff Open Source auf all die Software an, deren Lizenzverträge den folgenden drei charakteristischen Merkmalen entsprechen:

Die Software (d. h. der Quelltext) liegt in einer für den Menschen lesbaren und verständlichen Form vor.
In der Regel handelt es sich bei dieser Form um die Quelltexte in einer höheren Programmiersprache. Vor dem eigentlichen Programm(ab)lauf ist es normalerweise notwendig, diesen Text durch einen so genannten Compiler in eine binäre Form zu bringen, damit das Computerprogramm vom Rechner ausgeführt werden kann. Binärprogramme sind für den Menschen im semantischen Sinne praktisch nicht lesbar.
Die Software darf beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden.
Für Open-Source-Software gibt es keine Nutzungsbeschränkungen. Weder bezüglich der Anzahl der Benutzer, noch bezüglich der Anzahl der Installationen. Mit der Vervielfältigung und der Verbreitung von Open-Source-Software sind auch keine Zahlungsverpflichtungen gegen einen Lizenzgeber verbunden.
Die Software darf verändert und in der veränderten Form weitergegeben werden.
Durch den offengelegten Quelltext ist Verändern ohne weiteren Aufwand für jeden möglich. Weitergabe der Software soll ohne Lizenzgebühren möglich sein. Open-Source-Software „lebt“ förmlich von der aktiven Beteiligung der Anwender an der Entwicklung. So bietet sich Open-Source-Software zum Lernen, Mitmachen und Verbessern an.
Diese Charakteristika werden detaillierter in der Open Source Definition (OSD) der Open Source Initiative festgelegt. 

Reporter ohne Grenzen

Februar 1, 2008

http://www.rsf.org/

Reporter ohne Grenzen – ROG (franz. Reporters sans frontières –RSF) ist eine international tätige Nichtregierungsorganisation, die über die Pressefreiheit auf der ganzen Welt informieren, gegen Zensur kämpfen und öffentlichen Druck für in Haft geratene Journalisten erzeugen will. Dabei beruft sie sich auf den Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Gegründet wurde die Organisation 1985 von Robert Ménard, der seitdem unangefochten Leiter der Organisation ist. Der Name wurde in Anlehnung an den Namen der Organisation Ärzte ohne Grenzen gewählt.

http://www.rog.at/

Blogstipendien

Februar 1, 2008

jetzt.de fördert ab sofort fünf junge Blogger

Im Juni 2006 startete jetzt.de ein in Deutschland bislang einmaliges Experiment: das so genannte jetzt.de-Blogstipendium fördert erstmals in diesem Land junge Blogger in ihrem Schreiber. Über 400 Autorinnen und Autoren haben sich bislang unter blogstipendium.de beworben (die Bewerbung läuft dort weiter). Aus diesen wählte eine Jury aus der jetzt.de-Redaktion die vier interessantesten jungen Blogger aus. Hinzu kam ein per Publikumsabstimmung ermitteltes Blog.

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/328101