Das Konzentrationslager Majdanek (offiziell KL Lublin, KZ Lublin, auch in der Schreibweise K.L. Lublin; Majdanek ist ein Vorort von Lublin in Polen) war das erste Konzentrationslager der SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL) im besetzten Polen. Wie Auschwitz-Birkenauwurde Majdanek zeitweise auch als Vernichtungs-/Todeslager genutzt. Es bestand von Oktober 1941 bis Juli 1944. Am 23. Juli 1944 wurde das bereits großteils geräumte Lager befreit.

Am 3./4. November 1943 wurden unter dem Decknamen „Erntefest“ die Juden des Distrikts Lublin von SS-Einheiten ermordet. Das Massaker fand in den drei Konzentrationslagern Majdanek, Poniatowa (Ort) und Trawniki statt. An diesen zwei Tagen wurden 40.000 bis 43.000 Menschen umgebracht. Insgesamt – so im Jahre 2006 die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza – wurden allein in Majdanek 79.000 Menschen ermordet. Bereits seit Ende Oktober 1943 hoben die Insassen des KZ Majdanek hundert Meter lange, sechs Meter breite und bis zu drei Meter tiefe Gräben in unmittelbarer Nähe des Lagers aus. Am Morgen des 3. Novembers wurden die jüdischen Häftlinge separiert, weitere Juden wurden aus den Außenlagern (insbesondere Lipowa, das sogenannte „Flughafen-Lager“) und der Stadt Lublin nach Majdanek geschafft. Sie mussten sich nackt ausziehen und „dachziegelförmig“ – d. h. hintereinander jeweils mit dem Kopf auf dem Rücken des Vorgängers in Längsrichtung – in die ausgehobenen Gräben legen. Ein Kommando aus etwa 100 SS-Männern und Polizisten ging die Gräben ab und tötete die Opfer mittels Genick- oder Kopfschuss. Nachdem der Boden eines Grabens mit Leichenbedeckt war, mussten sich die nächsten Opfer in gleicher Form auf die Toten legen. Jeder Graben wurde bis zur Oberkante gefüllt und anschließend notdürftig mit Erde bedeckt. Die Exekutionen dauerten bis in die Abenddämmerung. Zur Übertönung der Schüsse wurden eigens zwei Lautsprecherwagen bereitgestellt, die Marsch- und Unterhaltungsmusik spielten. Der Aktion fielen in Majdanek 17.000 bis 18.000 Menschen zum Opfer, darunter fast alle jüdischen Häftlinge. Lediglich je 300 weibliche und männliche Gefangene überlebten das Massaker, sie mussten anschließend die Kleidung der Opfer verwerten und später die Leichen exhumieren und verbrennen.

Hannah Arendt überliefert aus dem Jerusalemer Prozess unter Nennung von Lublin, was auf Majdanek weisen würde (Arendt selbst glaubte Treblinka), folgende Aussage Adolf Eichmanns: (…) hier würde (…) ein Motor eines russischen U-Bootes arbeiten und die Gase dieses Motors würden hier hineingeführt werden, und dann würden die Juden vergiftet werden. (H. A., Eichmann in Jerusalem, Kap. VI ). Diese Angabe findet sich auch bei Thomas Sandkühler in seinem Buch über Berthold Beitz (s. Literatur in dem Artikel). Nach der neuen Veröffentlichung von Eichmann-Dokumenten durch Irmtrud Wojak handelte es sich um den Zeitraum Februar/März 1942, der Motor war ein sowjetischer Panzer-Motor (Quelle bei Wojak, Seite 183 und Anm.). Da Eichmann in dieser Quelle von einer Autofahrt von knapp 2 Stunden ab Lublin spricht, handelt es sich wahrscheinlich um eine Verwechslung; denn es kann sich dann nur um das Vernichtungslager Belzecgehandelt haben, bei dem ja die Verwendung von Panzermotoren-Abgasen bekannt ist.(Wojak, S. 182) Für das KZ Majdanek sind Gaskammern bezeugt, in denen Menschen anfangs mit Kohlenstoffmonoxidgas, später durch Zyklon B ermordet wurden.

Ende Juli 1944 wurde das Lager Majdanek geräumt, weil die Rote Armee auf dem Vormarsch war. Vor dem Abtransport der Gefangenen wurden alle Dokumente vernichtet und die Gebäude samt dem großen Krematorium in Brand gesetzt. In der Eile des Rückzugs versäumten die Deutschen jedoch die Zerstörung der Gaskammern und eines Großteils der Gefangenenbaracken. Bereits im August 1944 gelangten westliche Journalisten zu einer Besichtigung nach Majdanek. Daraufhin wurden Darstellungen des Massenmords auf die Titelseiten US-amerikanischer Zeitungen und in US-Zeitschriften gesetzt. Insgesamt taten während der Existenz des Lagers schätzungsweise 1.200 SS-Leute dort Dienst. Als die Rote Armee näherrückte, wurde das Lager verlassen und die noch etwa 1000 Gefangenen fortgeschafft. Am 23. Juli 1944 wurde das Lager befreit. Durch eine polnisch-sowjetische Kommission begann noch im Juli die erste Untersuchung der Verbrechen. Es kam in Lublin zur Gerichtsverhandlung, die im November 1944 zu vier Todesurteilen führte. Zwei Jahre danach, ebenfalls in Lublin, wurde gegen 95 SS-Angehörige verhandelt. 1948, nach zweijährigem Prozeß, wurden darin 7 der Angeklagten zum Tode verurteilt, darunter auch die frühere Kommandantin des Frauenlagers, Else Ehrich, die anderen erhielten Haftstrafen.

Der Majdanek-Prozess von 1975 bis 1981 war ein Prozess gegen 16 ehemalige SS-Angehörige in Düsseldorf. Acht Beschuldigte erhielten Freiheitsstrafen, Hermine Ryan geb. Braunsteiner eine lebenslange Freiheitsstrafe, die anderen sieben, darunter Hildegard Lächert, zwischen drei und zwölf Jahren. Fünf weitere Angeklagte wurden mangels Beweisen freigesprochen, da viele Zeugen die Täter nach so langer Zeit nicht mehr eindeutig identifizieren konnten. Ein Angeklagter war verhandlungsunfähig geworden, drei weitere starben während des Verfahrens. Diese Gerichtsurteile sorgten in der BRD für eine längere Debatte, da die verhängten Strafen vielen Beobachtern zu gering erschienen.

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Erna Wallisch wurde am 10.2.1922 als Erna Pfannstiel in Benshausen in Thüringen geboren und verstarb am 16.2.2008 in Wien. Sie war eine in Wien lebende deutsche Aufseherin in den KZ Ravensbrückund Majdanek in der polnischen Stadt Lublin.

Erna Wallisch war das fünfte Kind einer in einfachen Verhältnissen lebenden Familie. Ihr Vater Ernst war Postbeamter, ihre Mutter Wilhelmine Hausfrau. Nach der Volksschule und einem Pflichtjahr besuchte Wallisch eine zweijährige Hauswirtschaftsschule und absolvierte ein freiwilliges Jahr im Reichsarbeitsdienst. Danach arbeitete sie als Haushaltshilfe. Im Frühjahr 1941 bewarb sie sich mit 19 Jahren um eine Stelle als Aufseherin im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Nach mehr als einem Jahr Dienst wurde sie im Oktober 1942 gemeinsam mit neun anderen Wärterinnen nach Polen ins Vernichtungslager Majdanek in Lublin versetzt. Im KZ Majdanek lernte sie 1941 ihren späteren Mann Georg Wallisch kennen, der im Lager als Wache arbeitete. Im Mai 1943 wurde sie von ihm schwanger und im Dezember heirateten beide. Da Georg Wallisch goldene Uhren gestohlen hatte, die bei der Selektion den Juden abgenommen worden waren, wurde er zu drei Jahren Kerker verurteilt. Am 15. Januar 1944 beendete Erna Wallisch ihren Dienst in Majdanek und zog nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschland in ein Zinshaus in die Schiffmühlenstraße in Wien-Kaisermühlen. Sechs Monate später, am 23. Juli 1944 befreiten russische Soldaten das großenteils geräumte Lager Majdanek. Im selben Jahr brachte Wallisch ihre erste Tochter zur Welt. Im Oktober 1946 kehrte Georg Wallisch aus einem Internierungslager der Amerikaner nach Wien zurück und baute sich mit Erna Wallisch ein kleinbürgerliches Leben auf.

Wallisch befand sich auf einer Liste des Jüdischen Dokumentationszentrums von gesuchten mutmaßlichen NS-Verbrechern und soll ihre Beteiligung an der Selektion und Ermordung von KZ-Insassen laut Efraim Zuroff, dem Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem, zugegeben haben. Sie hielt sich zwischen Oktober 1942 und Januar 1944 im KZ Majdanek auf. Von Überlebenden wurde sie als Sadistin beschrieben, die Opfer selektierte und in den Tod führte. Mitte der 1960er-Jahre wurde das erste Verfahren gegen Wallisch in Graz geführt und im Jahr 1965 eingestellt. In den 1970er-Jahren wurde ein zweites Verfahren in Wien angestrengt. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren jedoch aufgrund der damals geltenden Rechtslage (Verjährung) ein. Auf Betreiben von Zuroff sollte im Jahr 2005 die österreichische Justiz nochmals tätig werden, jedoch erklärte der Pressesprecher der Justizministerin Karin Gastinger, Christoph Pöchinger, dass für einen „direkten Mord“ nicht genügend Beweise vorlägen. Der von Pöchinger ins Treffen geführte fehlende Nachweis einer eigenhändigen Tatbegehung wäre für eine Wiederaufnahme des Verfahrens unbedingt notwendig gewesen, da es bis zur Strafrechtsreform keine Beihilfe im heutigen Sinne gab. Nach bis 1973 geltendem Recht war die „entfernte Mitschuld am Mord“, wie das Delikt hieß, bereits verjährt. Im Gegensatz zur heutigen Beihilfe konnte diese „entfernte Mitschuld“ sehr wohl verjähren. Nach heute geltendem österreichischen Recht wäre Wallisch auch als bloße Beteiligte (und somit nicht Haupttäterin) an einem Mord mit einer lebenslangen Haftstrafe bedroht und ihr Delikt somit nicht verjährungsfähig. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum unter Leitung von Zuroff beschäftigte sich auch weiterhin mit der Aufarbeitung der Wallisch vorgeworfenen NS-Verbrechen. So bemühte sich Zuroff mehrmals um eine Auslieferung der KZ-Aufseherin nach Polen, da dort Gesetze gelten, die keine Verjährung von Kriegsverbrechen vorsehen. Für ein Verfahren wegen Mordes fehlten allerdings auch dort die Beweise. Im Januar 2008 konnten schließlich fünf Zeugen aus Polen ausfindig gemacht werden, die bereit waren, gegen Wallisch und über ihr Verhalten im KZ Majdanek auszusagen. Daraufhin wurde die Diskussion um eine Auslieferung erneut aktuell. Zusätzlich begann die österreichische Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen zu den neuen Aussagen und ihrer Verwertbarkeit. Am 16. Februar 2008 starb Wallisch im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus, woraufhin auch das gerade erst begonnene Verfahren todesbedingt wieder eingestellt wurde. Wallisch lebte somit bis zu ihrem Tod unangeklagt in der Wiener Donaustadt. 

http://www.florianklenk.com/2008/02/der_fall_erna_wallisch.php