Wien ist a schöne schöne Stadt, das weiß alle Welt!
Aber wissen Sie, was mir ganz besonders g’fällt?
Weder der Stephansturm noch der Johann Strauss,
Nicht der Wiener G’spusi, schon gar net die Musi,
nein, was ich am liebsten hab, ich sag’s grad heraus:

Die Messer. Die Messer! Die G’schäfte san ganz voll damit!
In jeder Zahl, aus Edelstahl und aus der Monarchie,
zum Schnitzen, zum Schlitzen. Wohin man schaut auf Schritt und Tritt,
für’n Pudel, für’n Strudel und für die Chirurgie.
Wer Wien liebt, – und das tun doch heut die meisten Leut! –
der denkt bei soviel Messer gleich an diese Möglichkeit:

Wie schön wäre Wien ohne Wiener!
So schön wie a schlafende Frau.
Der Stadtpark wär sicher viel grüner,
und die Donau wär endlich so blau.
Wie schön wäre Wien ohne Wiener,
ein Gewinn für den Fremdenverkehr!
Die Autos ständen stumm, das Riesenrad fallet um,
und die lauschigen Gassen wärn leer,
in Grinzing endlich Ruh – und’s Burgtheater zu!
Es wär herrlich, wie schön Wien dann wär.

Keine Baustelln, keine Schrammeln,
und im Fernsehn kein Programm!
Nur die Vogerln und die Pferdeln
und die Hunderln und die Baüm‘.
Und wer durch dies‘ Paradies muß,
findet später als Legat
statt des Antisemitismus
nur ein Antiquariat.

Weder Krankheit noch Genesung.
Weder Fürsten noch Parlament.
Wär für Wien nicht diese Lösung
das perfekte Happy-End?

Und der Wein wächst ungetrunken,
und die Geigen werd’n geschont.
Und der Mond wirft seine Funken
tief im Prater auf die Unken.
Und die Unken schaun versunken in den Mond.

Wie schön wär mein Wien ohne Wiener.
Wie ein Hauch, der im All balanciert.
Vielleicht gibt’s wo a fesche Angina,
die ein Wohltäter herimportiert.
Wie schön wäre Wien ohne Wiener,
nur einmal möcht ich es so sehn!
Und schreite ich sodann
den Kahlenberg hinan
und bleib oben voll Seligkeit stehn,
und seh dann aus der Fern
mein liebes leeres Wien,
werd‘ ich sagen: Sehn’s, jetzt ist’s da schön!

„Nebenbei: …

Januar 3, 2009

„Nebenbei: die Haltung des christlichen Gebetes – die Augen geschlossen, den Kopf gesenkt – ist der Meditation nicht zuträglich. Diese Körperhaltung appelliert an eine geschlossene unterwürfige Geisteshaltung, sie entmutigt das geistige Wagnis. In dieser Position mag es geschehen, daß Gott über euch kommt, euch das Genick bricht und für verhängnisvoll lange Zeit sein Zeichen hinterläßt. Für die Meditation muß eine offene – aber nicht herausfordernde – Haltung gefunden werden. Nicht in Hingabe an Gott. Man nehme sich in acht. Ein weniges zuviel, und Gott verleiht euch seine Gnade: dann seid ihr im Arsch.“

Josef Winkler, in: Wenn es soweit ist, 2002, Suhrkamp Verlag