In diesem Film wird großartig die Loslösung einer Tochter von ihrer sadistischen, perfiden Mutter beschrieben. Die Entwicklung weg von einer Rigidität ohne Leidenschaft, einem die Struktur leitenden Perfektionswahn hin zu der eigenen Weiblichkeit und den eigenen Trieben. Nina soll in „Schwanensee“ sowohl den unschuldigen weißen als auch den dämonischen schwarzen Schwan verkörpern. Während sie die perfekte Besetzung für den weißen Schwan ist, muss sie für den Gegenpart der Figur lernen loszulassen und die triebhaften Seiten in sich entdecken. Die Tänzerin tritt in einen ebenso befreienden wie selbstzerstörerischen Prozess ein, bei dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Letztlich stirbt in ihr der weiße Schwan und es bleibt die Hoffnung der Entwicklung der Protagonistin hin zur eigenen unterdrückten Lust und Loslösung von der Allmacht der besitzergreifenden Mutter.

http://www.zeit.de/kultur/film/2011-01/black-swan-film

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Die Schintemunt Alm

September 25, 2010

Zwei Hirten auf der Plöcken im Gailtal führten ein gar übermütiges Leben. Sie machten aus Reisig und Stroh ein Männlein und nannten es Hansel. Dem gaben sie von allem, was sie aßen und tranken, und hielten es wie einen Menschen, so daß viel edle Gottesgabe verwüstet ward. Eines Abends, da sie schon mit dem Halterbuben zu Bette lagen, fiel es ihnen ein, daß der Hansel noch kein Abendessen bekommen hatte, worauf sie hinausgingen und dem Strohmännlein eine volle Schüssel vorsetzten. Aber zu ihrem Schreck hub das Männlein wirklich zu essen an und regte und bewegte sich. Sie flohen hurtig in die Kammer und schoben den schuldlosen Buben im Bette vor. Jetzt polterte das Strohmännlein die Türe herein, griff über das Bett und schrie:

Den ersten fint i,
Den zweiten schint i,
Den dritten wirf i iber die Hitten abaus.

Und so geschah es. Seitdem heißt der Ort die Schintemunt-Alm.

(Franz Pehr, Kärntner Sagen. Klagenfurt 1913, 5. Auflage, Klagenfurt 1960, Nr. 70, S. 143)

Das Sennentuntschi, auch Hausäli oder Sennpoppa, ist ein in den Alpen verbreitetes Sagenmotiv.

Die einsamen Sennen und Hirten auf den hochgelegenen Alpen schaffen sich aus Langeweile – auf den Alpen arbeiteten meistens nur Männer – eine weibliche Puppe, das Sennentuntschi. Sie füttern sie aus Spaß, sprechen mit ihr und nehmen sie zu sich ins Bett. Kurz vor der Alpabfahrt wird die Puppe lebendig und beginnt zu sprechen. Sie rächt sich für die Übeltaten und die gottlose Tat, die die Sennen an ihr vollbracht hatten. In der Sage zwingt sie einen der Sennen bei ihr zu bleiben und zieht diesem die Haut vom Leib.

Niemandsland

Mai 2, 2010

Niemandsland ist ein deutscher Antikriegsfilm mit effektvollen Bildern vom Kriegsausbruch 1914, der dasZusammentreffen versprengter Soldaten verschiedener Rassen und Nationalitäten zwischen den Fronten zum Anlass lehrhafter Dialoge überPazifismus und Völkerversöhnung nimmt. Als Zeitdokument und filmhistorisches Anschauungsmaterial ist dieser Film auch heute noch von Interesse.
In einer Ruine im Niemandsland an der Westfront treffen fünf Soldaten aufeinander: ein Deutscher (Ernst Busch), ein Engländer (Hugh Stephens Douglas), ein Franzose (Georges Péclet), ein Afrikaner (Louis Douglas) und gleichsam der „unbekannte Soldat“ (Wladimir Sokoloff), einer, der durch einen Schock seine Sprache verloren hat. Nur kurz kommen Aggressionen und Meinungsverschiedenheiten auf. Der Afrikaner, ein Artist, der in vielen Ländern gearbeitet hat, betätigt sich als Dolmetscher und die ehemaligen Feinde erkennen sehr bald den gemeinsamen Wunsch nach Frieden. Als die Ruine unter Beschuss genommen wird, weil beide Seiten ihr verdächtiges Leben beobachtet haben, arbeiten alle gemeinsam an primitiven Schutzvorrichtungen. Gemeinsam kriechen sie dann aus ihrem Erdloch und schlagen einen Drahtverhau zusammen. Der Drahtverhau wird hierzum Symbol des Kriegerischen, des Trennenden; die karge Handlung hat eigentlich nur Beweis-Charakter. Sie soll zeigen, wie schnell menschliches Verständnis entsteht, wenn man die gegenseitigen Erwartungen und Bedürfnisse versteht. Der Film will allerdings nicht nur an das Gefühl, sondern auch an die Einsicht appellieren. In einer sehr langen Einleitungsmontage sieht man die fünf Soldaten im Privatleben vor dem Krief. Hier werden Zeichen gesetzt, wenn der Franzose in einer Schiessbude auf Soldaten zielt oder der Deutsche seinem Kind eine Spielzeugkanone bastelt. Eine entlarvende Szene ist auch der Abschied des Deutschen. Bedrückt und mit gesenktem Kopf geht er mit Frau und Kind zur Kaserne. Dann ertönt von fern Marschmusik – die Köpfe heben sich, der Gang wird straffer, und schliesslich marschiert die ganze Familie im gleichen Schritt und Tritt. Niemandsland ist einer der wenigen pazifistischen Filme, die in der Weimarer Republik gedreht wurden; nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er sehr bald verboten.

MOSER oder der Weg des geringsten Widerstandes

Hans Moser, dieser Wiener Charlie Chaplin, Volksschauspieler schlechthin, brachte wie kein anderer den typischen Österreicher zum Ausdruck. Mit seiner kauzigen Art, seinem watschelnden Gang, seinem G’schau und dem berühmten Nuscheln verkörperte er den hierzulande gängigen Eigensinn, die unbestechliche Souveränität des kleinen Mannes. Für mich ist Hans Moser, diese große Kunstfigur des Raunzens, aber auch ein Wiener Bruder Gustaf Gründgens´, ein Mephisto. Die Nazizeit brachte ihn, den Unpolitischen, steil nach oben. Er wurde bestverdienender Schauspieler, musste aber damit fertig werden, dass seine geliebte jüdische Frau nach Budapest und seine Tochter nach Buenos Aires flüchten mussten. Er hatte enormen Erfolg, wurde von den Massen geliebt, verkörperte das minimal widerständige Österreich und war doch einsam und unglücklich. Ich sehe in Hans Moser eine große Kulminationsfigur des 20. Jahrhunderts. An ihm lassen sich Hoffnungen und Ängste, Couragiertheit und Durchlavieren zeigen, Macht und Ohnmacht des Einzelnen in den Mühlen der Geschichte. So wie er die kleinen Spielräume seiner festgeschriebenen Rollen nützte, extemp- orierte, ist er noch immer Sinnbild für die Freiheit auf österreichisch.

Franzobel

http://www.josefstadt.org/Theater/Stuecke/Josefstadt/Moser.html

Im Juli 1995 eroberten Truppen der bosnischen Serben unter General Ratko Mladic die UN-Schutzzone Srebrenica. Nach dem Ende der Kämpfe wurden 8000 muslimische Männer und Burschen aus der Stadt auf Lastwagen verladen und an mehreren Orten rund um Srebrenica ermordet. Dass an dem Massaker auch eine serbische Sondereinheit beteiligt war, bewies 2005 ein Video.

Österreichs Behörden wollen Jovan Mirilo Asyl verwehren. Ihm, der mitgeholfen hat, ein Video über Erschießungen in Srebrenica 1995 an die Öffentlichkeit zu bringen. Er wurde dafür mit dem Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Im Anschluss an die Weitergabe des Videos an das Den Haager Kiegsverbrechertribunal sah sich Mirilo nach eigener Darstellung mit Morddrohungen konfrontiert und flüchtete nach Österreich. Das Bundesasylamt erkannte aber keine Gefährdung des Mannes und stützte sich dabei unter anderem auf ein anonymes Gutachten, in dem angezweifelt wird, ob Mirilo tatsächlich an der Beschaffung des Videos beteiligt war. Mirilo betont hingegen, zahlreiche Beweise darunter auch schriftlich zu haben.

Amnesty International warnt vor einer Abschiebung von Menschenrechtspreisträger Jovan Mirilo, seiner Lebensgefährtin und seiner kleinen Tochter durch die österreichischen Behörden nach Serbien. „Mirilo ist ein politischer Flüchtling im engsten Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention“, betonte Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty Österreich. Der 45-jährige Serbe, der 2007 in Österreich um Asyl angesucht hat, sei zudem durch seine Bekanntheit „deutlich exponierter“ als viele andere Flüchtlinge.