Günter Ogger

Januar 29, 2008

Ogger

Günter Ogger wurde am 25.4.1941 in Ulm geboren und ist ein deutscher Wirtschaftsjournalist, der sich besonders durch zeitgenössische Recherchen zu Missständen auf Management-Ebene und insbesondere im Kapitalsektor bei einem breiteren Publikum einen Namen gemacht hat.

Günter Ogger war zuerst Redakteur bei Capital bevor er das Technologiemagazin High Tech gründete. Ogger lebt in München und Südtirol.Günter Ogger wurde 1971 bekannt durch seine Flick-Biographie „Friedrich Flick der Große“ und den 1978 erschienenen historischen Wirtschaftskrimi: „Kauf Dir einen Kaiser. Die Geschichte der Fugger“, der für das Fernsehen verfilmt wurde. Die Fugger waren eine der bedeutendsten Handels- und Bankenfamilien des Mittelalters. Unter Jakob Fugger II gelang ihnen mit einem weit verzweigten Handelsnetz und einem europäischen Kupfermonopol der Aufstieg in die damalige internationale Hochfinanz. Jakob Fugger wurde der Bankier des Kaisers, der Päpste und der römischen Kurie. Ogger stellt Kaiser Maximilian I. fast schon als Erfüllungsgehilfen Jakob Fuggers dar. Dieses Buch Oggers zeigt Parallelen zur heutigen Zeit. Internationale Konzerne bestimmen und finanzieren die Politik. Korruption und Ämterpatronage sind an der Tagesordnung. Wohl am bekanntesten dürfte der Titel seines Werkes Nieten in Nadelstreifen aus dem Jahr 1995 sein. Der Titel ist mittlerweile zum geflügelten Wort geworden. Sein Titel Die Ego-AG widmet sich den Themengebieten Betrug im Bankenwesen, Bilanzfälschungen in US-Unternehmen sowie allgemein dem Thema Bilanzfälschung. Hierbei dokumentiert er Betrug im großen Stil –also mit Summen von 100 Millionen bis mehrere Milliarden Euro -, der zum Schaden von Unternehmen, Banken sowie Anlegern geführt hat. Aspekte seiner Darlegung sind die teilweise wirkungslosen oder ungenügenden Kontrollmechanismen der betroffenen Systeme sowie die Folgen für die Täter, welche oft teils milde verurteilt werden, manchmal sogar noch weiter Karriere machen, oder einfach für die Justiz nicht greifbar sind. Ogger thematisiert dabei Fälle in folgenden Unternehmen bzw. Instituten, mit der Betrugsart, dem Vorgangswert und den Folgen für Akteure:

  • Adelphia (TV-Kabelbetreiber) und Familie John J. Riga, Kreditgarantien und Konkurs, zunächst Verhaftungen, Strafe noch ausstehend
  • Allied Irish Banks (AIB), Börsenspekulationen, 691 Mill. Dollar, Freispruch durch Bankenchefs
  • AOL Time Warner (Medien und Internet), Bilanzmanipulation mit Anzeigen, 49 Mill. Dollar + 270 Mill. Dollar
  • Computer Associates (CA, Software), Bilanzmanipulation durch eigenes Verfahren, dadurch +650 Mill. Dollar Umsatz und +942 Mill. Dollar Gewinn, 23 % Aktieneinbruch durch Aufdeckung
  • Bayerische Landesbank (ca. 50 % Staatsqoute in Gremien), Kreditvergaben + Bankenübernahme, 400 + 270 + 2.000 + 80 Mill. Euro, kein einziger wurde zur Verantwortung gezogen
  • Deutsche Pfandbriefbank (Depfa) und GEV, Immobilienkredite, 104,5 + 30.5 Mill. Mark, Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat
  • Enron, Manipulationen
  • Global Crossing (Bermuda) und Arthur Andersen (Unternehmen für Wirtschaftsprüfung), Bilanzfälschung und Konkurs, 12 Mrd. Dollar Überschuldung + 12 Mill. Dollar Beraterhonorare
  • Halliburton, (Ölausrüstung, Dick Cheney), Bilanzmanipulation, 445 Mill. Dollar, Cheney ist heute US-Vizepräsident
  • HSBC Republic (Monaco-Niederlassung der brit. Bank), Unterschlagung, 23 Mill. Euro, durch Revisionsabteilung erwischt
  • IBM, Manipulation (u. a. durch Pensionskasse) zur Erhöhung der Aktionärs-Ausschüttung und stiller Aktienrückkauf, Bilanzgewinn gleich, aber je Aktie von 1,80 auf 4,36, zuständiger IBM-General ist mittlerweile ausgeschieden
  • Merck/Medco (US-Konzern, Kranken-Zusatz-Versicherung), Bilanzmanipulation, 12,9 Mrd. Dollar
  • Lehman Brothers (Bankhaus), gefälschte Kundenkonten, 250 Mill. Dollar, geflüchtet
  • Merrill Lynch (Investmentbank), Rat zum Aktienkauf trotz gegenteiliger Einschätzung, Schaden nicht beziffert, Bank zeitweise in Übernahmegefahr, Geldbuße von 100 Mill. Dollar für die Bank und Entlassung des Star-Analysten
  • Qwest Communications, Bilanzmanipulationen per Drehtürgeschäften, 1 Mrd. Dollar Umsatz vorgetäuscht, später 40 Mrd. Dollar Bilanzkorrektur nötig, Aktiensturz um 92 %, 17.000 Arbeitsplätze vernichtet, Verursacher kann mit Aktien und Aktienoptionen des Unternehmens 300 Mill. für sich verbuchen
  • Paine Webber (Wall-Street), Geldanlage in Konkurs-Unternehmen, 100 Mill. Dollar
  • Salomon Smith Barney (Investmenthaus) sowie Citigroup, AT&T, Worldcom und Winstar Communications, Manipulative Kaufempfehlungen durch teils vermutete Bestechung, Vorzugsaktien, Honorare (24 Mill. Dollar) Aufnahme ins Konsortium der Emissionsbanken, Millionengewinne durch AT&T-Emission sowie 39 Neu-Emissionen (90 Mill. Dollar), danach Kurs-Absturz
  • SchmidtBank, Ermittlungen und rechtskräftige Verurteilung wegen Bilanzfälschung, Kapitalanlagebetrug und Konkursverschleppung, 70 Mill. Euro + Unternehmenspleite
  • Sparkasse Tettenheim-Schindlar, Untreue, 593 Mill. Mark, 10 Jahre Gefängnis wegen Untreue in 85 Fällen
  • Sparkasse Mannheim (heute Teil der Sparkasse Rhein-Neckar Nord), Baukredite z. B. über Strohmänner für unrentable Projekte, ca. 1.000 Mill. Mark, 3x Freispruch, 1x Bewährungsstrafe
  • Spectrum 7 (Öl?, George W. Bush), Konkursunternehmen für 2 Mill. Dollar verkauft, Ausstieg vor der Prüfung durch die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC, Bush ist heute US-Präsident
  • WestLB, Kredite für Metallhandel, 200 Mill. Dollar, Betrüger im Ausland – interne Schuldfrage ungeklärt
  • Worldcom (MCI), Manipulationen
  • Bristol-Myers Squibb (Pharma), Produktion auf Halde für größere Boni-Ausschüttungen, Umsatzkorrektur von 1 Mrd. Dollar nötig
  • Xerox, Geräteleasing als Verkauf verbucht und Boni gesteigert und möglw. Einflussnahme auf Finanzprüfer, +6,4 Mrd. Dollar Umsatz und +1,5 Mrd. Gewinn, 10 Mill. Dollar Strafe.

    Im Jahr 2005 richtete er seinen Fokus unter anderem auf den reichsten Mann Deutschlands, den er aber nur indirekt belegen kann, weil sich dieser nach Oggers Angaben sehr im Hintergrund hält, um seine Geschäfte weiterhin ungestört betreiben zu können. Ogger hat deshalb sein Werk in Romanform verfasst, um damit der gegebenen Unsicherheit Rechnung zu tragen. Laut Ogger beteiligt sich der reichste Mann Deutschlands in nicht unerheblichem Umfang an Hedge-Fonds. 

      http://www.randomhouse.de/specials/ogger_ego/ogger01.htm