Ein Dokumentarfilm über Häftlinge in Rom, die im Gefängnis Rebibbia Shakespeares „Julius Cäsar“ einstudieren und aufführen. Shakespeares Erzählung vom siegreichen Feldherren, dessen Methoden und Ideen für Politik der römischen Republik zu extrem sind und die dem Tyrannen letztlich den Kopf kosten, kann heute vor dem Hintergrund brutaler Machtpolitik gesehen werden. Die Regisseure haben im Rebibbia Gefängnis, der am strengsten bewachten Institution Italiens, mit den Insassen, viele davon verbüßen lebenslange Haftstrafen, gedreht. Das Theater gehört zum Fixpunkt des Gefängnisalltags. „Durch die Entscheidung in schwarz und weiß zu drehen, bekommt der Film eine Dimension, die nicht der Wirklichkeit entspricht.“ (Vittorio Taviani) Oder doch – sowohl in Shakespeares  Theaterstück als auch in Rebibbia gilt das Recht des Stärkeren und Gewalttätigeren.

http://www.zeit.de/kultur/film/2012-02/gewinner-berlinale-2012

http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Cäsar_(Drama)

 

Advertisements

Jafar Panahi, geboren am 11.7.1960 in Mianeh ist einer der wichtigsten unabhängigen Filmregisseure im Iran.
Er erhält mit seinen Filmen zahlreiche Preise bei ausländischen Filmfestivals, die Filme wurden zumeist im Iran verboten.
Panahi unterstützt bei den umstrittenen iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 die Oppositionsbewegung „Grüne Bewegung“ von Mir Hossein Mussawi gegen den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Daraufhin wird er ohne Anklage inhaftiert. Zahlreiche internationale Intellektuelle wie Michael Moore, Steven Spielberg, Robert Redford, Abbas Kiarostami setzen sich für seine Freilassung ein. In Folge kommt der Filmemacher am 25.5.2010 gegen Zahlung einer Kaution von 200.000 US-Dollar bis zu Beginn seines Prozesses, der am 20.12.2010 stattfindet, frei. Er wird zu einer 6-jährigen Gefängnisstrafe und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt.

http://www.arte.tv/de/3606798.html

http://www.festspielhaus-afrika.com/weblog/?lang=de

Werner Schroeter

April 17, 2010

gg

Werner Schroeter wird am 7.4.1945 in Georgenthal geboren und verstirbt am 12.4.2010 in Kassel. Er war ein deutscher Film-, Opern- und Theater-Regisseur.

Werner Schroeter wird 1945 als Sohn eines Ingenieurs geboren und wächst in Bielefeld und Heidelberg auf. Im Alter von fünf Jahren äußert er bereits den Wunsch, Filmregisseur zu werden. Ein einschneidendes Erlebnis ist für ihn im Alter von dreizehn Jahren die Radioübertragung einer Opernarie von Maria Callas, die ihn zum ersten Mal mit dem Thema Oper in Berührung bringt. Die Callas wird für ihn zum einzigen Idol seines Lebens, er bezeichnet sie in Interviews als Botin zwischen Gott und den Menschen. Nach dem Abitur in Heidelberg studiert er drei Semester lang Psychologie in Mannheim und arbeitet nebenher als Journalist. Ende der 1960er Jahre bringt sich Schroeter das Filmemachen mit ersten experimentellen Arbeiten auf 8-mm- und 16-mm-Film selbst bei. Einige seiner ersten Kurzfilme widmen sich Maria Callas. Ein begonnenes Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München bricht er bereits nach wenigen Wochen ab. Ersten Erfolg bringt ihm der über zweistündige Experimentalfilm Eika Katappa ein, der von der Internationalen Filmwoche Mannheim 1969 mit dem Josef von Sternberg-Preis ausgezeichnet wird.

Seit 1972 erarbeitet Schroeter regelmäßig Theater- und Operninszenierungen in Städten wie Berlin, Bochum, Hamburg, Düsseldorf und Bonn, aber auch an ausländischen Theatern in Paris, Brasilien und Italien. Schroeter gilt neben Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Alexander Kluge, Werner Herzog und Volker Schlöndorff als einer der wichtigen Filmregisseure der deutschen Nachkriegszeit. Mit Palermo oder Wolfsburg gewinnt er den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele 1980. Er betätigt sich zudem als Produzent, Drehbuchautor, Kameramann und Schauspieler bei zahlreichen Filmen. Partner in seinem Filmschaffen sind unter anderem Magdalena Montezuma, Isabelle Huppert, Produzent Paulo Branco, Kamerafrau Elfi Mikesch, Cutterin Juliane Lorenz und Standfotografin Digne Meller-Marcovicz. Schroeter, der offen zu seiner Homosexualität steht, ist eine Zeit lang mit Rosa von Praunheim liiert.

Im Jahr 1972 ist Werner Schroeter mit dem Film Der Tod der Maria Malibran Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel in der Abteilung Filmschau: Anderes Kino. 2008 erhält Schroeter für Nuit de chien eine Einladung in den Wettbewerb der 65. Filmfestspiele von Venedig. Das Drama ist eine Umsetzung von Juan Carlos Onettis Roman Para esta noche mit unter anderem Pascal Greggory Amira Casar, Elsa Zylberstein und Nathalie Delon in den Hauptrollen. Schroeter wird mit dem Sonderpreis der Jury der Filmfestspiele von Venedig 2008 für sein „innovatives, kompromissloses und oft provokantes“ Werk ausgezeichnet.

Schroeter wird bei der Berlinale 2010 mit dem schwul-lesbischen Teddy Award geehrt, weil er als ein radikaler Experimentierer und großer Außenseiter des Neuen Deutschen Films gelten kann. Mitte März desselben Jahres wird ihm der Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis zuteil.

Werner Schroeter stirbt im Alter von 65 Jahren in einer Kasseler Klinik an den Folgen seiner Krebserkrankung.

http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/sch_bio_regiss/schroeter_werner_bio.htm

Peter Tscherkassky

Dezember 28, 2008

Peter Tscherkassky wird am 3.10.1958 in Wien geboren. Er ist ein österreichischer Avantgardefilmregisseur.

Tscherkassky besucht das Kollegium Kalksburg in Wien und anschließend das Gymnasium in  Mistelbach, wo er 1977 maturiert. Anschließend studiert er Publizistik und Politikwissenschaft an der Universität Wien. 1978 macht er erstmals Bekanntschaft mit dem avantgardistischen Filmschaffen, als er eine fünftägige Lecture-Serie von P. Adams Sitney im Österreichischen Filmmuseum besucht. 1979 zieht Tscherkassky zeitweilig nach Berlin, wo er ein Philosophiestudium beginnt. Ende des selben Jahres erwirbt er auch eine Super 8-Ausrüstung, eine unter Experimentalfilmschaffenden lange Zeit sehr beliebte Filmausrüstung. Im Dezember des Jahres beginnt er auch mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Kurzfilm „Kreuzritter“, dessen Drehbuch er zuvor geschrieben hat. Er beginnt sich intensiv mit dem Avantgardefilmschaffen im deutschsprachigen Raum zu beschäftigen und lernt unter anderen die vorwiegend aus dem Berliner Raum stammenden Filmschaffenden Thomas Kiesel, Frieder Butzmann, Reinhold Vorschneider, Nils Krüger, Regina Baumgart, Gerti Fietzek, Thomas Kapielski, Rolf-Peter Baacke kennen. 1981 lernt er die österreichischen Avantgardefilmer Lisl Ponger, Dietmar Brehm und Ernst Schmidt Jr. kennen. 1982 ist er Gründungsmitglied der Austrian Filmmakers Cooperative aus der er 1993 austritt. 1984 beginnt Tscherkassky mit der Präsentation des zweiteiligen Programms „überBlick – Super-8-Filme aus Österreich“ im Rahmen der Ausstellung „Kometen.Folge.Lawinen.Orte“ der Galerie Thaddäus Ropac im Berliner Kutscherhaus mit seiner kuratorischen Tätigkeit. Ende dieses Jahres kehrte er nach Wien zurück, wo er unter anderen mit Eva Schlegel, Heimo Zobernig, Gudrun Bielz, Helmut Rainer und Helmut Mark die „UFVA – Unabhängiger Film & Video Austria“ gründet. Zwischen 1985 und 1986 schreibt er seine Dissertation „Film + Kunst: Zu einer kritischen Ästhetik der Kinematografie“ am Institut für Philosophie in Wien. 1986 promoviert er. Von 1989 bis 2002 geht er einem Lehrauftrag für künstlerische Filmgestaltung an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz nach. 1993 und 1994 wird er vom Kunstminister Rudolf Scholten zum künstlerischen Leiter des neu gegründeten Festivals des österreichischen Films, der Diagonale, bestellt. 1993 konzipiert er auch die Retrospektive „morgenlicht. Österreichischer Avantgardefilm von Kubelka bis heute“ im Berliner Kino „Arsenal“. Weitere Kuratoraufträge folgen. 2005 hat sein Werk „Instructions for a Light and Sound Machine“ beim Filmfestival von Cannes in der Reihe „Quinzaine des réalisateurs“ Weltpremiere. Bekannte Filme des Regisseurs sind „Happy End“ , 1996 und „Outer Space „, 1999, ein weiterer mehrfach preisgekrönter Kurzfilm des Regisseurs ist „Dream Work„, 2002. Zahlreiche seiner Filme werden beim österreichischen Filmverleih Sixpackfilm vertrieben.

http://www.tscherkassky.at/

Manoel de Oliveira

Dezember 12, 2008

Manoel de Oliveira wird am 11.12.1908 in Porto geboren. Er  ist ein portugiesischer Filmregisseur und Drehbuchautor.

Manoel de Oliveira ist der wohl bekannteste Filmregisseur Portugals. Er gilt seit 2001 als ältester noch aktiver Regisseur und der einzige, der schon zur Stummfilmzeit gearbeitet hat. Oliveira gehört zu den einflussreichsten Filmemachern in Europa. Oliveira wird in eine wohlhabende portugiesische Familie hineingeboren. In jungen Jahren ist er aktiver Sportler und auch Autorennfahrer. Eigentlich will er Schauspieler werden, doch der Film „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ von Walter Ruttmann inspiriert ihn, Filmregisseur zu werden. Sein erstes Werk entsteht 1931 noch als Stummfilm: „Douro, faina fluvial“, ein Dokumentarfilm über den nordportugiesischen Fluss Douro. Sein nächster Film, „Aniki-Bobo“ (1942) über Straßenkinder in Porto, wird ein Misserfolg und Oliveira wendet sich von nun an der Herstellung von Portwein im familiären Weingut am Douro zu. Bis 1972 entstehen nur sehr sporadisch weitere Filme. Mit einem Alter, in dem andere in Rente gehen, beginnt Oliveira sich mit ganzer Kraft dem Filmemachen zu widmen. Seither entstehen gut 20 Spielfilme, deren bekannteste davon “ Am Ufer des Flusses“ (1994) sein dürfte. Oliveira führt nicht nur Regie, sondern arbeitet auch an Drehbüchern, beschäftigt sich mit dem Filmschnitt und der Kameraführung und ist als Produzent aktiv.

Kurt Mätzig

September 7, 2008

Kurt Maetzig wird 25.1.1911 in Berlin geboren. Er ist ein Filmregisseur, der in der DDR wirkte und dort maßgeblich das Filmschaffen, insbesondere in seinen propagandistischen Aspekten, bestimmte.

Kurt Maetzig, Sohn von Robert Maetzig und seiner Ehefrau Marie geb. Lyon, erwarb schon im väterlichen Betrieb, der Filmkopieranstalt FEKA, wesentliche Kenntnisse über Filmherstellung. Er studierte nach dem Abitur 1930 an der TH München Chemie, Ingenieur-, Volks- und Betriebswissenschaften sowie in Paris an der Sorbonne Soziologie, Psychologie und Jura. 1935 begann er, Titelvorspänne und Werbetrickfilme herzustellen und promovierte in München mit dem Thema Das Rechnungswesen einer Film-Kopieranstalt.

1937 wurde ihm wegen der jüdischen Abstammung seiner Mutter, die später Selbstmord beging, die Arbeit beim Film untersagt. Maetzig betrieb nun in Berlin ein kleines fotochemisches Labor und hielt Vorträge über Filmtechnik. 1944 trat er in die verbotene KPD ein.

Nach dem Krieg beteiligte er sich sofort am Wiederaufbau des Filmwesens und wurde im Mai 1946 Mitbegründer der DEFA, Initiator und erster Direktor der DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge. Sein ganzer Einsatz galt der Erneuerung der Filmkunst in Deutschland. Einer der Höhepunkte seines damaligen Schaffens wurde Ehe im Schatten, nach der Novelle von Hans Schweikart Es wird schon nicht so schlimm. Dem beliebten Schauspieler Joachim Gottschalk war nahegelegt worden, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen, worauf die Eheleute einen gemeinsamen Freitod wählten. Die Verfilmung unter dem Titel Ehe im Schatten wurde 1947 der erfolgreichste deutsche Film dieser Zeit. 1949 nahm er im September, also noch vor der Gründung der DDR im Oktober, mit seinem FilmDie Buntkarierten als erster ostdeutscher Beitrag am Filmfestival Cannes 1949 teil.

Außer diesem wurden noch vier von Maetzigs späteren Filmen, von denen zwei das Leben des Kommunistenführers Ernst Thälmann behandelten, mit dem Nationalpreis der DDR dekoriert. 1950 wurde er Mitglied in der Deutschen Akademie der Künste, ab 1955 war er Professor für Filmregie und Direktor der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg (bis 1964) und 1956 wurde er erster Vorsitzender der Vereinigung der Filmklubs der DDR.

Nicht aufgeführt wurde sein Film Das Kaninchen bin ich (1965) nach einem Roman von Manfred Bieler. Maetzig, darüber durchaus irritiert, verhielt sich aber weiterhin konform. Er wurde 1973 Präsident der Zentralen Arbeitsgemeinschaft für Filmklubs beim Ministerium für Kultur, erhielt 1981 den Stern der Völkerfreundschaft und 1986 den Vaterländischen Verdienstorden. Maetzig, viermal verheiratet, hat drei Kinder.

http://www.kurt-maetzig.de/intro_flash.html